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Wuppertaler Jugendliche erklären Schülern das Leben von Anne Frank

Ausstellung : Jugendliche führen durch Ausstellung

Tafeln mit Bildern und Texten sowie Videos zeigen im Haus der Jugend das Leben von Anne Frank. 20 junge Menschen stehen Gleichaltrigen für Erklärungen bereit.

Die neue Ausstellung im Haus der Jugend widmet sich der wohl bekanntesten Tagebuchschreiberin der Welt – dem jüdischen Mädchen Anne Frank, das 1945 im KZ Bergen-Belsen starb. Große Info-Wände erzählen von ihrem Leben und den historischen Zusammenhängen. Videos ergänzen die Bilder und Texte.

Kernstück von „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ ist der so genannte „Gedankenraum“. Hier hört man im Halbdunkel Zitate aus dem Tagebuch, das den Menschen Anne lebendig macht – nachdenklich, witzig, unverblümt ehrlich. Mit Fragen wie „Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließe ich aus?“ wendet sich die Ausstellung direkt an junge Besucher und zielt auf das noch immer brisante Thema Diskriminierung ab.

Der Clou besteht darin, dass Jugendliche auch das Ausstellungserlebnis aktiv gestalten. Wer am Eröffnungsabend durch die Schau ging, traf alle paar Meter auf Ansprechpartner im Teenageralter. Sophie hatte sich im Eingangsbereich postiert und erklärte, warum es so viele Fotos von Anne, ihrer Familie und Freunden zu sehen gibt. „Otto Frank, Annes Vater, war ein begeisterter Hobby-Fotograf.“

Die Resonanz bei den Schulklassen ist groß

Die 18-jährige ist eine von knapp 20 Ausstellungsbegleitern, die sonst mit Schule, Studium oder Bundesfreiwilligendienst beschäftigt sind. Noch bis Ende Januar werden sie – im Sinne des Konzepts „Jugendliche begleiten Jugendliche“ – Schulklassen durch die Ausstellung führen. Auf ihre Aufgabe wurden sie in einem zweitägigen Trainingsseminar – inklusive Probe-Führungen – vorbereitet.

„Jede Klasse wird dann in zwei Gruppen eingeteilt“, weiß Sophie. Jeder Gruppe stehe jeweils ein Guide zur Verfügung. Damit sich gleichzeitig stattfindende Führungen nicht in die Quere kommen, startet eine Gruppe im historischen Teil, während die andere mit den aktuellen Fragestellungen beginnt.

Von breiter Resonanz berichtete Irmgard Stinzendörfer, die die Ausstellung für den Fachbereich Jugend & Freizeit betreut. „Schon jetzt haben sich 45 Schulklassen angemeldet.“ Ab der 7. Klasse seien alle Jahrgänge vertreten. Erfreut über den Zuspruch war auch Patrick Siegele, Direktor des Berliner Anne Frank Zentrums. Sein Verein hat die Ausstellung gemeinsam mit dem Anne Frank Haus in Amsterdam entwickelt.

Antisemitismus wirkt
auch nach 1945 weiter

Dass „Deine Anne“ die Brücke zur Gegenwart schlägt, ist für Siegele ein Muss. Antisemitismus und Verfolgung jüdischer Menschen – die Phänomene, von denen Annes Tagebuch Zeugnis ablegt, wirkten nach 1945 weiter. Das zeigten nicht nur Umfragen unter europäischen Juden, die sich im Alltag zunehmend unsicher fühlten. Ein deutliches Zeichen seien auch die Polizeistatistiken, die eine wachsende Zahl judenfeindlicher Straftaten registrieren. „Minderheiten müssen unbedingt geschützt werden“, sagte der Redner.

Demokratie sei nicht naturgegeben, stellte OB Andreas Mucke, Schirmherr der Ausstellung, fest. 75 Jahre nach der Ermordung von Anne Frank gebe es Personen und Parteien, die Rassismus wieder salonfähig machen wollten. „Mitmenschlichkeit, Respekt, Neugier auf den anderen Menschen“ hießen dagegen die Werte, die für Mucke zählten. „Wir müssen lauter sein als die, die die Demokratie kaputtmachen wollen.“ Zu Wort kamen auch junge Guides. Er habe Respekt vor seiner Aufgabe, sagte Student Tim, weil das Thema so gewichtig sei. „Wertvoll“ nannte er die zweitägige Vorbereitungszeit. „Wir wurden auf jede Situation vorbereitet. Auch auf den Umgang mit schwierigen Gruppen.“ Sie wolle nicht bloß Wissen über Anne Frank und ihre Zeit weitergeben, sagte Schülerin Josie. „Es geht darum, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.“