Wuppertaler Heilsarmee: "Der Glaube muss sich in Taten ausdrücken"

Heilsarmee : „Der Glaube muss sich in Taten ausdrücken“

Annette Belz verkündet als Soldatin der Heilsarmee das Wort Gottes.

Freitagabends zieht Annette Belz oft durch die Kneipen. Doch nicht, um dort zu trinken, sondern um Gottes Wort zu verkünden. In der Aufmerksamkeit erweckenden Uniform der Heilsarmee spricht die Majorin die Menschen am Tresen an, erkundigt sich nach ihrem Befinden, erzählt vom Glauben, verteilt Flyer. „Es gibt welche, die sagen ,das brauch ich nicht‘ – aber viele sind interessiert“, sagt die Geistliche der Heilsarmee. Die Heilsarmee gehört zu den christlichen Kirchen und hat in Wuppertal 20 Gemeindemitglieder („Soldaten“). Alle Soldaten haben ein Treuegelübde abgelegt, dass sie ihr Leben nach Gott ausrichten und weder Alkohol noch Tabak oder andere Drogen konsumieren. Dazu kommen Angehörige, die sich der Heilsarmee zugehörig fühlen, aber nicht das Gelübde abgelegt haben.

Annette Belz war ursprünglich evangelisch, interessierte sich aber wenig für ihren Glauben. Erst als erwachsene Frau besann sie sich wieder auf Christus. „Ich habe lange gesucht und mir alle Glaubensrichtungen angeschaut“, erzählt sie. Bei der Heilsarmee fühlte sie sich am wohlsten. „Der Glaube muss sich in den Taten ausdrücken“, ist sie überzeugt. Und eine feste Gemeinschaft ist ihr wichtig: „Du kannst ja nicht alleine Christ sein – das ist ja langweilig.“

Rüstzeug für
praktische Einsätze

Nach einigen Jahren in der Heilsarmee absolvierte die Altenpflegerin die zweijährige Ausbildung zur Offizierin: In Basel lernte sie Theologie und den Umgang mit Problemen, bekam das Rüstzeug für praktische Einsätze. Danach wurde sie als hauptamtliche Leutnantin nach Ulm geschickt. Über ihr Leben bestimmte fortan die Heilsarmee: Nach Ulm wurde sie in Stuttgart eingesetzt, dann in Essen und vor drei Jahren in Wuppertal. „Ich fand es schön, in meine Heimatstadt zurückzukommen, wo meine alte Mutter wohnt“, sagt sie. Mit den Dienstjahren stieg sie von der Leutnantin zur Majorin auf.

In Wuppertal sorgte sie dafür, dass die Heilsarmee Mitglied im Arbeitskreis christlicher Kirchen wurde. „Ich finde es wichtig, mit den anderen Christen in Kontakt zu sein.“ Gerne erinnert sie sich an gemeinsame Veranstaltungen wie den Christustag auf dem Laurentiusplatz oder einen Tag für verfolgte Christen.

Gruppen für Jugendliche
werden gut angenommen

In Wichlinghausen bietet die Heilsarmee Gruppen für Kinder und Jugendliche an, die gut angenommen werden. Vor kurzem hat Annette Belz auch zwei Mädchen aus diesen Gruppen konfirmiert. Beliebt sind der Gitarrenunterricht bei der Heilsarmee und die jährlichen Weihnachtsfeiern. Über die Kinder versucht die Majorin, die Eltern zu erreichen. „Vielleicht bekommen sie dadurch einen Gedankenanstoß.“ Früher musizierte die Heilsarmee auch in der Fußgängerzone, sang mit den Passanten christliche Lieder. Heute fehlen dafür die Blechbläser.

Drei Jahre vor Beginn ihrer Rente muss Annette Belz jetzt zu ihrem Bedauern Wuppertal verlassen. Am Sonntag, 30. Juni, verabschiedet sie sich um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Die Heilsarmee benötigt ihre Dienste in Kassel. Wuppertal wird zukünftig von den Düsseldorfer Majoren Ilze und Raimonds Maliks mitbetreut. Doch mit Rentenbeginn möchte Annette Belz in ihre Heimatstadt zurückkehren.

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