Wuppertaler Gastro-Betrieb verzichtet im Monat auf 1600 Plastikbehälter

Umwelt : Gastro-Betrieb verzichtet im Monat auf 1600 Plastikbehälter

Küchenchef Meyer führt ein Pfandsystem für Glasboxen ein, in denen Gäste ihr Essen mit nach Hause nehmen können.

. Umweltschützern sind sie schon lange ein Dorn im Auge: Wegwerfartikel wie Plastikgeschirr, Strohhalme oder Wattestäbchen lassen die Abfallberge wachsen und tragen maßgeblich zur Vermüllung der Meere bei. Die EU-Kommission plant daher ein Verbot dieser Produkte. Doch bis zur konkreten Umsetzung kann es noch Jahre dauern. Wie sich Plastik auch ohne gesetzlichen Zwang konkret vor Ort vermeiden lässt, zeigt die Initiative eines Vohwinkeler Mittagstisch-Betriebs. Dort wird seit einigen Wochen auf Mehrweggeschirr gesetzt. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern macht sich auch wirtschaftlich bezahlt.

„Für uns war das eine goldrichtige Entscheidung“, sagt Inhaber Frank Meyer. Irgendwann hatte er genug vom Einweggeschirr aus Styropor und Plastik, das sich in seinem Laden stapelte. Die Gäste nehmen die angebotenen Speisen gern mit nach Hause. Dafür waren bisher jede Menge Plastikverpackungen nötig. „Da kam ein riesiger Müllberg zusammen“, berichtet Meyer. Sein Beispiel zeigt, welchen Beitrag bereits ein relativ kleines Unternehmen leisten kann. Monatlich rund 1600 Einheiten an Plastikgeschirr landen jetzt nicht mehr im Abfall. Das spart dem Betrieb Kosten von mehr als 3000 Euro im Jahr.

Die Suche nach alternativen Verpackungen erwies sich allerdings als Herausforderung. „Es war gar nicht so einfach, Produkte zu finden, die zu unseren Ansprüchen passen und trotzdem bezahlbar sind“, erzählt Frank Meyer. Mit Hilfe eines großen Anbieters ließ sich dieses Problem aber lösen. Für die Glasbehälter wurde ein Pfandsystem eingeführt.

Die Grünen hoffen
auf viele Nachahmer

Wer bei Kochchef Meyer jetzt ein Essen bestellt und es mitnehmen will, bezahlt zusätzlich zum Preis der Speisen pro Schüssel fünf Euro. Dafür können die Kunden die Behälter so lange behalten, wie sie wollen und bei der nächsten Bestellung einfach austauschen lassen. Weitere Kosten gibt es nicht. „Trotzdem war das für uns natürlich ein erhebliches wirtschaftliches Risiko, weil wir nicht wussten, wie unsere Gäste auf das Pfandsystem reagieren“, erklärt Frank Meyer. Auch die Investitionskosten in Höhe von 2000 Euro waren für den seit neun Jahren bestehenden Familienbetrieb alles andere als eine Kleinigkeit.

Die Sorgen erwiesen sich allerdings als unbegründet. „Die Leute haben von Anfang an super auf diese Idee reagiert und es gab nur ganz wenige Ausnahmen“, berichtet Frank Meyer. Bisher seien bereits 800 Kunden mit den Schüsseln versorgt. „Wir freuen uns riesig über diesen Erfolg“, so Meyer. Durch das Pfandsystem bekommt die Industriespülmaschine im Laden deutlich mehr zu tun als vorher. Mit einem Verbrauch von zweieinhalb Litern Wasser pro Spülgang halte sich die Umweltbelastung aber in Grenzen. „Das ist auf jeden Fall deutlich sinnvoller, als Plastikbehälter einfach wegzuschmeißen“, betont Frank Meyer.

Auslöser der Aktion war für ihn die neue Verpackungsverordnung. „Für uns ging es aber darum, einen für uns machbaren Weg zur Müllvermeidung zu finden“, erklärt Meyer. Er würde sich freuen, wenn andere Geschäfte ebenfalls über Möglichkeiten der Müllvermeidung nachdächten. Das wünscht sich auch Barbara Naguib von der Vohwinkeler Grünen-Fraktion. „Das ist eine super Idee, die hoffentlich Schule macht“, findet sie. So lasse sich auch Kindern ganz konkret vorleben, wie die Umwelt geschont werden kann.

Derweil kündigt die Stadt schärfere Kontrollen von Plastikgeschirr auf Volks- und Sommerfesten an. Nach Paragraf 3 der Abfallwirtschaftssatzung dürfen bei Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen Speisen und Getränke, die zum sofortigen Verzehr an Ort und Stelle bestimmt sind, nur in pfandpflichtigen, wiederverwendbaren oder mitverzehrbaren Verpackungen und Behältnissen ausgegeben werden.

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