1. NRW
  2. Wuppertal

Wuppertaler haucht alter Sage aus Slowenien neues Leben ein

Literatur : Wuppertaler haucht alter Sage Leben ein

Wolfgang Wiebecke hat mit viel Liebe zum Detail sein Buch „Triglav-Lied“ rausgebracht.

Schon von außen strahlt das Buch Würde aus. Die Muster einer alten Buche legen den Grund für eine auffallende Schrift, die modernes Design und altertümliche Gestalt verbindet. Der Wuppertaler Autor Wolfgang Wiebecke hat in „Das Triglav-Lied“ nicht nur eine alte slowenische Sage neu erzählt, sondern auch das Buch bis ins letzte Detail gestaltet und Musik dazu komponiert. Das Buch ist jetzt im kleinen Verlag Ch. Möllmann erschienen.

Die Sage vom Zlatorog begleitet Wiebecke seit seiner Kindheit: „Meine Mutter hat uns schon in unserer frühesten Kindheit Märchen, Sagen und recht bald auch Lyrik und anthroposophisches Gedankengut nahegebracht.“ In einem Buch über Alpensagen entdeckte er die Geschichte des Gemsenbocks Zlatorog mit seinen goldenen Hörnern, der hoch oben am steilen Berg Triglav einen Schatz sowie einen wunderbaren Garten hütet. Als ein Jäger ihn tötet, um den Schatz zu rauben, wächst aus dem Blut eine Wunderblume, die Zlatorog sein Leben zurückgibt. Daraufhin zertritt der wütende Zlatorog den Jäger sowie den Garten.

Die Sage ist eng mit Wiebeckes Leben verwoben

Wolfgang Wiebecke hat die alte Sage nun in Verse gefasst und erweitert. Er schildert, wie der Jäger erst am Abend nach der Jagd bei einem alten Mann einkehrt und dort von dessen Tochter Spela angetan ist. Am nächsten Morgen läuft der Jäger weiter zu seiner alten Patin Barba. Dort wohnt auch die schöne Jerica, in die sich der Jäger schnell verliebt. Im Herbst kommt allerdings auch die Sennerin Spela aus den Bergen zurück zu Barba und Jerica. Feinfühlig schildert Wiebecke, wie sich die Liebe zwischen dem Jäger und Jerica entwickelt und gleichzeitig die Eifersucht Spelas. Rosen vom Triglav, die auch im Winter purpurrot blühen, dienen als Zeichen der Liebe. Schließlich ruft Spela böse Geister zu Hilfe, um die Konkurrentin auszustechen.

„Die Sage ist eng mit meinem Leben verwoben“, findet Wolfgang Wiebecke. „Ich hatte den Eindruck, dass hinter der Sage ein älterer, wesentlicherer Kern stehen muss.“ Schon in den 80er Jahren schrieb er eine erste Fassung. Sie verschwand jedoch in der Schublade. Der in Wien aufgewachsene Wiebecke studierte Komposition und Biologie, promovierte in Botanik, beschäftigte sich mit biologisch-dynamischer Pflanzenzucht. Diese brachte ihn nach Wuppertal, wo er die Vielfalt an geistigen und religiösen Strömungen schätzt.

Gleichzeitig begann der vielseitige Künstler damit, Schriften am Computer zu entwerfen. „Der Ausgangspunkt war, dass die Konstellationszeichen auf der Tastatur nicht verfügbar waren“, erzählt er. Also malte er eigene Sternzeichen und fügte sie in die Schrift ein. Da diese per Urheberrecht geschützt war, musste er anschließend auch eine komplette Schrift schaffen. Für sein Epos gestaltete er eine eigene Schrift namens „Rrune“, die er auch unter Open Fonts Lizenz veröffentlichte.

Ein Bühnenspiel in der Christengemeinde brachte Wiebecke dazu, wieder an der Sage zu arbeiten. Mehrmals führte er das Epos auf. „Der Text hat sich durch die Lesungen entwickelt.“ Die kurzen Notenzeilen soll der Vortragende zwischen den Teilen des Epos‘ singen und mit einer Trommel und einem Becken oder ähnlichen Instrumenten begleiten. Die Melodien enthalten auch viele Vierteltöne.

Die großen dreieckigen Vignetten, die das Buch schmücken, stammen ebenfalls von Wiebecke. Obwohl sie wie Holzschnitte wirken, hat er sie am Computer aus Schrift zusammengesetzt. Die Hintergrundbilder, die jede Seite des Triglav-Lieds schmücken, hat er in Beyenburg an einer alten Buche fotografiert. Ihre Narben und Verwachsungen dienen jetzt als Grundlage dieser emotionalen Sage.