Wuppertaler Jugendliche verarbeiten Gedenkstättenfahrt mit Bildern

Ausstellung : Jugendliche zeigen ihre Gedenkstättenfahrt in Bildern

Im Frühjahr machte sich eine Gruppe auf den Weg nach Polen. Ihre Eindrücke sind jetzt im Haus der Offenen Tür zu sehen.

In den Osterferien machten sich 18 Wuppertaler Jugendliche auf den Weg nach Polen. Sechs Tage lang folgten sie den Lebensspuren von Edith Stein. Nach ihr ist in Vohwinkel eine Straße benannt. Die Benennung erinnert an die Nonne, die wegen ihrer jüdischen Herkunft 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Begleitet von Ana Quiles, die das Haus der Offenen Tür St. Bonifatius leitet, besuchte die Gruppe Steins Geburtsstadt Breslau (polnisch Wroclaw). Auf der Route lag aber auch der Sterbeort – die heutige KZ-Gedenkstätte. Alle Reisestationen wurden auf Fotos festgehalten. Diese Aufnahmen sind noch bis zum 19. November im katholischen Haus der Offenen Tür ausgestellt.

Über das KZ-Gelände führte ein deutschsprachiger Guide die Besucher, die den Erläuterungen schweigend folgten. Sie sei erschüttert gewesen, sagt Emanuela Cacciatore (20), wie systematisch in Auschwitz das Töten organisiert war. Ihr Geschichtsunterricht habe sie auf dieses Erlebnis nicht vorbereitet.

Um mehr über die NS-Zeit zu erfahren, war auch Jonas Lubisch mitgefahren. Könnte er einen Besuch der Gedenkstätte empfehlen? Ja, sagt der 17-jährige, aber „man sollte es nicht auf die leichte Schulter nehmen“. Bis heute wundert er sich über Teilnehmer anderer Besuchergruppen – Schüler wie er, die ausgerechnet an diesem Ort herumgealbert hätten.

Eine Zeitzeugin berichtete
sogar länger als geplant

Ana Quiles stellte es jedem Teilnehmer frei, mit zur ehemaligen Gaskammer zu gehen, in der wohl auch Edith Stein starb. „Ich war eine von denen, die nicht mehr konnten“, gibt Emanuela zu. Nicht alles, was sie sah, empfand sie als derart bedrückend. Sie denkt an die zahllosen Fotos, die die KZ-Häftlinge hinterlassen haben. „Das gibt dem Ganzen Gesichter.“

Mit ihrem Auschwitz-Erlebnis blieb die Wuppertaler Gruppe nicht allein. Jonas erzählt, dass es jeden Abend die Gelegenheit gab, die vielen Eindrücke gemeinsam zu bereden. Am Ende der Reise, in Krakau, gab es ein Gespräch mit einer jüdischen Zeitzeugin.

Rena Rach wurde im Kriegsjahr 1941 geboren. Ihr Vater gehörte zu den Zwangsarbeitern, die auf der Liste des in Krakau ansässigen Fabrikanten Oskar Schindler standen und so der Vernichtung entkamen. Die kleine Rena überlebte, weil eine christliche Familie sie aufnahm. „Die fand uns so sympathisch“, sagt Jonas, „dass sie länger als die geplante Stunde mit uns gesprochen hat“.

Eine Frage, die Rach in die Runde stellte, war: Sind Gedenkstätten wie Auschwitz sinnvoll? „Ich denke, dass sie notwendig sind“, meint Jonas. „Jeder sollte Bescheid wissen, was damals passiert ist“, ergänzt Emanuela. Ana Quiles hält die Gedenkstätten für sinnvoll, da die hochbetagten Zeitzeugen irgendwann nicht mehr befragt werden können.

Das Thema beschäftigt Jonas. Nicht nur weil der Holocaust zum Unterrichtsstoff seines Geschichts-LKs gehört. Nach der Polen-Reise hat er drei Bücher gekauft, um noch mehr zu erfahren.

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