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Wuppertaler Event-Szene blickt nach Lockdown in schwierige Zukunft

Gäste fehlen : Wuppertaler Event-Szene blickt nach Lockdown in schwierige Zukunft

Die meisten Betreiber wissen nicht, wie es für sie weitergehen soll. Es fehlen Gäste, die sich trauen, familiäre Anlässe im möglichen Rahmen zu feiern.

Die vergangenen Wochen und Monate haben die Veranstaltungsbranche in Wuppertal auf eine harte Probe gestellt. Durch die Corona-Schutzverordnung und den damit verbundenen Lockdown kam die Event-Szene jäh zum Erliegen. Doch wie geht es den großen Wuppertaler Eventlocations jetzt, nachdem kleinere Veranstaltungen wieder möglich sind? Die WZ hat sich umgehört.

Felix Dumnick von der Börse an der Wolkenburg in Elberfeld kann von ersten kleineren Veranstaltungen berichten, die nach Ende des strengen Lockdowns stattfinden konnten. Auch Kursprogramm gebe es in der Börse schon wieder. Trotzdem sei die Situation nicht mit der vor März vergleichbar, da die Besucherzahlen viel niedriger sind. „Wir gucken von Woche zu Woche. Es ist eine Planung ins Blaue.“

Thomas Drescher, Betreiber der Alten Papierfabrik und des Heckinghauser Gaskessels, sieht inzwischen wieder ein „kleines Licht“ am Horizont. „Wir waren komplett auf Null gesetzt, hatten Stornos bis zum Jahresende, wodurch sich ein Megaverlust abgezeichnet hat“, beklagt der Unternehmer. Schmerzlich waren die vielen abgesagten Hochzeiten. Jetzt, da auch wieder eine größere Gästezahl bei Familienfeiern erlaubt ist, hoffe er auf die ersten Buchungen. Gerade erst habe er einem Brautpaar in der Alten Papierfabrik gratulieren dürfen. Trotzdem sei die Situation eine Katastrophe. „Obwohl wir finanzstark sind, mussten wir uns mit KfW-Krediten neu verschulden“, berichtet Drescher. Er glaubt, dass die Folgen der Corona-Pandemie noch mindestens neun Monate zu spüren sein werden. Noch immer sei eine Zurückhaltung bei den Menschen spürbar. „Das ist aber auch kein Wunder angesichts der Tatsache, dass rund 49 000 Wuppertaler noch in Kurzarbeit sind“, verweist Drescher auf einen WZ-Artikel. Er weiß, dass es auch die Lieferanten hart getroffen hat. „Nur wenige werden überleben, jetzt ist die Politik gefragt.“

Einer, der bereits die Reißleine gezogen hat, ist, wie berichtet, Jörg Heynkes, der die Villa Media geschlossen hat. Die Situation habe einen Weiterbetrieb nicht zugelassen. Jetzt sucht er Nachfolger für die Räume am Arrenberg. Es gebe „eine unglaubliche Anzahl von Interessenten mit vielfältigen Konzepten für eine zukünftige Nutzung“. „Soeben sind zwei- bis viermonatige Gesprächsrunden gestartet, in denen es darum geht, zu erörtern was der Markt braucht und was zu dem Ort passt. Ein Traum wäre es, drei bis vier tolle Konzepte zu haben, aus denen man das beste auswählen könnte“, sagt Jörg Heynkes.

So viele Gäste hat es in der Historischen Stadthalle schon seit März nicht mehr gegeben. Foto: Fries, Stefan (fri)/Fries, Stefan (fr)

Er persönlich verspürt Wehmut und Trauer darüber, dass er als Unternehmer das Geschehen nicht in der Hand hat. „Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen, auch wenn ich meine Altersversorgung verloren habe und 50 gute Mitarbeiter.“ Jörg Heynkes merkt an: „Ich habe nie gedacht, wie unglaublich verbunden die Gäste mit der Location sind und tolle Erlebnisse mit ihr verbinden.“

Mit Nikiforos Miskou hat ein weiterer Wuppertaler Betreiber einer Event-Location den Exit gewählt. Miskou, ehemaliger Betreiber des Eventum, das seit März geschlossen ist, sucht „einen Nachfolger, der die Location im bestehenden Format“ weiterführen will. „Für uns war die Situation nicht mehr tragbar. Alle Buchungen wurden auf 2021 verschoben. Ein Jahr Umsatzeinbußen kann niemand ausgleichen“, sagt er und ergänzt, dass niemand Hochzeiten mit maximal 50 Personen unter Hygienevorschriften feiern wolle. Alle hofften, dass man 2021 „wieder richtig feiern kann“.

Ähnliches weiß Tobias Pawellek von der Schützengesellschaft am Brill von 1805 zu berichten. „Die Leute sind momentan nicht feierwütig“, stellt er fest. Kleinere Feste mit bis zu 20 Personen fänden wieder ab September/Oktober statt, aber von alter Stärke sei noch nichts zu spüren. Seine Erfahrung ist, dass die Leute sehr verunsichert seien. Wichtig sei es, auf die Psyche der Gäste einzugehen und zu spüren, ob sie mutig genug sind, um wieder zu feiern, unterstreicht Tobias Pawellek. In der akuten Phase im April und Mai habe man sich auf einen Lieferdienst verlegt, und nun öffne man langsam wieder. „Wir harren der Dinge, die da kommen.“

Die Utopiastadt hat ebenfalls seit März alle Module eingestellt und sich Gedanken gemacht, ob und wie man den Tagesablauf und die Projekte weiterlaufen lassen kann, erklärt Johannes Schmidt. Inzwischen sei immerhin der Radverleih neu organisiert und wieder angelaufen. Wann die Gastronomie nachziehen, wann Veranstaltungen wieder möglich sind, vermag er nicht zu sagen. „Wir müssen abwarten und uns fragen, welche Veranstaltungen wir machen wollen, zumal die von Utopiastadt auf engen Austausch und zufällige Kontakte angelegt sind.“ Von daher sei er zwiegespalten, was Lockerungen betreffe. Die Ansteckungsgefahr sei gegeben. „Clubveranstaltungen wird es lange nicht geben, und wann sie möglich sind, ist fraglich.“ Einen Ausweg, der Kunst und Kultur dennoch einen Kanal zu geben, sei die Plattform stew.one, die bislang gut angenommen werde und auf der es Konzerte, Lesungen und mehr zu sehen gebe.

Der stellvertretende Hausleiter der CVJM-Bildungsstätte Bundeshöhe, Bernd Neumann, stellt dar, dass sie zwei Monate geschlossen hatten. „Die Mitarbeiter aus Küche und Hausreinigung sind bis August in Kurzarbeit. Nur das Büro ist besetzt und kümmert sich um die Stornierungen. Tagungen, Seminare und Ausbildungen wurden in 2021 verschoben.“ Der Leerstand hat alle sehr getroffen. „Wir halten die Mitarbeiter auf dem Laufenden, um ihnen eine Perspektive zu geben. Auch haben wir die für August geplanten, jährlich stattfindenden Highland Games mit 3000 bis 4000 Teilnehmern absagen müssen. Es ist emotional und finanziell nicht leicht, liebgewonnene Veranstaltungen absagen zu müssen“, bedauert Bernd Neumann. Die Sicherheit gehe aber vor.

Auch in der Unihalle wurden mit Beginn des Lockdowns alle Veranstaltungen abgesagt, berichtet Teamleiter Ralf Pollmeier. Nun seien die Kollegen zum Glück nicht mehr in Kurzarbeit. Am 4. September findet die Messeveranstaltung „Abi Zukunft“ und am 13. September voraussichtlich bei Erfüllung der Corona-Hygienevorschriften ein Flohmarkt statt. Die Unihalle kann bis zu 4000 Besucher fassen. Sie wird viel für Kultur- und Sportveranstaltungen genutzt. So treten regelmäßig Dieter Nuhr und Atze Schröder auf und die Handball-Bundesliga spielt vertreten durch den BHC. „Während der Woche wird die Halle für Unisport genutzt und am Wochenende für Veranstaltungen. Die Unihalle wurde bis Mitte Juni mit zirka 80 Betten als Corona-Notlazarett genutzt“, berichtet Ralf Pollmeier noch. „Wir hoffen, dass der Normalbetrieb bald wieder los geht. Das ist von den hohen Coronaschutzauflagen abhängig.“

In der Färberei Zentrum für Integration und Inklusion gibt es täglich eine kostenfreie Essensausgabe, solange die Wuppertaler Tafel selbst keine warmen Speisen ausgebe, sagt  Geschäftsführerin Iris Colsman. Jeden Tag würden in der hauseigenen Küche 110 Essen gekocht und ausgegeben. „Diese Lösung ist gut für alle“, resümiert sie. Während des Lockdowns hätten keine Veranstaltungen und Workshops stattgefunden und die Beratung für Menschen mit Behinderungen sei telefonisch erfolgt. Mit begrenzter Teilnehmerzahl haben drei Konzerte stattgefunden, die sehr schön gewesen seien. Sie merke aber, dass die Menschen noch sehr zurückhaltend seien. Bei der migrantischen Selbsthilfe habe es viel Beratungsbedarf gegeben, der telefonisch abgedeckt wurde, schildert Iris Colsman. „Wenn die Krise noch lange andauert, wird es existenzbedrohlich“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir werden immer flexibel reagieren.“

Durch ausgefallene Abifeiern und -bälle sind der Historischen Stadthalle Einnahmen verloren gegangen. Vom 16. März bis 30. Mai war das Haus am Johannisberg geschlossen, der Betrieb auf Null gefahren, berichet Geschäftsführerin Silke Asbeck. „Ab Juni gab es wieder ein paar kommunalpolitische Veranstaltungen und nun gibt es auch wieder Trauungen mit bis zu 20 Personen.“ Die Leute seien noch sehr verhalten, stellt sie fest. Eingeschränkten Veranstaltungsbetrieb gebe es ab September wieder, kündigt Silke Asbeck an. Die Coronakrise werde auch mittelfristig noch spürbar sein. Die Unternehmen seien vorsichtig mit der Planung für 2021.

Thomas Riedel, Gründer und CEO von Riedel Communications, führt aus, dass die Auswirkungen der Corona-Krise auch an seinem Unternehmen nicht spurlos vorbei gingen. Die Absage nahezu aller Großveranstaltungen weltweit treffe besonders den Dienstleistungsbereich von Riedel. Trotz der schwierigen Situation konnte das Wuppertaler Unternehmen in den vergangenen Monaten aber dank seiner „Innovationskraft und Kreativität viel Positives bewirken, wie zum Beispiel die Entwicklung von Kommunikationslösungen im Gesundheitsbereich, die bereits in zahlreichen Krankenhäusern weltweit eingesetzt wurden“.

Gleichwohl treffe die Krise das Unternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: „In den letzten beiden Jahren haben wir sehr stark in neue Arbeitsplätze investiert und uns auf weiteres erhebliches Wachstum vorbereitet, welches nach unseren jetzigen Einschätzungen so nicht eintreffen wird.“