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Wuppertal: Wuppertaler Friedhof wird aus finanziellen Gründen geschlossen

Wuppertal : Wuppertaler Friedhof wird aus finanziellen Gründen geschlossen

In der Wuppertaler Kirchengemeinde St. Raphael in Langerfeld trennt man sich schweren Herzens von der Friedhofsanlage „Zu den Dolinen“. „Wir haben keine andere Wahl“, betont der stellvertretender Kirchenvorstand.

Langerfeld. Der Blick geht über die schön gelegene Anlage: Etliche gepflegte Familiengräber lassen sich auf dem Friedhof Zu den Dolinen bewundern. Wie es mit ihnen weitergeht, ist eine der wichtigen Fragen, die sich derzeit der Katholischen Kirchengemeinde St. Raphael in Langerfeld stellen.

Denn der Friedhof aus dem Jahr 1911 soll aufgegeben werden, das hat der Kirchenvorstand St. Raphael in der Wuppertaler Pfarreiengemeinschaft Wupperbogen-Ost bei seiner jüngsten Sitzung entschieden.

„Natürlich bedeutet dies nicht, dass der Friedhof von jetzt auf gleich geschlossen wird“, betont Pfarrer Ulrich Lemke. Alle vertraglichen Verpflichtungen aus bereits erfolgten Bestattungen würden eingehalten, auch bleibe der Friedhof so lange zugänglich. „Aber es gibt dort ab sofort keine weiteren Bestattungen mehr.“

Neu ist den Christen im Osten der Stadt das Thema nicht — seit rund zehn Jahren wird über die Zukunft der Anlage diskutiert. Dennoch traf die jetzt verkündete Absicht selbst in der Vorstandsrunde so manchen Nerv, und viele Gemeindeglieder dürften über den Beschluss aus den Medien erfahren haben. „Wir haben keine andere Wahl“, betonte Hans-Günter Mittelstenscheidt, stellvertretender Kirchenvorstand.

Der rund 28 000 Quadratmeter Fläche umfassende Friedhof ist für die Gemeinde im Laufe der Zeit zur finanziellen Belastung geworden, wie bei der Sitzung des Vorstandes deutlich wurde: Er arbeite seit Jahren nicht mehr kostendeckend, die Friedhofsgebühren reichten nicht aus, um die laufenden Kosten von mehr als 50 000 Euro pro Jahr zu stemmen. Gutachten zur Wirtschaftlichkeit lägen vor, schon jetzt sei die Anlage mit circa 1,3 Millionen Euro überschuldet.

Die Aufrechterhaltung des Friedhofsbetriebs würde unweigerlich zu Lasten von Gemeindearbeit und Angeboten gehen, erklärt Ulrich Lemke — beispielsweise der Offenen Tür. „Von pastoraler Seite aus tue ich mich zwar besonders schwer, einen Friedhof zu schließen“, sagte Lemke. „Auf der anderen Seite muss man aber einfach die Endlichkeit unserer Finanzen sehen und schauen, was machbar ist und was nicht.“ Intensiv sei über das Thema diskutiert worden. „Doch wie man es dreht und wendet: Es scheitert letztendlich immer wieder an der Wirtschaftlichkeit.“

Der Beschluss, den Friedhof mit sofortiger Wirkung zu Schließen, erfolgt nun vorbehaltlich der Genehmigung durch das Generalvikariat. Von Köln erwarte man angesichts der finanziellen Situation Lösungsvorschläge, so der Vorstand. Nun sollen die Angehörigen beziehungsweise Gräberinhaber über den Beschluss informiert werden. Neben dem Thema Familiengräber geht es unter anderem auch um die Zukunft der Kapelle.

Zum Friedhof gehört eine etwa 10 000 Quadratmeter große, freie Reservefläche. Vermutungen, wonach dieses Gelände verkauft und für neue Häuser verwendet werden könnte, erteilt Pfarrer Lemke eine Absage. „Es steht nicht zum Verkauf.“ Das Areal befinde sich zudem in unmittelbarer Nähe zum Wasserschutzgebiet, ergänzt Hans-Günter Mittelstenscheidt, der ebenfalls nicht von einer Veräußerung ausgeht. Zumindest aktuell. „So lange die Politik nichts ändert, gibt es dort keine Bebauung.“