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Wuppertaler Landwirte und Jagdpächter spüren Rehkitze mit Drohne auf

Natur und Umwelt : Flugdrohne spürt in Wuppertal Rehkitze auf

Um den tierischen Nachwuchs vor dem Mähen der Felder zu retten, wird eine Wärmebildkamera eingesetzt. 14 Tiere konnten in diesem Jahr so bereits geschützt werden.

Mit Hilfe von oben gehen derzeit am Dönberg Jagdpächter und Landwirte auf die Suche nach Rehkitzen, die sich auf landwirtschaftlich genutzten Feldern verstecken: Dabei nutzen sie eine mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Flugdrohne, die die Felder kurz vor dem Einsatz eines Mähdreschers oder Treckers abfliegt. Findet die Drohne ein Rehkitz, macht der Pilot die Jagdpächter und Landwirte darauf aufmerksam, damit das Jungtier gerettet werden kann.

„Bislang haben wir in diesem Jahr auf diese Weise 14 Kitze gefunden“, sagt Boris Kostka, Jagdpächter des Reviers Dönberg 4. Auch Rehe oder Hasen werden auf diese Weise immer wieder entdeckt und vertrieben. Kostkas Revier ist mit einer Fläche von 450 Hektar recht groß, im vergangenen Jahr hatte er erstmals die Drohne eingesetzt, um die Jungtiere in den Feldern zu entdecken. „Mich hatte damals ein Landwirt angesprochen“, erzählt er. So kam er in Kontakt mit dem Drohnenpiloten Ulrich Brücher aus Velbert, der seit 2016 die Flüge zur Suche nach Rehkitzen durchführt.

Zum Schutz der Jungtiere gibt es zwar schon verschiedene „Vergrämungsmethoden“ wie Flatterbänder und Tüten, elektronische Lichtblitze oder den Einsatz eines Radios. Am Tag der Mahd bieten Jäger mit ihren Hunden eine Absuche an. Wegen des schwachen Eigengeruchs der Rehkitze muss die Fläche nach Angaben von Experten aber engmaschig begangen werden.

Mit Hilfe der Drohne findet Jagdpächter Boris Kostka Rehkitze in den frühen Morgenstunden. Foto: Kostka

Manche Mähdrescher haben auch Infrarotsender montiert, mit denen die Jungtiere entdeckt werden. Da aber verdorrendes Gras von der Sonne erhitzt wird, kommt es dabei immer wieder zu Fehlalarmen.

Rehkitze sind etwa so groß wie eine Katze und ducken sich bei drohender Gefahr an den Boden - wenn sich ein Mähdrescher nähert, folgt das Kitz seinem Instinkt, drückt sich flach auf den Boden und verharrt reglos. Bemerkt der Fahrer des Mähdreschers das Tier nicht rechtzeitig, bedeutet dies das Todesurteil für das Jungtier. Erst wenn die Tiere „fünf bis sechs Wochen alt“ seien, würden die Rehe ihrem Fluchtinstinkt folgen und vor den landwirtschaftlichen Maschinen Reißaus nehmen, erzählt Kostka.

Damit die Rehkitze von der Wärmebildkamera erfasst werden können, muss der Temperaturunterschied von der Oberfläche des Kitzes zur Umgebung hoch genug sein. Das bedeutet für die Retter einen Einsatz in den frühen Morgenstunden, wenn die Außentemperaturen noch niedrig sind. Drohnenpilot Brücher startet in der Regel zwischen 4.30 und 5 Uhr zu seinen Flügen. „Die Saison beginnt im Mai“, berichtet der gelernte Maschinenbauer, der über den Modellbau zum Drohnenfliegen kam. Etwa 70 Termine hat er in diesem Jahr bislang absolviert.

Über eine App an seinem Smartphone kann Brücher den Kurs der Drohne vorgeben und dann halbautomatisch die Strecke über dem Feld abfliegen. Bei „idealen Bedingungen“ kann er mit seinem selbst gebauten Quadrocopter in einer Stunde 150 Hektar abfliegen. Entdeckt er während des Fluges ein Rehkitz, dauert es wegen der dann folgenden Rettungsaktion länger.

Fast alle Landwirte
im Revier kooperieren

Noch etwa zwei bis drei Wochen werden die Rettungsaktionen für Rehkitze dauern, schätzt Kostka. Es sei erfreulich, dass fast alle Landwirte in seinem Revier kooperierten und sich vor der Mahd an ihn wendeten, freut sich der Jagdpächter. Bei der Rettung der Kitze erhält zudem jedes Jungtier eine Ohrmarke, auf der das Geburtsjahr vermerkt ist. Überdies können über die Marken die Wanderungswege der Rehe ermittelt werden.