Wuppertaler Imker kämpft gegen Varroa-Milbe

Natur : Imker kämpft gegen Varroa-Milbe

Hans-Ulrich Müller züchtet seit 15 Jahren Bienen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Kampf gegen einen eingeschleppten Parasiten.

Auch wenn das Wetter und die Jahreszeit derzeit nicht danach sind, in den Bienenkästen von Hans-Ulrich Müller herrscht mittlerweile schon wieder Hochbetrieb. „Ab der Wintersonnenwende beginnt die Brutzeit“, sagt der Imker bei einem Gang zu seinen 20 Bienenvölkern. Derzeit halten sich in einem Stock rund 5000 Bienen auf, im Sommer sind es etwa zehnmal so viele. Immerhin 37 Grad Celsius beträgt die Temperatur in den Bienenkästen.

Momentan werden also in den Bienenvölkern die Voraussetzungen für ein ertragreiches Honigjahr gelegt. Doch mit der Brutzeit steigt auch immer die Gefahr, dass die Bienenlarven mit der Varroa-Milbe infiziert werden. Der bereits Mitte der 1970er Jahre aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Parasit setzt auch heutzutage noch den Bienenzüchtern in Deutschland zu. „Etwa fünf bis 15 Prozent der Völker sterben über den Winter daran“, erzählt der 68-jährige Rentner, der seit 15 Jahren in seinem Haus am Selmaweg Bienen hält. Auch sein Sohn Sascha betätigt sich mittlerweile als Imker.

Zur Bekämpfung der Varroa-Milben, die in die Bienenwaben schlüpfen und dann die Larven befallen, kann eine medizinische Behandlung mit Oxal- oder Ameisensäure eingesetzt werden. Erfolgversprechender und nachhaltiger ist allerdings der Ansatz, Bienen zu züchten, denen die Varro-Milbe nichts anhaben kann – weil sie im Stock für eine entsprechende Hygiene sorgen, mit der die Milben bekämpft werden. Hier erprobt die VSH-Gruppe Buckfast NRW, entsprechende Verhaltenseigenschaften bei den Königinnen beziehungsweise deren Nachkommen heranzuzüchten. VSH ist die Abkürzung für Varroa-sensitive Hygiene, Buckfast bezeichnet die Bienenrasse.

Sanftmütig und
schwarmträge

Denn auf Buckfast hat sich Müller in der Zucht konzentriert. Die Rasse ist eine Kreuzung, die nach einer englischen Benediktiner-Abtei benannt ist, in der ein aus Deutschland stammender Mönch diese Bienen gezüchtet hatte – als Kreuzung aus Bienenvölkern aus Europa, Afrika und Asien. Die Bienen dieser Rasse gelten als sanftmütig, sind gut im Honigertrag und schwarmträge – das heißt: Sie sind ihrem Züchter „treu“ und es gibt nur selten oder gar nicht Ableger, die ausschwärmen. Neben der Carnica-Biene ist diese Rasse die am weitesten verbreitete in Deutschland.

Seit zwei Jahren erprobt der Buckfast-Verband NRW, in dem Müller der Sprecher zum Thema „VSH“ ist, die Züchtung von Bienenköniginnen, deren Nachkommen das VSH-Verhalten aufweisen und durch bestimmte Putzeigenschaften und Brutpflege besser gegen Varroa-Milben vorgehen können. Dazu gibt es ein Zuchtverfahren, bei dem zunächst ein bestimmter Bereich der Brut abgetötet und hygienisch gesäubert wird. Anschließend werden Larven nachgezogen, aus denen Königinnen entstehen, die wiederum mit dem Samen einer einzelnen Drohne künstlich besamt werden. Die Drohnen stammen von einer Bienenkönigin ab, die bereits ein VSH-Verhalten aufweist. Die aus dieser Begattung entstehenden Eier beziehungsweise Larven werden dann vorsätzlich mit Varroa-Milben infiziert. Haben sich die Larven verpuppt und sind die Bienen kurz vor dem Schlüpfen, werden sie aus den Waben genommen und auf ihr VSH-Verhalten untersucht.

Dazu hatte sich die VSH-Gruppe Buckfast NRW im vergangenen Sommer zu einem großen „Auszähltermin“ in Mettmann getroffen. Je etwa 300 Waben wurden dort pro Volk ausgezählt, insgesamt wurden 55 Völker drei Tage lang auf ihr VSH-Verhalten untersucht. Da die Arbeit sehr aufwendig war, mussten sich die Bienenfreunde Unterstützung durch die Bergische Uni suchen. 16 Biologie-Studenten aus dem Bachelor- und Masterstudiengang unterstützten sie bei der Untersuchung.

Derzeit hoffen die heimischen Imker zudem auf Unterstützung durch das Forschungsvorhaben „Suppressed Mite Reproduction“, das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft vergeben wird. Das Vorhaben ähnelt den Untersuchungen der heimischen Buckfast-Züchter und soll über drei Jahre finanziert werden. Der Deutsche Imkerbund rechnet damit, dass im März der Zuschlag für das Programm erfolgt.

Von den Ergebnissen sollen dann alle Imker in Deutschland profitieren, sagt Olaf Lück vom Deutschen Imkerbund der WZ. So sollen die Bienenzüchter nach Abschluss des Programms gezüchtete Königinnen kaufen können, deren Nachkommen das nötige VSH-Verfahren aufweisen.

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