Wuppertaler Kirchenkolumne: Im Krankenhaus nicht allein

Was glauben Sie denn? : Im Krankenhaus nicht allein

Warum bekomme ausgerechnet ich diese Krankheit? Womit habe ich das verdient? Das ist nicht gerecht!“ Manch ein Mensch, der im Krankenhaus liegt und noch nicht weiß, wie es weitergeht, schlägt sich mit dieser Frage herum.

Sie kommt uns Menschen schnell in den Sinn, wenn uns ein Unglück widerfährt, das uns aus den gewohnten Bahnen reißt.

Und kaum eine Frage ist schwerer zu beantworten als die nach dem Grund für das, was wir unverschuldet erleiden müssen.

Im Krankenhaus zu arbeiten, das bedeutet, oft mit Menschen über diese Frage ins Gespräch zu kommen. Und ganz schnell geht es dann auch um Gott: Warum lässt er das zu? Ist er ungerecht? Ist er machtlos? Gibt es ihn überhaupt?

Bei solchen Gesprächen habe ich auch schon so manchen Menschen getroffen, der durch seine Krankheit gelernt hat, ein ganz tiefes, neues Vertrauen zu Gott zu finden. Der plötzlich spürte: In dieser Situation bin ich nicht allein, in mir wächst eine Kraft, die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe.

Sollten Sie einmal als Patient in einem der Wuppertaler Krankenhäuser liegen, im Helios-Klinikum Barmen, im Bethesda-Krankenhaus, im Petrus oder St.Josef, müssen Sie nicht allein bleiben mit Ihren Gedanken. Wir evangelischen Seelsorger stehen bereit.

Sicher haben Sie die Erfahrung auch schon gemacht: Manchmal kreisen uns Gedanken im Kopf, in immer neuen Schleifen, und wir kommen nicht heraus und finden zu keiner Lösung.

„Und als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine“ – so klingt das in der Sprache der Bibel, wenn einer seinen Kummer in sich hineinfrißt.

Und wie befreiend ist es dann, sich jemandem anvertrauen zu können. Das Problem ist oft noch nicht gelöst, aber wir spüren dass wir nicht Opfer unseres Lebens sind, sondern selber etwas tun können, eine eigene Haltung entwickeln, selber entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen wollen.

Gerade im Krankenhaus, wo Patienten ja oft im wahrsten Sinne des Wortes „behandelt“ werden und ihnen eigenes Handeln weitgehend aus der Hand genommen wird, ist es wichtig zu spüren, dass wir immer noch die Person sind, die das eigene Leben verantwortet. Der ökonomische Druck auf die Krankenhäuser wird immer stärker. Viele Mitarbeiter leiden darunter, dass sie nicht genügend Zeit haben, auf die Einzelnen einzugehen, nicht nur in ihren pflegerischen Belangen, sondern in ihrem Bedürfnis nach Gesprächen und menschlichem Kontakt.

In dieser Situation sind wir da. Genauso auch für die Mitarbeiter, für die es befreiend sein kann, einmal offenherzig benennen zu können, wie belastend ihre Arbeit für sie oft ist.

In den Wuppertaler Krankenhäusern finden Sie gelebte Ökumene vor: evangelische PfarrerInnen und katholische Schwestern und Pfarrer arbeiten eng miteinander; es gibt auch konfessionelle evangelische und katholische Gottesdienste, aber ebenso gemeinsame Andachten und Gedenkgottesdienste, wir arbeiten in Fragen der Ethik zusammen, wir sind da, wenn jemand auf das Sterben zugeht und feiern mit ihm Eucharistie oder Abendmahl, beten mit ihm und segnen ihn. Wir gestalten die besonderen Zeiten im Jahr, z.B. die Advents- und Weihnachtszeit, gemeinsam.

Wenn Sie einmal jemanden aus Ihrer Familie im Krankenhaus haben, sprechen Sie uns an! Über die Pforte der jeweiligen Häuser können Sie mit uns verbunden werden und Sie finden unsere Telefonnummern auf den Internetseiten der Krankenhäuser und des Kirchenkreises Wuppertal. Bleiben Sie gesund und behütet!

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