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Wuppertaler Geschichte: Familie Engels und die Kirche

Gastbeitrag : Familie Engels und die Kirche

Der Großvater stiftete eine Gemeinde, der Vater baute eine Kirche und Revolutionär Friedrich Engels wurde Atheist.

Die Frömmigkeit und der religiöse Eifer der Familie Engels werden durch die Unterbarmer Hauptkirche belegt, die unter ihrer maßgeblichen Mitwirkung 1832 fertiggestellt wurde. Sieben Jahre später, in seinen „Briefe(n) aus dem Wupperthal“ (1839), lobte der junge Friedrich die Kirche als „das schönste Gebäude des Tals“. Unterbarmen war zum Ende des 18. Jahrhunderts eine Hochburg des Pietismus und die Familie Engels eine tragende Kraft dieser Bewegung.

Johann Caspar Engels (1753-1821), der Großvater von Friedrich Engels, ergriff 1817 die Initiative zur Gründung einer eigenständigen Gemeinde in Unterbarmen, das bis dahin ein Teil der Gemeinde von Elberfeld war. Die Pietisten in Unterbarmen orientierten sich weniger an den kirchlichen Dogmen. Ihnen lag vor allem an einem persönlich erlebten Glauben. Deshalb trat die Bedeutung der rituellen Unterschiede zwischen reformierten und lutherischen Christen in den Hintergrund.

Die Gründung der Gemeinde im Jahr 1822 erlebte Johann Casper Engels nicht mehr. Friedrich Engels sen., der Vater des Revolutionärs, setzte das Werk seines Vaters fort und wurde zum Motor beim Bau der Kirche. Als Vorsitzender der Baukommission wählte er den damals bekannten Architekten Heinrich Hübsch (1795-1863) und als Baumeister Christian Heyden. Er beschaffte das nötige Geld, stellte den Baugrund zur Verfügung.

Aus der Architektur kann man einige Symbole herauslesen: Die zwei Türme stehen für die reformierte und die luthersche Tradition, die drei Arkadenbögen an der Vorderfront für die Dreieinigkeit, sechs Fenster an der Seitenfront und die darüber angeordneten kleineren Fenster stehen für die zwölf Apostel und die zwölf Stämme Israels.
Engels‘ Schwager Carl Wilhelm Moritz Snethlage (1792-1871) wurde einer der beiden Pastoren der Gemeinde. Als er mit seinem Kollegen Leipoldt im April 1822 offiziell seinen Dienst aufnahm, geleitete die beiden ein festlicher Zug von 50 Wagen und 150 Pferden zur Kirche.

Bei der engen Bindung der Familie an die Gemeinde war es selbstverständlich, dass auch der junge Friedrich am Leben der Gemeinde teilnahm. Hier erfuhr er eine grundlegende geistlich-religiöse Prägung. Als Friedrich 1837 konfirmiert wurde, lautet der Einsegnungsspruch, der seinen weiteren Lebensweg begleiten sollte: „Ich vergesse, was dahinter ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.“

1841/42, als Friedrich Engels jun. seinen Militärdienst in Berlin absolvierte und sich durch philosophische Vorlesungen an der Universität sowie eigene Studien vom Glauben seiner Väter emanzipierte und ein radikaler Kirchenkritiker wurde, war der Vater entsetzt. Aus dieser Zeit ist der Ausspruch des Vaters überliefert, der gegenüber einem Freund äußerte: „Sie können nicht glauben, wie das einen Vater bekümmert. Mein Vater hat in Barmen die evangelische Gemeinde erst gestiftet, ich habe eine Kirche gebaut und mein Sohn reißt sie nieder.“