Wuppertaler Gründer beklagen fehlende Unterstützung

Diskussion : Gründer beklagen fehlende Unterstützung

Jakob Larsen und Valentin Steinbrenner von Local Life diskutierten mit Politikern.

Wie gründerfreundlich ist Wuppertal? Wie entwickelt sich die Elektromobilität? Und wie wird das Thema Nachhaltigkeit in der Stadt vorangetrieben? Rund um diese Fragen drehte sich ein Präsentations- und Diskussionsabend, zu dem das Unternehmens- und Politikberatungsunternehmen Madani & Morgan zwei Unternehmensgründer, Lokalpolitiker und Interessierte am Dienstag in seine Räume an der Simonsstraße eingeladen hatte. „Wir wollen ein neues Format ausprobieren“, erklärte Mitinhaber Jade Madani den rund zehn Gästen. Dabei stellten zwei Gründer ihr Unternehmen und ihre Erfahrungen mit der Firmengründung vor. Ihre Erfahrungen dienten als Ausgangspunkt für eine offene Diskussionsrunde.

Jakob Larsen und Valentin Steinbrenner stecken mitten in der Vorbereitungsphase, um mit ihrem Unternehmen „Local Life“ an den Markt zu gehen. Die beiden wollen Mitte März mit der möglichst emissionsarmen Lieferung frischer und wenig verpackter Lebensmittel aus der Region starten. Kunden sollen diese über eine Online-Plattform bestellen können und am nächsten Tag einen zwei Stunden langen Zeitraum angeben können, in dem geliefert wird, erklärten die beiden. Die Waren bekommen sie von derzeit 32 Lebensmittel-Erzeugern in der Region. „Wir wollen die Wertschöpfungskette transparent machen“, kündigte Larsen an. Ausliefern wollen sie die Waren mit zwei Elektrofahrzeugen.

Doch die Gründungsphase sei für zwei unerfahrene, junge Gründer nicht leicht gewesen, berichteten die beiden. „Wir haben nur wenige Anlaufstellen gefunden“, sagte Larsen. Die Wirtschaftsförderung der Stadt habe ihnen lediglich ein paar Telefonnummern weitergegeben. Sie seien bestimmt zehn Mal beim Gewerbeamt gewesen, bis alles in trockenen Tüchern gewesen sei, so Larsen. „Eine zentrale Anlaufstelle wäre gut“, sagte er. „Eigentlich wäre die Unterstützung der Gründer Aufgabe der Wirtschaftsförderung“, sagte Yazgülü Zeybek (Grüne).

Digitalisierung schaffe Kapazitäten für Beratung

Mit einer Digitalisierung der Behördengänge würde der Aufwand verringert und Kapazitäten zum Beispiel für die Beratung von Gründern frei, ergänzte Kai Wagner (FDP). Der digitale Umbau der Stadtverwaltung nach innen laufe bereits gut, entgegnete Erhard Buntrock (CDU). „Die Digitalisierung nach außen ist nun der nächste Schritt“, so Buntrock. „Die Beratungsstellen für Gründer existieren, aber es gibt ein Vermittlungsproblem“, sagte Jakob Steffen (SPD). Die Beratung müsse gebündelt werden, um für Gründer besser erreichbar zu sein. Jade Madani schlug ein Gründungszentrum als zentrale Anlaufstelle vor, in dem alle Anlaufstellen unter einem Dach gebündelt werden könnten.

Für die beiden Gründer wären mehr Ladesäulen für Elektroautos in Wuppertal hilfreich, leitete Madani zum nächsten Thema über. 2018 habe es in Wuppertal 35 Ladestationen gegeben, davon seien aber nur 18 öffentlich zugänglich gewesen, sagte Yazgülü Zeybek. Die Schaffung von Anreizen für den Bau von weiteren Ladestationen sei allerdings Aufgabe der Bundespolitik, stellte Jakob Steffen (SPD) klar. Lokal könne man zumindest darauf hinwirken, dass beim Bau von Wohnraum Leitungen für E-Ladestationen mit verlegt werden, sagte Erhard Bunktrock. In jedem Fall könne man die Expertise der Bergischen Universität, die einen eigenen Fachbereich für Elektromobilität hat, nutzen, so Yazgülü Zeybek.

Beim Thema Nachhaltigkeit sei das Problem, dass es viele Konzepte gebe und das Thema schwer zu packen sei, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Warum macht man nicht eine Strategie mit Handlungsableitungen daraus?“, schlug Jade Madani vor. Ähnlich wie beim Klimacheck könne man zum Beispiel unter jeder Vorlage der Verwaltung einen Nachhaltigkeitscheck einführen“, konkretisierte Erhard Bunktrock die Idee.