Wuppertaler Familie leistet Entwicklungshilfe im afrikanischen Ruanda

Wuppertaler weltweit : Maurer leistet Hilfe zur Selbsthilfe in Afrika

Der Wuppertaler Marcus Lehnhardt und seine Familie gehen im Januar 2020 für mehrere Jahre nach Ruanda.

Zu Ruanda fallen vielen Menschen zuerst Bilder des Krieges der Volksgruppen Hutu und Tutsi ein. Der Völkermord an den Tutsi beherrschte Mitte der 1990er Jahre die Nachrichten über das ostafrikanische Land. Deshalb hört man interessiert hin, wenn Marcus Lehnhardt ankündigt, dass er im kommenden Januar mit seiner Familie für mindestens drei Jahre nach Ruanda gehen wird. Lehnhardt ist gelernter Maurer aus Wuppertal, der selbstständig und als Angestellter in einem Architekturbüro tätig ist. „Ich werde mit meiner bisherigen Ausbildung den lokalen Verein ERM als Berater unterstützen, um Menschen für den ersten Arbeitsmarkt auszubilden“, sagt Lehnhardt. Der ruandische Verein ERM ist staatlich anerkannt und hat etwa 200 Schüler beziehungsweise Auszubildende.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Auslandsaufenthalt hatte Lehnhardt zusammen mit seiner Frau Anita. Entsandt werden die beiden vom Entwicklungsdienst „Christliche Fachkräfte international“. Seine Aufgabe ist es, in der Hauptstadt Kigali Multiplikatoren auszubilden. „Als Berater werde ich den Ausbilder weiterbilden, damit die Menschen in Ruanda künftig selbstständig Fachkräfte ausbilden können“, sagt Marcus Lehnhardt. Das Land konnte sich die Familie Lehnhardt mitaussuchen. „Es war uns wichtig, dass wir in ein Land kommen, in dem die medizinische Infrastruktur gewährleistet ist“, sagt Lehnhardt mit Blick auf seine fünf Monate alte Tochter. „Ich habe Respekt vor tropentypischen Krankheiten wie Gelbfieber oder Malaria“, sagt er. Trotz der Vorbereitung mit Impfungen, sei das nicht so einfach. „Das sind Themen, die sind einfach unschön“, sagt er.

Schöner sei die Vorfreude auf das Neue: „Wir haben uns in den vergangenen Monaten mit dem Land auseinandergesetzt“, sagt Lehnhardt. Spannend findet er, dass er nicht weiß, „welche Gerüche es auf der Straße gibt, wie Freundschaften in Ruanda gelebt werden und wie die andere Kultur sein wird“. Seine Frau Anita ist gespannt auf die Menschen, die ihnen begegnen werden, und die Freundschaften, die entstehen. „Ich frage mich, wie das Leben dort sein wird und was ich am meisten aus Deutschland vermissen werde“, sagt die Kommunikationsdesignerin.

Marcus und Anita Lehnhardt freuen sich auf die Aufgaben in Ruanda, die ab Januar 2020 auch eine neue Herausforderung bedeuten. Foto: Lehnhardt

Ein Thema, mit dem Lehnhardt und seine Frau sicher konfrontiert werden, ist der Völkermord der Hutu an den Tutsi. „Ich weiß aus Gesprächen, dass der Genozid auch 25 Jahre danach immer noch präsent ist“, sagt er. Aber Ruanda bemühe sich. Therapeutische Angebote gehören genauso dazu wie gesellschaftliche Aktionen wie Sportveranstaltungen, die zur Einheit und Versöhnung beitragen sollen.

Die politische Situation in dem Land, das wegen mangelnder Pressefreiheit, Unterdrückung der Opposition sowie Manipulationen von Wahlen in der Kritik steht, stellt für Marcus Lehnhardt keine direkte Bedrohung dar. „Als deutsche Entwicklungshelfer sind wir seitens der Regierung Ruandas grundsätzlich willkommen. Wie jedoch ein offener und auch kritischer Austausch mit der Bevölkerung über politische Entscheidungen oder Arbeitsweisen möglich ist, bleibt abzuwarten.“

Obwohl die Vorfreude überwiegt, sei es anstrengender als erwartet, die Zelte in Wuppertal abzubrechen. „Bei der Haushaltsauflösung müssen wir einiges zurücklassen“, sagt Lehnhardt. Schwierig sei es vor allem sich von Menschen zu verabschieden – auch wenn die Familie und Freunde angekündigt haben, die Familie in Ruanda zu besuchen. Die kommenden Monate stehen weiterhin im Zeichen der Vorbereitung. „Deshalb freue ich mich vor allem darauf, in Ruanda als Familie richtig anzukommen.“

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