Wuppertaler Gemeindemitglieder arbeiten an der Zukunft der Kirche

Religion : Gemeindemitglieder arbeiten an der Zukunft der Kirche

Mit dem Projekt „Erprobungsräume“ will die evangelische Kirche auf die sich verändernde Gesellschaft reagieren.

Wie kann die evangelische Kirche der Zukunft aussehen? Dazu sollen sich die Gläubigen Gedanken machen. Deshalb hat die Evangelische Kirche im Rheinland jetzt das Projekt „Erprobungsräume“ ins Leben gerufen. Die Projektkoordinatorin Rebecca John Klug hat ihren Arbeitsplatz auf der Hardt in Elberfeld im Zentrum Gemeinde und Kirchenentwicklung und berät von dort aus Interessenten.

„Die Gesellschaft verändert sich, also müssen wir auch etwas verändern“, sagt die Pfarrerin. Schon immer habe es neben der klassischen Gemeindearbeit andere Initiativen gegeben; diese möchte die Kirche nun gezielt fördern. Einerseits stellt die evangelische Landeskirche dafür über zehn Jahre verteilt sechs Millionen Euro zur Verfügung, von denen Räume oder Material bezahlt werden können. Auf der anderen Seite sind auch Pfarrstellen vorgesehen, um die spirituelle Begleitung zu gewährleisten. Neben solchen eher materiellen Hilfen findet Rebecca John Klug jedoch auch die Beratung wichtig: „Bei solchen Initiativen kommen ja viele Fragen auf – etwa, wie Entscheidungen getroffen werden, welche Gremien es gibt.“ Auch die Vernetzung und der Austausch zwischen verschiedenen Initiativen ist eine wichtige Aufgabe der Koordinatorin.

Es sollen keine neuen Gottesdienstformate entstehen

„Die Erprobungsräume sollen keine neuen Gottesdienstformate oder Freizeitaktivitäten sein, sondern komplett neue Gemeindeformen. Das kann auch zu Konflikten führen“, betont sie. Sie selbst hat Erfahrung damit: In Essen hat die Pfarrerin das Raumschiff Ruhr gegründet: In der alten Marktkirche hat sie in einem wohnzimmergroßen Raum ein Experimentierfeld eröffnet, das vor allem junge Erwachsene anziehen soll. Jeder kann dort seine Ideen einbringen. Die Aktionen sind sehr unterschiedlich: Es gibt Momente der Stille und des Zusammenseins ebenso wie Tauschpartys und einen Coworkingspace-Tag. Man trifft sich zu Konzerten, zum Sonnenuntergang oder einfach auf ein Feierabendbier. „Die Ressourcen liegen in den Leuten, die sich auf den Weg machen“, betont Rebecca John Klug.

Bewusst will die Kirche keinerlei Vorgaben machen, wie die neuen Erprobungsräume aussehen könnten. Wichtig ist jedoch die Abgrenzung zu bestehenden Gemeinde-Formaten. Angesprochen werden sollen Ehrenamtliche, die sich für gelebte Spiritualität einsetzen. Und sie sollen auch kirchenferne Menschen überzeugen. Dabei will die Kirche nicht die gesamte Finanzierung übernehmen: „Kirche wird in Zukunft nicht mehr nur über Kirchensteuern finanziert werden können“, sagt Klug. Deshalb müssen Antragsteller die Hälfte ihres Budgets aus anderen Quellen erschließen.

In Mitteldeutschland gibt es schon etwas länger ein ähnliches Projekt, das viele neue Initiativen auf den Weg gebracht hat. Im Rheinland wurde die Erprobungsräume im Januar von der Landessynode beschlossen. Im August trat Rebecca John Klug ihre Stelle an, am 30. Oktober wurde der offizielle Projektstart gefeiert. Inzwischen hat die Pfarrerin schon erste Gespräche geführt und hofft auf viele weitere spannende Kontakte.

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