Rundgang Wuppertaler erinnern bei Rundgang an die NS-Opfer

Elberfeld. · Unter der Leitung von Historiker Stephan Stracke wurden Stationen in der Elberfelder Innenstadt besucht.

 Anita Krause spielte zu Beginn des Rundgangs am Klavier am Hauptbahnhof am Döppersberg.

Anita Krause spielte zu Beginn des Rundgangs am Klavier am Hauptbahnhof am Döppersberg.

Foto: Fischer, Andreas

Vor 75 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unter der zwölfjährigen nationalsozialistischen Terrorherrschaft mussten auch viele Wuppertaler Juden, Sinti und Roma sowie politisch Verfolgte leiden. Knapp 3426 Opfer hatte die Stadt zu beklagen. Zum Gedenktag der Befreiung Auschwitzs trafen sich daher am Sonntag vor dem Klavier im Hauptbahnhof viele Menschen, um an die Verbrechen und Morde der Nationalsozialisten zu erinnern.

Vom Hauptbahnhof wurde ein gut anderthalbstündiger Rundgang von der Antifa Wuppertal organisiert. Fachkundlich unterstützt vom Historiker Stephan Stracke, der sich gut mit der Wuppertaler Lokalgeschichte auskennt und sich ebenfalls viel mit der Zeit des Nationalsozialismus im Tal auseinandergesetzt hat. Musikalisch begleitet wurde der Rundgang von dem Duett  „Los Saltimonkis“. Benedikt Krause an der Gitarre und Adam Arhelger am Akkordeon spielten Lieder, die zur Mahnung angedacht waren. So sangen sie das bekannte jiddische Lied: „Shalom Alejchem“ oder den von Konstantin Wecker verfassten Song: „Sage nein!“. Das stete Gedenken sei eine wichtige Verantwortung, sagen beide. Bereits seit vielen Jahren finden in jedem Jahr ähnliche Rundgänge statt. „Wir müssen immer wieder Mahnwachen halten und Gesicht zeigen, damit so etwas nie wieder passiert“, betont Arhelger.

„Wir beginnen hier am Hauptbahnhof, da hier der jüdische Tabakwarenhändler Josef Dahl sein Geschäft hatte“, erklärte Stephan Stracke zu Beginn. Dahl, ein Mann der im ersten Weltkrieg sein Augenlicht durch Giftgas verlor, wurde ob seiner jüdischen Herkunft immer wieder von der SA drangsaliert. Eines Tages, so Stracke, haben sie ihm dann seinen Blindenhund vergiftet. Einen Neuen nahm ihm die Gestapo weg. 1942 wurde er ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 3. Mai 1943 starb.

Am Gebäude der Bundesbahndirektion machte die Gruppe den nächsten Haltepunkt. Hier erläuterte Stracke die verwaltende Funktion der Reichsbahn bei den Deportationen über die Bahnhöfe, zeigte den Organisator  auf einem mitgebrachten Foto: Julius Dorpmüller. Weiter ging es durch die Poststraße zum Von-der-Heydt Museum, wo Stracke über die Verbindung Eduard Von-der-Heydts zum NS-Regime berichtete. Bevor die Herzogstraße, die früher ein Viertel mit vielen jüdischen Geschäften war, passiert wurde, erzählte Stracke vor der inzwischen geschlossenen Klauser-Filiale am Von-der-Heydt-Platz, dass die Firma Klauser aus drei Wuppertaler jüdischen Geschäften entstand und diese Zusammensetzung im Zuge der Arisierung 1936 heute immer noch als Gründungsdatum angibt. Am Finanzamt vorbei zeigte Stracke schließlich das ehemalige Polizeipräsidium (bis 1939), in dem heute das evangelische Vereinshaus beheimatet ist. Dort war auch der Sitz der Gestapo.

Stephanie Gerzt lebt
heute in den USA

Zum Abschluss erreichte die Gruppe auf ihrem Rundgang den Rita und Izchok Gerszt-Park. Hier wurde 2012 ein Denkmal aufgebaut, viele legten   nun Blumen nieder. Izchok Gerzst war ein jüdischer Widerstandskämpfer, der im Zuge der Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse 1936 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Seine Frau Rita entging der Verurteilung nur, weil sie eine Tochter bekam: Stephanie Gerzst. Izchok Gerzst wurde nach Absitzen seiner Strafe nach Auschwitz deportiert und starb kurz vor der Befreiung durch die rote Armee auf einem Todesmarsch in Richtung Westen. Stephanie Gerzst lebt heute in Oregon (USA) und Stracke hat mit ihr Kontakt, sie kam 2008 auch nach Wuppertal um sich die alte Heimatstadt anzusehen. Die Gruppe machte abschließend noch ein Foto vor dem Denkmal ihrer Eltern, das Stracke ihr anschließend zukommen ließ.

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