Wuppertaler gehen steile Straßen gelassen an

Wuppertaler gehen steile Straßen gelassen an

Bei Wintereinbruch ist ein schneller Räumdienst am Hang besonders wichtig.

Wuppertal. Winterwetter mit Schnee sieht zwar schön aus, kann das Leben aber beschwerlich machen, besonders wenn der Untergrund eine gewisse Steigung aufweist. Die WZ hat sich an zwei besonders steilen Straßen umgehört.

Ein offizielles Ranking steiler Straßen gibt es nicht. Als steilste nennt die Stadt die Hugostraße am Sedansberg mit 15 Prozent Steigung über die ganze Länge. Dort sind am Freitag Wilfried und Gabriele Meyer unterwegs. Die Steigung finden sie „kein Problem — Bewegung tut ja gut“, so der Ehemann. „Bei Schnee ist es aber schon schwierig“, wirft seine Frau ein. Aber es werde ja immer ordentlich geräumt.

Das bestätigt eine junge Mutter (21), die mit Sohn (1) und Hund unterwegs ist. Aber als es neulich stark schneite, hatte sie Schwierigkeiten: „Der Kinderwagen ist mir bergab ganz schön hin- und hergerutscht.“

Martina und Peter Bierwas macht der Winter zu schaffen: „Wegen dieser Ecke gehe ich nicht allein los“, sagt die Ehefrau und zeigt auf ein Stück Bürgersteig mit Schnee. Für dessen Räumung fühle sich niemand zuständig, weder Anwohner noch der Discountmarkt, an dessen Parkplatz der Bürgersteig grenzt. Martina Bierwas hat daher ihren Mann als Stütze dabei.

Als steilste Straße gilt vielen Wuppertalern die Sadowastraße, im Briller Viertel. Sie soll 21 Prozent Steigung haben. Auch hier loben Anwohner den Räumdienst der Stadt. Filmemacher Armand Schick (32) meistert die Steigung locker. „Ich mag die Herausforderung“, sagt er.

Marianne Misch (64) arbeitet seit 25 Jahren als Betreuerin im Viertel. Sie fährt morgens mit dem Bus bis auf den Berg, damit sie nicht bergauf laufen muss, abends geht sie bergab. Meist sei alles geräumt. Aber einmal, erinnert sie sich, „bin ich auf allen Vieren gekrochen“, um heil heimzukommen.

Expertin für die Straße ist Postbotin Stephanie Weil. Sie bugsiert täglich ihren Briefwagen den Berg hinunter. Hinauf nicht: Statt wie sonst erst eine Straßenseite, dann die andere abzulaufen, pendelt sie nur abwärts. Für rutschigen Untergrund ist sie gerüstet: „Ohne Spikes geht gar nichts!“

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