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Wuppertaler Forscher macht in der Heiligen Stadt spektakulären Fund

Archäologischer Fund : Prof. Viewegers spektakulärer Fund in der Heiligen Stadt

Entdeckung bringt neue Erkenntnisse über die Größe Jerusalems in der alttestamentarischen Zeit.

Prof. Dieter Vieweger hat bei seinem jüngsten siebenmonatigen Forschungsaufenthalt in Jerusalem einen spektakulären Fund zur Größe der Heiligen Stadt in der alttestamentarischen Zeit gemacht.

Mitten in der Nacht brach Vieweger während der letzten fünf Jahre immer wieder mit einem Team der Technischen Universität Ilmenau und einem Holz-/Karbonvehikel auf. Sie durchkämmten die dann touristenfreie Stadt, um mit einer besonderen Art Georadar circa 20 Meter unter die Erde zu schauen. Damit konnten zwei zusammengehörende Mauerzüge nachgewiesen und die Größe der herodianischen Stadt am Ende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts geklärt werden.

„Parallel dazu verlagerten wir unseren Ausgrabungs-Fokus auf den Zionsberg – die wirkliche Alt-Stadt südlich der heutigen Altstadt. Unsere Frage war, in welcher Zeit hier Menschen von der Eisenzeit an bis in die islamische Ära gelebt haben. Welche soziale Klasse hier – am Südzugang zur Stadt – lebte, welchen Handwerken sie nachgingen, wie komfortabel ihre Häuser waren. Insgesamt war auch noch unklar, wann sich die Stadt Jerusalem bis zu dem von uns ausgegrabenen südlichsten Punkt der Stadtbesiedlung (vor dem Abbruch ins Hinnomtal) tatsächlich erstreckt hat“, berichtete Prof. Vieweger nach seiner Rückkehr nach Wuppertal.

Die herodianische und byzantinische Stadtmauer war dort längst aufgefunden worden – auch die dazugehörigen Stadttore. „Doch wo war die Mauer der Eisenzeit (des Alten Testaments)? Im Norden am anderen Ende der Stadt wurde diese alttestamentliche Stadtmauer mehrfach nachgewiesen. Da können im jüdischen Viertel die Touristen die sechs Meter dicke Mauer bestaunen, die ehemals acht bis zehn Meter hoch war. Ein zweites Mauerstück ist in der Davidszitadelle (die nichts mit David zu tun hat) entdeckt worden.“

Ein Fund des Benediktinermönchs Bargil Pixner, den dieser in den 1980er Jahren machte und in die Eisenzeit datierte, galt lange maßgebend für den eisenzeitlichen Mauerverlauf im Süden. Die Fundstelle wurde jedoch nach Beendigung der Grabung 1988 teilweise wieder zugeschüttet. Das Areal verwahrloste, diente als Müllablageplatz. Bei Viewegers Wiederaufnahme der Grabungen kamen dem Team bald Zweifel an der Pixnerschen These.

So entschied sich Vieweger im Coronajahr 2020, ohne sein sonstiges Team von 40 Volontären und Volontärinnen, an Pixners Mauerfund weiter zu graben. Mit einem kleinen Team von zwölf Personen legte er im Frühsommer los. „Die bis zu sieben Meter hohe Schuttschicht in ca. 12 bis 14 Quadratmetern Umfang haben wir in Handarbeit weggeschafft. Wir hatten drei Förderbänder, aus unserem Freundeskreis aus Wuppertal geschenkt bekommen, mit denen wir das Material nach oben beförderten. Und dann konnten wir alle Bereiche, wo Mauern überhaupt errichtet worden sein konnten, auf die Tiefe ihrer Fundamentgräben erforschen.“ Eine Strapaze, bei der der 62-Jährige mit anpackte. Um die Datierung der Mauer durchführen zu können, bediente sich Vieweger dreier Methoden. „Wir wollten sicher sein, dass unsere Zeitbestimmungen korrekt sind.“

Kasemattenmauer wiederlegt
bisherige Annahme

„Wir haben keine durchgehende, dicke Mauer der Eisenzeit gefunden, wie wir sie weiter nördlich kennen. Die Stadt des Alten Testaments hat sich nicht bis an diese südliche Stelle zum Abbruch ins Hinnomtal ausgebreitet. Sie war definitiv kleiner. Gefunden wurden vier verschiedene Mauern: aus hellenistischer, hasmonäischer, herodianischer und byzantinischer Zeit. Die von Bargil Pixner als eisenzeitlich bestimmte Mauer war eine Kasemattenmauer, eine Innenmauer und eine parallele Außenmauer, mit immer rechtwinklig eingezogenen Quermauern dazwischen. Im Friedensfall konnte man diese Zwischenräume als Ablageort für Werkzeuge oder Waffen nutzen. Im Kriegsfall schüttete man die Hohlräume voller Erde; und wenn der Feind dagegen stieß, verdichtete er die Mauer noch einmal zusätzlich.“

Das Interessante dabei ist die Tatsache, dass zwei amerikanische Archäologen, Frederick Jones Bliss und Archibald Dickie, bereits vor 100 Jahren nur 300 Meter entfernt eine genau gleich aufgebaute Kasemattenmauer gefunden hatten, sie aber nicht einzuordnen wussten. Vieweger wurde von seinen israelischen Kollegen daran erinnert. „Und so fanden wir eine Fortsetzung mit genau den gleichen Ausmaßen der Innenmauer und der Außenmauer sowie der Zwischenräume. Durch die aufgefundenen Keramiken war klar, dass sie im dritten oder zweiten Jahrhundert v. Chr. gebaut wurde.“ Damit war der Traum von Bargil Pixner gestorben, dort erstmals die große alttestamentliche Stadt zu finden.

Damit sind Viewegers Fragen aber keinesfalls geklärt, denn wo lag die eisenzeitliche Mauer wirklich, von der wir die nördlichen Mauerzüge ja längst kennen? „Weiter unten am Hang geht es nicht, da ist es zu steil und tief – die Mauer rutscht ab und ist nicht zu verteidigen. Wir müssen weiter nördlich schauen. Die flachen Bereiche sind für Mauern ungeeignet. Erst dort, wo das Gelände wieder ansteigt, würde man wieder eine Stadtmauer errichten. An vielen Stellen dürfen wir nicht graben, da sie völkerrechtlich als ‚Besetztes Gebiet‘ gelten. Aber weiter oben auf dem Zionsberg nahe der katholischen Dormitio-Abtei – dort gäbe es eine Chance.“ An dieser Stelle setzt der Forscher im kommenden Jahr wieder an. Mit dem Abt hat er dort bereits Gespräche aufgenommen, um eventuell im Klostergarten graben zu dürfen.

In der katholischen Universität in Bethlehem plant Vieweger den Aufbau eines neuen archäologischen Studienganges. Die auszuwählenden Personen werden dann jeweils sechs Jahre an der Universität arbeiten. „Wir können mit einem Archäologen, der bereits in Bethlehem arbeitet sowie dieser neuen Kraft einen kleinen Studiengang in der Fakultät ,Touristik’ einrichten. Mein Ziel ist es, mit diesen beiden Leuten und den Studierenden ihre eigene Geschichte in und um Bethlehem zu erforschen.“