Wuppertaler Kitas wollen Schach in ihr Pädagogik-Konzept integrieren

Projekt : Wie Schach die Entwicklung fördert

Zwölf Kitas in Wuppertal wollen das Spiel in ihr Pädagogikkonzept integrieren.

Schon Dreijährige an das Schachspiel heranführen – wie soll das gehen? 15 Erzieherinnen sitzen in einem Seminarraum der Junior Uni und hören Ralf Schreiber zu. Ralf Schreiber kommt vom Verein „Schach für Kids“. Der hat seinen Sitz in Sprockhövel und vermittelt dieses Wissen schon seit 13 Jahren an Kindergärten in ganz Deutschland und darüber hinaus. Als pädagogisches Hilfsmittel fördere Schach die Entwicklung der Kinder, ihr Sozialverhalten, Selbstbewusstsein, Fantasie, Kommunikation, logisches Denken und die Willenskraft.

Die Junior Uni stellt den Raum für das Seminar zur Verfügung. Die Finanzierung sichert der Round Table Wuppertal. „Das untere linke Feld ist immer schwarz“, Schreiber fängt ganz bei Null an. Erklärt Grundlegendes zum Spiel, zu Figuren und Zügen. Und dass man Kinder nicht gleich Partien spielen lässt. Sondern über Vorstufen wie das sogenannte Chips-Schach langsam an die Sache heranführt. Und wie sich das in der pädagogischen Arbeit nutzen lässt.

Zwölf Einrichtungen sind in diesem Seminar vertreten. Bianca Hinz ist für die Tal-Strolche da. „Für mich ist alles neu“, sagt sie. „Aber mich überzeugt die Ganzheitlichkeit an diesem Konzept.“ Einmal in der Woche soll Schach eingesetzt werden, das sei schon fest geplant. Nicht mit allen, aber mit einigen Kindern. Sie selber spielt noch nicht. Sie sagt: „Ich werde das wohl mit den Kindern lernen.“ Auf lange Sicht könnte man ja unter den Einrichtungen des Trägers Stepke, zu denen die Tal-Strolche gehören, vielleicht sogar Turniere ausrichten.

Beim Hochschulkindergarten rannte die Anfrage, beim Seminar teilzunehmen, offene Türen ein. „Eine Kollegin wollte gerade eine Schach-AG gründen“, erzählt Bettina Thiel. „Leider ist sie krank, da bin ich gekommen.“ Nein, sie spiele kein Schach, habe gerade erst die Grundzüge gelernt. In einer Seminarpause versucht sie sich aber direkt in der Praxis. „Mein erster Bauer“, sagt sie und verweist auf die gerade geschlagene Figur. Wenn ihre Gegnerin allerdings genauso gut zugehört hat, wird Thiels Läufer seine Tat umgehend büßen müssen – steht er doch nun auf verlorenem Posten. Wie auch immer, an diesem Brett geht es lustig zu. „Wir haben viel Spaß“, sagt Thiel.

Am Ende des Tages werden die Erzieherinnen für jede Einrichtung ein Starter-Set mitnehmen. Das enthält jeweils acht Schachbretter und acht Figurensätze, 16 Lern- und Übungshefte für die Kinder, ein Heft für die Pädagogen und natürlich die Chips für das Chips-Schach. In welchem Maß Schach dann eingesetzt wird, wird sich zeigen. Das kann sogar soweit gehen, dass eine Kita später einmal als Schach-Kindergarten zertifiziert wird. Entsprechend dem Musik- oder dem Bewegungs-Kindergarten. Der erste Zug ist gemacht.

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