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Wuppertaler Familie Hösterey backt Brezeln in der neunten Generation

Tradition : Familie Hösterey backt Brezeln in der neunten Generation

Irgendwann hat Hard-Rüdiger Hösterey aufgehört, die Jubiläen zu archivieren. Jubiläen und runde Geburtstage gab es in der Brezel Bäckerei Hösterey, deren Geschichte 1790 in Burg an der Wupper ihren Anfang nahm, schon einige zu feiern.

Doch was nutzt der Rückblick auf 230 Jahre Firmengeschichte, wenn das Unternehmen keine Zukunft hat? Daher ist die Freude des Elberfelder Brezel- und Zwieback-Bäckers riesengroß, wenn er auf seine Nichte Tanja Hösterey zu sprechen kommt. Sie wird die Bäckerei in der neunten Generation fortführen.

Die Höstereys stellen Zwieback, Torteletts und Spekulatius her, bekannt sind sie aber vor allem für die die Burger Brezeln. Die werden in der Backstube an der Friedrich-Ebert-Straße wie schon zu Zeiten des Ur-Ur-Großvaters in Handarbeit hergestellt. Burger Brezeln werden nicht mit den Händen geformt, sondern man muss sie mit den Händen spinnen. Das ist eine Handwerkskunst, die Geschick, jede Menge Übung und Talent erfordert. Ein Meister seines Faches ist Hard-Rüdiger Hösterey. Der Senior-Chef in der Backstube hatte nach dem Tod seines Vaters Reinhard gemeinsam mit seinem Bruder Reinhard junior in den 1970er Jahren den Betrieb übernommen. Der Name Reinhard gefiel seiner Mutter in Kombination mit Rüdiger nicht und so wurde daraus der ungewöhnliche Vorname Hard-Rüdiger. „Mich nennen aber alle Rudi“, sagt der Bäcker schmunzelnd.

Gute Laune ist angesagt, wenn die Brezeln gesponnen werden, bevor sie in den historischen Backofen aus Berge-Borbecker Herstellung aus dem Jahr 1920 geschoben werden. „Ich habe damals drei bis vier Wochen gebraucht, bis es bei mir mit der Brezel geklappt hat, mein Bruder hat das Spinnen nie gelernt und sie dann auf dem Blech formen müssen“, verrät Hard-Rüdiger Hösterey augenzwinkernd. An den kleinen Unterschieden in Form und Größe kann er erkennen, wer aus dem kleinen Team den Teig bearbeitet hat.

Bei der Herstellung der Brezeln lernt man offenbar nie aus. „Ich arbeite noch dran“, sagt Tanja Hösterey lachend über den Stand ihrer Kunstfertigkeit. Die studierte Quereinsteigerin bringt neben Geschick und der Liebe zum Handwerk ihr kaufmännisches Wissen in den Betrieb ein. Das ist von wachsender Bedeutung, denn die Produkte der Bäckerei Hösterey sind gefragt. Geliefert werden die Zwiebäcke zum Beispiel an sechs Akzenta-Märkte in Wuppertal und Umgebung. Die Qualität sei das beste Verkaufsargument. Die Nachfrage wäre da, für eine große Kette mit hunderten Supermärkten Zwieback oder Torteletts zu backen, aber übernehmen will sich Hard-Rüdiger Hösterey nicht: „Der Auftrag muss zu uns passen, sonst gehen wir daran kaputt.“

Die Coronakrise hat die Bäckerei
bisher gut überstanden

Peter Hösterey legte 1790 den Grundstein in Burg an der Wupper. Dort soll ihm ein französischer Soldaten das Rezept für die Brezel verraten haben. 1848 zog das Unternehmen nach Elberfeld an die Calvinstraße. „Die Brezel ist ein Symbol für betende Hände“, sagt Hösterey. Seine Ehefrau Sabine ist ebenfalls mit der Kunst vertraut. Jede Brezel ist ein Unikat, eine dreht sie von rechts, eine andere von links ein.

Die Coronakrise hat die Bäckerei bisher sehr gut überstanden, dazu trage auch die lange Haltbarkeit der Backwaren bei. „Auf das Haltbarkeitsdatum achten die Leute besonders. Saison ist für Brezeln und Zwieback aber eigentlich immer. Ende Juli sind die ersten Tüten Spekulatius rausgegangen“, sagt der Seniorchef.

Dass ganz in der Nähe des Robert-Daum-Platzes eine Backstube in Betrieb ist, werden nur die wenigsten Wuppertaler wissen. Früher gab es den Bäckerladen gleich nebenan, aber dort befindet sich inzwischen eine Fahrschule. Für die Höstereys sind es von der Wohnung nur ein paar Schritte bis in die Backstube - und die ist für sie trotz intensiver Arbeit vom frühen Morgen bis zur Mittagszeit ein zweites Wohnzimmer.