Wuppertaler Kult-Lokal Nudeltöpfchen schließt im Dezember

Gastronomie : Wuppertaler Kult-Lokal Nudeltöpfchen schließt im Dezember

Schlechte Nachrichten für alle Pasta-Fans. Beate und Kurt Mathe geben das Kult-Lokal Nudeltöpfchen in Sonnborn aus Altersgründen auf.

Es ist eine kulinarische Institution im Wuppertaler Westen. Im Nudeltöpfchen an der Sonnborner Straße schlagen die Herzen von Pastafans höher. Hier gibt es die leckeren Teigwaren in allen Variationen zwischen herzhaft und süß – und das mit langer Tradition. Gerade hat das Restaurant seinen 29. Geburtstag gefeiert. Es wird allerdings der letzte Jahrestag bleiben. Ende Dezember ist Schluss. Besitzer Beate und Kurt Mathe geben das Nudeltöpfchen aus Altersgründen auf. Der Abschied fällt ihnen schwer.

„Wir haben lange darüber nachgedacht, aber der Zeitpunkt ist jetzt gekommen, kürzer zu treten“, erklärt Beate Mathe die Entscheidung. Nach insgesamt rund 40 Jahren in der Gastronomie sei für beide das Pensum nicht mehr zu bewältigen. Immerhin ist an das Restaurant noch ein Hotelbetrieb angeschlossen. Dieser soll weitergeführt werden. „Wir gehen in Altersteilzeit“, sagt Beate Mathe. Das Ehepaar ist selbst Besitzer der Immobilie an der Sonnborner Straße und bewohnt diese auch. Daher wird es dort keine gastronomische Nachnutzung geben.

Die Stammgäste des Nudeltöpfchens trifft das hart. „Viele haben richtig geschockt reagiert und manche hatten auch Tränen in den Augen, als wir sie über die geplante Schließung informiert haben“, berichtet Beate Mathe. Einige Besucher hätten auch schon mehrfach versucht, die Besitzer umzustimmen. „Ich kann das verstehen, denn der Kontakt ging weit über eine geschäftliche Beziehung hinaus. Da sind viele Freundschaften entstanden“, erzählt Beate Mathe.

Für die Stammkunden war das Lokal ein zweites Wohnzimmer

Das bestätigt Stammgast Lothar Santer, für den das Nudeltöpfchen ein zweites Wohnzimmer geworden ist. Gern schaut er mehrfach in der Woche auf einen Kaffee vorbei, um einfach etwas zu plaudern. Auch für ihn ist das bevorstehende Aus des Nudeltöpfchens eine richtig schlechte Nachricht. „Ich verliere ein Stück Heimat“, so Santer. Er könne die Entscheidung der Inhaber aber nachvollziehen.

„Wir haben uns das gut überlegt“, sagt Beate Mathe. „Das Nudeltöpfchen ist schließlich unser Kind“, betont sie. Die Besitzer denken gern an die Anfangstage zurück. Die gelernte Konditorin und ihr Mann waren bereits vor dem Nudeltöpfchen lange in der Gastronomie aktiv und auf der Suche nach einem eigenem Restaurant. Dabei stießen sie auf das Haus an der Sonnborner Straße 63. Dies hatte bereits eine lange und bewegte Geschichte. Erstmalig 1883 eröffnet, war es als Schwaferts Saalbau bekannt und viele Jahrzehnte im Besitz der gleichnamigen Familie. Sogar ein Kino befand sich zeitweise im Gebäude. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Räume verpachtet. „Das Haus Schwaferts war für seine gute Küche bekannt, daher hat uns der Standort gereizt“, erinnert sich Beate Mathe. Zusammen mit ihrem Mann wollte sie an diese Tradition anknüpfen, mit einem modernen Konzept aber auch frischen Wind in das Restaurant bringen. So entstand die Idee zur Eröffnung des Nudeltöpfchens. Seitdem ist Kurt Mathe für die Zubereitung der vielfältigen Pastagerichte zuständig, während Beate Mathe sich um den Service kümmert.

Mit der Zeit wurden auch ausgefallene Kreationen wie Marzipan- oder Schokonudel in die Speisekarte aufgenommen. Neben dem Restaurant gab es seit 1998 auch ein Nudellädchen. Dort ließen sich dekorative Geschenke in Form von Schwebebahnnudeln oder Weihnachtsnudeln erstehen. Der Laden hat bereits seine Pforten geschlossen. Der Betrieb im Festzelt hinter dem Gebäude wurde schon länger eingestellt. Vor Jahresende wird auch das Restaurant Geschichte sein. Wer noch einmal die Atmosphäre und die Speisen im Nudeltöpfchen genießen will, sollte sich sputen. Kurz vor Weihnachten heißt es in Sonnborn ein letztes Mal: „Nudeln machen glücklich“.

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