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Wuppertaler Friedhöfe sollen kleiner werden

Wuppertaler Friedhöfe sollen kleiner werden

Die großen Bestattungsanlagen in der Stadt werden immer leerer. Deswegen steigen entweder die Gebühren - oder die Flächen schrumpfen.

Wuppertal. Die gute Nachricht vorweg. Weder der Evangelische Friedhofsverband noch das Katholische Friedhofsamt erhöhen in diesem Jahr die Gebühren für Bestattungen. Anders als in anderen Städten, steigen sie in Wuppertal also nicht. Aber das heißt nicht, dass die Friedhofsverwaltungen nicht vor Problemen stehen — und daran arbeiten, sie zu bewältigen.

Dass die Kosten für Bestattungen an vielen Orten steigen, ist auch in Wuppertal verständlich — und schon in der Vergangenheit umgesetzt worden. Das Problem ist vielschichtig, es hängt auch damit zusammen, dass es einerseits immer weniger Bestattungen gibt und andererseits immer mehr Menschen eine Urnenbestattung vorziehen.

Barbara Slomsek von der Friedhofsverwaltung St. Laurentius sagt etwa, dass auf einigen Friedhöfen bis zu 70 Prozent der Bestattungen in der Urne stattfänden. Ingo Schellenberg, Geschäftsführer des Evangelische Friedhofsverbands, spricht von Zahlen bis zu 80 Prozent. Dazu gibt es immer mehr Bestattungen abseits der Friedhöfe — etwa See- oder Bergbestattungen.

Das alles führt dazu, dass die Kirchen immer mehr Flächen mitbewirtschaften müssen, für die aber keine Gebühren mehr hereinkommen. Gleichzeitig bleiben die Verwaltungskosten stabil oder steigen sogar. Slomsek sagt, dass die Kirche „rein theoretisch an der Geldschraube drehen müsste“. Aber erstens gebe es nicht jedes Jahr eine neue Gebührenordnung und zweitens wolle man die Beerdigungszahl stabil halten und die Kosten bezahlbar.

Schellenberg verweist auf die vergangenen Jahre — zwischen 2008 und 2016 sind die Gebühren für ein Erdwahlgrab (mit einer Nutzungsdauer von 25 Jahren) von 990 auf 1475 Euro erhöht worden; die für ein Urnenwahlgrab von 610 auf 1175 Euro. Daraus sollte man nicht schließen, dass es wieder so viel teurer wird, sagt er. Aber fehlende Belegungen und steigende Kosten etwa bei Energie und Personal hätten abgefangen werden müssen.

Damit die Kosten und Gebühren nicht weiter steigen, suchen die Kirchen Auswege. Etwa durch die Verkleinerung der Friedhofsflächen. „Das wird eines der großen Themen der nächsten fünf Jahre“, prognostiziert Schellenberg. Die evangelische Kirche hat damit bereits begonnen. Einerseits wurde eine Erweiterungsfläche an der Kirchhofstraße bereits für den Wohnungsbau abgegeben.

Auch die katholische Friedhofsverwaltung denkt aktiv darüber nach, wo vor allem Außenflächen gewonnen werden können. „Es gibt schon Felder, die nicht neu belegt werden“, sagt Barbara Slomsek. Sie sagt, es gebe Bestrebungen, die Gräber vor allem in die Mitte der Friedhöfe zu legen, alles zu zentrieren. Ob und wann etwas mit den Freiflächen passieren könne, sei aber unklar — das hänge vor allem von den langen Fristen ab, die man einhalten müsse, bis man Friedhofsflächen umwidmen könne.

Die andere Seite ist die Umgestaltung zentraler Flächen. Schellenberg sagt, dass die vielen Freiflächen eben selten zentral zusammenfielen. Er spricht von „zersiedelten Strukturen“. So könne man wenig anderes machen als die Ruhefristen auslaufen zu lassen.

Am Friedhof Unterbarmen wurden aber bereits sechs große Grabfelder geräumt. „Von 1150 Plätzen waren dort nur 100 belegt“, sagt Schellenberg, auf fünf Felder verteilt. Eines sei ganz leer gewesen, und zu einer Blumenwiese umgewandelt worden.

An der Kirchhofstraße würden jetzt weiter großflächig Flächen abgeräumt, sagt Schellenberg. Der Plan sei, den unteren Friedhof neu zu gestalten und den oberen dafür auf lange Sicht stillzulegen. Dort wie überall sonst gilt: „Es geht um die Balance zwischen Rückbau und Umgestaltung.“

Ob das kurzfristig bei den Gebühren hilft, ist noch nicht sicher. Der Evangelische Friedhofsverband gibt kommendes Jahr eine neue Satzung heraus.