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Wuppertaler Kurrende bringt die Musik in die Stadtviertel

Die Knaben touren mit einem Lkw und singen Weihnachtslieder : Wuppertaler Kurrende bringt die Musik in die Stadtviertel

Weil die traditionellen Weihnachtskonzerte nicht stattfinden können, gehen die Knaben neue Wege. Derzeit touren sie mit einem Lkw durch die Stadt.

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“, klingt es über die Straße. Der Radfahrer guckt erstaunt, radelt aber weiter. Ein paar Häuser weiter trägt ein Paketbote unbeirrt seine Pakete aus. Doch das locker verteilte Grüppchen von Menschen um die Musiker wird immer größer. Spaziergänger gesellen sich dazu und genießen den kleinen Hauch Adventsstimmung bei strahlendem Sonnenschein. Die Wuppertaler Kurrende ermöglicht coronagerecht den musikalischen Genuss in der Vorweihnachtszeit.

„Wir haben überlegt: Wenn alles wegbricht, was können wir noch tun?“, erzählt Markus Teutschbein, musikalischer Leiter der Kurrende. In normalen Zeiten ist der Dezember immer der Hauptmonat der Kurrende: Der Knabenchor tritt im ganzen Stadtgebiet bei den beliebten Quempaskonzerten auf und singt zusätzlich in Altenheimen. Dieses Jahr jedoch fällt das alles weg. „Deshalb wollten wir Menschen, die einsam sind, eine Freude machen“, erklärt Teutschbein. Die Kurrende veröffentlichte einen Aufruf dazu. Rund 40 Menschen meldeten sich und baten um einen Auftritt vor ihrer Haustür. Über die Hälfte davon wird nun beglückt.

Der Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW) stellte einen kleinen Lastwagen zur Verfügung. Auf ihm finden das E-Piano und die von Thöne und Partner gesponserte Technik Platz. Die vier Kurrende-Knaben stehen mit Abstand zueinander davor, jeder mit einem Mikro in der Hand. Ein Tontechniker ist ebenso ehrenamtlich mit von der Partie wie eine Fahrerin für den Lkw. Von Montag bis Samstag ist der Musik-Laster jeden Nachmittag unterwegs. Wo er genau steht, wird nicht veröffentlicht, um keine Menschenmengen anzuziehen. Alle Jungen des Konzertchors dürfen im Wechsel dabei auftreten. „Alle sollen mal zum Singen kommen“, erklärt der Dirigent. Das Gesundheitsamt hat das Konzept abgesegnet.

„In der kleinen Gruppe ist das schon schade – im Chor klingt das lauter und schöner“, findet Gustav (8). Sein Freund Ferdinand (9) erzählt: „Drei Jahre lang habe ich in einem anderen Rhythmus gesungen – dieses Jahr kann ich einmal proben, dann wieder nur online, dann in kleiner Gruppe.“

Schön hört es sich trotzdem an: Kommet Ihr Hirten, Vom Himmel hoch, Fröhliche Weihnacht. Zwischendurch weht der Wind die Seitenplane vom Lkw herunter und verdeckt das Piano. Doch die Knaben sind Profis und lassen sich nicht stören. Die Zuhörer genießen den Auftritt: „Es war total nett, auch wenn es kein Vergleich ist zu den festlichen Konzerten“, finden Lydie Hugendubel und Ursula Becher. Sie sind langjährige Kurrende-Fans und folgen nun dem Musik-Lastwagen. „Bestellt“ hat den Auftritt Eckart Ludwig. „Das war eine spontane Idee meines Sohnes. Und das war wirklich eine schöne Sache“, findet der Musikliebhaber. Begeistert klatschen alle Beifall, bevor die Musiker zusammenpacken und zum nächsten Auftritt weiterfahren.