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Wuppertaler Förderschüler bei der Fridays-Demo

Wuppertaler Schulzeit : Förderschüler bei der Fridays-Demo

Lehramts-Studentin vom Kinderhaus Luise Winnacker ging mit Schülern der Helene-Stöcker-Schule für den Klimaschutz auf die Straße.

Zuerst hatte Leonie Wierzba Zweifel, ob die Förderschüler, die sie im Kinderhaus Luise Winnacket betreut, auch Interesse am Thema Klimaschutz und den aktuellen Schüler-Demonstrationen dazu haben. Sie war positiv überrascht: „Sie waren hellauf begeistert.“ Auch Lehrer Daniel Frohwein machte mit und so beschäftigten sich die zwölf Jugendlichen der Praxisklasse der Helene-Stöcker-Schule intensiver mit Umweltschutz und Klimawandel, bastelten dann auch Plakate und marschierten am 15. Februar mit anderen Schülern bei der Fridays-for-Future-Demonstration durch Wuppertal.
Zuvor hatte es in der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, emotionale und soziale Entwicklung Unterrichtseinheiten zum Klimawandel gegeben. „Ich konnte das direkt in den Erdkunde-Unterricht und im Rechnen einbauen“, berichtet Daniel Frohwein. Die Jugendlichen lösten Matheaufgaben mit Bezug zum Klimawandel, schrieben Aufsätze zum Beispiel über den Wald. Einige hätten zwar weniger mit dem Thema anfangen können, aber einige seien sehr engagiert gewesen.

Danny (16) gehört zu denen, die das Thema gepackt hat. Er erzählt: „Wir haben recherchiert, was Klimawandel ist, was sich dadurch verändert.“ Ihn sorgt am meisten, dass es durch den Klimawandel zu Überflutungen und Ernteausfällen kommen kann. Schon länger beschäftigt ihn, „dass viel Plastik im Meer ist, dass es Plastikstrudel gibt und dass die Plastikinsel vier Mal so groß ist wie Deutschland“. Deshalb will er weniger Plastik verwenden, Plastiktüten auch als Mülltüten nutzen. Und er denkt: „Die Politik-Opis wissen gar nicht, was wir wollen. Wir jungen Leute müssen was machen.“

Der Besuch der Demonstration gehörte dann zum Unterrichtsprogramm über Klimawandel. „Das war sehr spannend und sehr spaßig“, sagt Danny. Die Schüler malten Plakate, trugen sie vor sich her. Und einige setzen sich auch auf die Schultern von anderen. Auch die Sprechchöre haben sie mitgemacht: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns unsere Zukunft klaut“, weiß Danny noch. Lehrer Daniel Frohwein sagt: „Das war eine Exkursion mit allen Sinnen.“ Und Leonie Wierzba macht deutlich: „Diese Schüler kennen Demonstrationen nicht.“

Sie schwärmt: „Das Thema hat die Schüler unheimlich angeregt.“ Sie sähen jetzt auch viele kleine Dinge, achteten auf Mülltrennung, wollten kein Obst in Plastikverpackungen mehr kaufen, schlügen vor, das Pausenbrot in einer Brotdose mitzubringen.

„Ich bekomme jetzt Sprüche, wenn ich etwas in Plastik verpacke“, sagt Daniel Frohwein. Leonie Wierzba berichtet: „Wir haben auch darüber gesprochen, dass Deutschland weniger Kohle zur Energieversorgung verwenden will, weil Kohleverbrennung schlecht für die Luft ist. „Sie haben mir dann erzählt, dass die Luft in Barmen viel schlechter ist als am Kinderhaus.“

Am 5. April wollen sie
wieder demonstrieren

Aus dem Kinderhaus Luise Winnacker kennt die angehende Lehrerin auch Danny und seine Mitschüler. Denn diese sind alle zwei Wochen freitags in dem bunten Haus an der Rutenbeck, nutzen das Freigelände zu Spiel und Sport, beteiligen sich an Projekten wie dem Bau eines Gewächshauses oder der Reparatur von Fahrrädern. Dazu gehört auch das gemeinsame Zubereiten von Frühstück und Mittagessen. Die praktische Arbeit und die naturnahe Umgebung ermöglichen den Jugendlichen, die oft aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, neue und vor allem positive Erlebnisse.

Möglich wird das, weil sie dabei von Lehramtsstudenten wie Leonie Wierzba betreut werden. Die Studenten sammeln auf diese Weise wichtige Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen. In der Reflektion ihres Tuns mit Kinderhausgründerin Lieselotte Winnacker-Spitzl gewinnen sie zudem pädagogisches Rüstzeug.

„Ich will die Studenten ermutigen, etwas zu verändern“, betont die ehemalige Lehrerin, die selbst seit vielen Jahren dafür kämpft, auch schwierige Kinder nicht abzuschreiben, sondern durch Wertschätzung zu fördern. Deshalb freut sie sich auch über den Erfolg von Leonie Wierzba, ihren Schützlingen Umweltschutz und Klimawandel näherzubringen.

Für die Schüler ist das Engagement noch nicht zu Ende: Am 5. April wollen sie wieder bei der Fridays-for-Future-Demonstration mitmachen. „Das war meine Idee“, betont Danny.