Auszeichnung Wuppertaler Künstler Hans-Jürgen Hiby erhält Ehrennadel

Wuppertal · Künstler macht sich um Nächstebreck verdient.

Künstler Hans-Jürgen Hiby

Künstler Hans-Jürgen Hiby

Foto: Oelbermann Fotografie / Florian Schmidt

Eine Persönlichkeit, für die der Satz „Back to the Roots“ nie eine Bedeutung hatte: Das zumindest sagt Hermann Josef Richter, der bis vergangenen Mittwoch Vorsitzender des Bürgervereins Nächstebreck war. „Der heutige Träger der Nächstebrecker Ehrennadel in Gold hat seine Wurzeln nie verlassen oder gar vergessen.“ Gemeint ist der Künstler Hans-Jürgen Hiby, der sich um Nächstebreck verdient gemacht hat – und nun für sein Engagement die Ehrennadel erhielt. „Hans-Jürgen Hiby ist menschlich einfach großartig“, so Richter.

Er nennt einige Kunstwerke des Künstlers, die in Wuppertal zu sehen sind. So zum Beispiel das Werk „Entstehen und Vergehen“ (1975/76) im Altenpflegeheim an der Neviandtstraße oder das Werk „Spielende Finger“ (1980/81) aus Marmor an der Simonsstraße. „Und dann zu unser aller Überraschung 2017 ,Der Weg ist das Ziel’, geschaffen aus einer Platane aus Traute Diemer-Brackens Garten an der Hannoverstraße“, erklärt Richter. Dieses „wundervolle und ausdrucksstarke Kunstwerk“ habe er als Geschenk dem Bürgerverein und damit allen Bürgern Nächstebrecks übergeben. „Für Trassennutzer aus nah und fern ist es immer wieder eine Rast wert. Uns erfüllt dieses Geschenk mit großem Dank“, sagt Richter.

„Bürokratie ist
mir ein Graus“

Hans-Jürgen Hiby versteht sich selbst als Nächstebrecker durch und durch. „Ich bin hier geboren und lebe schon in der fünften oder sechsten Generation hier“, erzählt er. In der Hottensteiner Kirche wurde er getauft, besuchte die Grundschule vor Ort. „Mein Vater ist 1944 in der Ukraine gefallen, danach hat meine Mutter den Textilbetrieb alleine weitergeleitet. Eigentlich sollte ich als einziger Sohn den Familienbetrieb übernehmen“, berichtet der 82-Jährige.

Doch die Mutter ließ sich dazu überreden, dass ihr Sohn am Gymnasium Siegesstraße sein Abitur machen kann. Die Riemendreherei sei ohnehin nicht mehr zeitgemäß gewesen, erinnert sich Hiby. „Das war großes Glück“, sagt er. Der Betrieb wäre mit viel Bürokratie verbunden gewesen. „Und Bürokratie ist mir ein Graus.“ Nicht umsonst schlug er eine andere Richtung ein – als Künstler. Seine damalige Freundin, heute Ehefrau, habe ihm gut zugeredet. So begann er das Kunsterzieherstudium in Bonn und Mainz. Eine Exkursion führte ihn nach Österreich. „Ich fand Gefallen an dem Römersteinbruch in St. Margarethen und habe mir die Erlaubnis eingeholt, dort zu arbeiten“, sagt er. Der Weg in die Bildhauerei war geebnet. Er unterbrach sein Kunsterzieherstudium, das er später jedoch wieder aufnahm, „damit ich Geld verdienen kann.“ Von 1970 bis 2003 unterrichtete er am Gymnasium Sedanstraße in Barmen. „Ich bin immer wieder nach Nächstebreck zurückgekommen“, sagt Hiby. Als seine Mutter den Betrieb 1986 aufgab, übernahm er die Räume als Atelier, in dem er bis heute ausstellt.

„Hans-Jürgen Hiby ist nicht nur hier in Wuppertal bekannt und anerkannt, sondern deutschlandweit und international“, erklärt Hermann Josef Richter. So habe er Ausstellungen in vielen Städten Deutschlands sowie unter anderem in Ägypten, Frankreich, Österreich, Polen und in den USA gehabt. Richter: „Es macht uns sehr glücklich und auch ein wenig stolz, einen solch international anerkannten Künstler, Bildhauer und Maler als bekennenden Nächstebrecker nicht nur in unserem Stadtteil wohnen zu haben, sondern auch seit Jahrzehnten Mitglied unseres Bürgervereins nennen zu dürfen.“

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