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Wuppertaler Komponist ist für Pariser Award nominiert

Kultur : „Es zählen nicht nur Musik und Projekte“

Der Komponist und Songwriter Richard Albert ist für die Paris Art and Movie Awards nominiert.

Zwischen Wuppertal und Hollywood liegen gut 9000 Kilometer. Für Richard Albert ist diese Entfernung kein Thema. Seine Musik hat schon vor Jahren den Sprung über den großen Teich geschafft. Einer seiner Songs für den Film „Hell‘s Kitty“ hat 2018 den American Tracks Award gewonnen.

US-Regisseure melden sich bei ihm, wenn sie einen Soundtrack für eine neue Produktion brauchen. Von seiner Wohnung in Vohwinkel aus kann sich der Filmmusikkomponist mit ihnen austauschen. Die Video-Telefonie macht es möglich. Er wundere sich nicht, meint Albert scherzend, wenn sein Gesprächspartner einen Bademantel trägt. Denn bei den Video-Konferenzen ist es entweder in Amerika oder in Europa wegen der Zeitverschiebung früh am Morgen oder spät am Abend.

Dank der Technik kann der 36-jährige bleiben, wo er am liebsten ist. „Vohwinkel hat seinen eigenen Charme. In zehn Minuten bin ich mit dem Fahrrad im Grünen, und es ist trotzdem noch städtisch.“ Angenehm überschaubar ist es auch. Beim Weg durchs Quartier freut er sich, bekannte Gesichter zu sehen und gegrüßt zu werden. Immer dabei ist sein kleines Aufnahmegerät. Damit nimmt er interessante Geräusche – etwa den Sound „eines rappeligen Ventilators“ – auf, um es später einmal in einen Song einzubauen. „Für mich ist es eine Art akustisches Notizbuch.“

Der Musiker hat gelernt, mit der Konkurrenz umzugehen

Wenn er nicht zu Hause an seiner Musik feilt, verbringt er seine Zeit gern im Vohwinkeler Stadtpark. Dort joggt er, geht mit seinem zweijährigen Sohn spazieren oder genießt den Panoramablick über Wuppertal. „Ich habe ein ganz normales Leben wie jeder andere auch“, sagt Albert, und in seiner Stimme schwingt ein bisschen Stolz mit.

In Los Angeles sitzt sein Agent, der Kontakte an ihn vermittelt. Immer mal wieder ist Albert selber in der Film- und Fernsehmetropole. Ein „Schock“ sei der erste Aufenthalt nicht gewesen. „Aber alles ist viel größer, und sehr viele Leute arbeiten in der Kreativbranche. Das kleinste Projekt wird dort als der nächste Hollywood-Hit angepriesen.“ Der Musiker hat gelernt, mit der großen Konkurrenz umzugehen. „Ich muss hartnäckig sein und Lust darauf haben, viel Zeit zu investieren. Sobald man das Vertrauen der Leute erworben hat, läuft es.“

Mit den Machern von „Hell‘s Kitty“ arbeitet Albert seit mehr als sieben Jahren regelmäßig zusammen. Sie haben ihn auch schon in Wuppertal besucht. Obwohl etliche seiner Auftraggeber in L.A. sitzen, kann er sich nicht vorstellen, in die USA umzuziehen. „Hier ist meine Familie. Ich kann gut von meinem Heimstudio aus arbeiten. Es zählen eben nicht nur Musik und Projekte. Es zählt, ein intaktes Familienleben zu haben.“

Der Erfolg der Horrorfilm-Parodie „Hell‘s Kitty“ strahlt mittlerweile auch nach Europa zurück. „Chainsaw Kitty“, eine Gemeinschaftsarbeit von Komponist und Regisseur, ist für die Paris Art and Movie Awards 2019 in der Kategorie „Best Soundtrack Song“ nominiert.

Im Oktober nimmt ein Streicherensemble Musik von Albert auf – in den Londoner Abbey Road Studios, wo einst die Beatles ihre Alben einspielten. „Da bin ich ganz aufgeregt“, berichtet er. „Ich habe die Musiker zehn Minuten für mich. Per Videoschaltung kann ich mit dabei sein und in den Chat hineinschreiben, was ich möchte.“

Apropos Streicher: Albert ist ein großer Fan des Sinfonieorchester Wuppertal. „Es wäre schon ein Traum, mit dem Sinfonieorchester in der Stadthalle aufzutreten und dort meine Musik zu spielen.“