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Wuppertaler Gemeinden gehen in der Corona-Pandemie viel mehr hinaus

Interview : „Die einzelnen Gemeinden sind viel mehr hinausgegangen“

Die Pandemie zeigt, was für ein Potenzial in den Gemeinden schlummert, was an Herzblut und Engagement vorhanden ist, sagt die wiedergewählte Superintendentin Ilka Federschmidt.

Pfarrerin Ilka Federschmidt wurde am vergangenen Freitag von der Kreissynode Wuppertal für weitere acht Jahre als Superintendentin wiedergewählt. Damit leitet die 61-Jährige die Geschicke der evangelischen Kirche in Wuppertal.

Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Worauf in den vergangenen acht Jahren sind Sie besonders stolz?

Ilka Federschmidt: Ich bin stolz darauf, was unsere Leute in dieser Zeit alles an Veränderungsprozessen gestemmt haben, insbesondere auch in Corona-Zeiten. Da hat sich gezeigt, was für Potenzial dort schlummert, was an Herzblut und Engagement vorhanden ist. Dankbar bin ich, dass der Kreissynodalvorstand so gut zusammenarbeitet.

Corona ist für die Kirche eine große Herausforderung. Wie sehen Sie die Situation?

Federschmidt: Die einzelnen Gemeinden vor Ort und die kreislichen Dienste sind viel mehr hinausgegangen, buchstäblich. Wir hatten Gottesdienste draußen, vor Altenheimen, es gab auch Präsenztermine bei Menschen, die das brauchten. Oder Gruppen haben Telefonketten veranstaltet zu Zeiten, in denen sonst Gruppen stattfanden. Natürlich gab es auch schmerzliche Verzichte, da manches an Gemeindeleben nicht möglich war. Aber nicht zuletzt die Video-Gottesdienste aus der „eigenen“ Kirche sind da zu einem Hoffnungszeichen geworden: Wir sind auch so verbunden!

Was bedeutet es für die kirchlichen Leitungsgremien, wenn sich alle nur noch im Internet treffen können?

Federschmidt: Ich bin dankbar für die Zeit zwischendrin, in der wir uns persönlich in großen Räumen treffen konnten. Im Online-Format fehlt schon etwas, ganz eindeutig. Ein Teil der Kommunikation ist abgeschnitten, die Gemeinschaft fehlt. Aber ich bin froh, dass wir dieses Medium haben, und wir hatten eine erstaunlich lebendige Synode mit lebhafter Diskussion.

Ihre nächste Amtszeit wird vom Abbau vieler Pfarrstellen geprägt sein. Wie gehen Sie damit um?

Federschmidt: Die Vorgabe der Landeskirche ist ein Abbau. Aber unser Thema soll sein: Wir werden Pfarrstellen haben, wir werden Finanzen haben, wir werden Infrastruktur haben – mehr als andere Kirchen anderswo auf der Welt. Wie können wir das einsetzen für unseren Glauben, für unser Anliegen? Das sollte die entscheidende Frage sein. Ohne jetzt übersehen zu wollen, was an Abschiedsprozessen darin liegt. Aber im Zentrum soll stehen: Wie wollen wir als Kirche unterwegs sein? Wofür sind wir da? Ich hoffe, dass das den Menschen auch Hoffnung macht.

Was erwartet Sie sonst noch in Ihrer nächsten Amtszeit? Worauf freuen Sie sich, was bedeutet eine Herausforderung?

Federschmidt: Ich freue mich auf diesen Prozess zu den Pfarrstellen, auf die Diskussion „Wie soll Kirche sein?“ Das reizt mich sehr. Ich freue michdarauf, mit anderen gemeinsam den Erinnerungsort in Kemna zu gestalten. Das ist mir ein sehr wichtiges Anliegen. Ich freue mich darauf, unter die Leute zu gehen, auf eine Entdeckungsreise mit unserer Diakonie, auf das Unterwegs-Sein miteinander. Da sind wir schon dran, das ist durch Corona abgebrochen worden. Wir rücken viel enger zusammen. Die Bereitschaft, über den Tellerrand zu gucken, ist gewachsen. Plötzlich sucht man den Rat der anderen, das hat auch Corona gezeigt. Als wir nach dem Lockdown das Gefühl hatten, wir brauchen ganz schnell ganz viele Seelsorger für die Altenpflegeeinrichtungen, hatten wir sofort eine lange Liste voller Freiwilliger. Und ich freue mich auf die Menschen. Hier gibt es ein tolles Miteinander.

Sie erreichen noch während Ihrer Amtszeit das Rentenalter. Was passiert dann?

Federschmidt: Das wird vermutlich nach fünf Jahren sein. Jetzt denke ich noch nicht daran, ich bin noch voll im Schwung. Danach wird neu gewählt für das Amt. Die gewählte Person hat dann wieder acht Amtsjahre und in der zweiten Amtszeit eine Verkürzung auf drei Jahre.