Wuppertaler holen sich Tipps für das Projekt Mobilitätswende

Zukunftsplanung : Nordtstädter holen sich Tipps für das Projekt Mobilitätswende

Anwohner zeigten großes Interesse am sechsten Stadtentwicklungssalon mit Berichten aus Oslo und Berlin.

Das Fahrrad ist das Fortbewegungsmittel der Zukunft, da sind sich die Anwohner in der Nordstadt sicher. Autofreie Städte, ausgebaute und sichere Radwege soll es hier einmal geben. Was in Wuppertal noch Zukunftsmusik ist, ist in anderen Ländern bereits Realität. Zum Beispiel in Norwegens Hauptstadt Oslo. Dort soll bis 2025 jeder vierte Einwohner aufs Rad umsteigen, die Innenstadt autofrei werden. Beim sechsten Stadtentwicklungssalon unter dem Titel „Wie kann die Mobilitätswende gelingen?“ in der Utopiastadt berichtete Dagmar Hoyer, Projektleiterin für die Planung der staatlichen Fahrradwege in Oslo, wie das Thema Mobilitätswende in Norwegen angegangen wird.

„Die Norweger nehmen sich in Sachen Radfahren ein großes Beispiel an Deutschland, etwa an Fahrradstädten wie Münster.“ Dennoch seien sie in Sachen Mobilität schon ein gutes Stück weiter. Seit 2011 das „Sykkelprojekt“ (Sykkel bedeutet Fahrrad) auch von Politikern angestoßen wurde, habe sich viel getan. „Um etwas zu bewegen, braucht es viele Menschen – und Geld“, betonte Hoyer. Positive Argumente wie weniger Verkehrslärm, geringeres Verkehrsaufkommen sowie ein guter Beitrag für die Gesundheit seien bei den Osloer Einwohnern auf fruchtbaren Boden gefallen. Bis 2025 soll das Streckennetz von aktuell 180 auf 510 Kilometer erweitert werden. „Jede staatliche Straße muss einen Radweg haben“, erklärte die Projektleiterin. Das sei aber teuer. Pro Meter Radweg koste der Bau rund 24 000 Euro. Bis 2025 würden die Kosten für Aus- und Weiterbau auf rund 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Das norwegische Zukunftsmodell sehe eine Trennung von Auto- und Radverkehr sowie Parklösungen in engen Straßen vor.

Die Menschen müssen von den Projekten überzeugt werden

Dass die Nordstädter gewillt sind, die Mobilitätswende aktiv anzugehen, zeigte das breite Interesse der Teilnehmer des sechsten Zukunftsentwicklungssalons. Inge Grau aus dem Veranstaltungsteam war jedenfalls zufrieden: Es gehe darum, wie man die Mobilitätswende in der Nordstadt und auch in Wuppertal insgesamt gestalten könne.

Ein Beispiel dafür, dass solche langfristigen Projekte auch in Deutschland funktionieren können, brachte Michael Schulten vom Berliner Verein Changing Cities mit. „In der Hauptstadt ist der Radverkehr nicht sicher“, gab er zu. Seine Initiative, die sich vor einigen Jahren aus „Alltagsradlern gründete, die dachten, dass das Rad „das tollste, schnellste und beste Verkehrsmittel“ sei, hat seitdem so manche Aktion ins Rollen gebracht. Mit Aktionen wie „Schläfrige Politiker und Verwaltung“ oder Mahnwachen zum Gedenken an Verkehrstote haben sich Changing Cities ein radfahrerfreundliches Berlin zum Ziel gesetzt. Seit Juni vergangenen Jahres seien Mobilitätsgesetze auf den Weg gebracht worden, die Regelungen für den ÖPNV, Radfahrer, Fuß- und Wirtschaftsverkehr sowie Regelungen für eine intelligente Mobilität vorsehen.

Schulten empfahl den zahlreich erschienenen Zuhörern im Wartesaal der Utopiastadt: „Holen Sie die Politiker mit ins Boot. Ich rate ihnen zum Reden, Reden und noch mehr Reden.“

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