Wuppertaler Ensemble „Partita Radicale“ auf den Spuren der Vögel

Konzert : „Partita Radicale“ auf den Spuren der Vögel

Das Ensemble entführte bei seiner Premiere in eine experimentelle Klangwelt.

Alle Vögel sind schon da oder doch nicht? Ein auf- und abbrausendes Vogelgezwitscher erfüllte am Wochenende den Kirchenraum der Sophienkirche. Eine experimentelle Klangwelt, die nicht von Vögeln, sondern von menschlichen Stimmen, elektronischen Geräten und Musikinstrumenten erzeugt wurde. Teils vertraut harmonisch und bisweilen in ungewohnter Disharmonie endend.

Das Ensemble Partita Radicale lud zur Premiere seines Projekts in die Sophienkirche ein. Das Stück heißt: „Vom Vogel, der nachts nicht nach Hause fand“. Gemeinsam mit dem „Experimentalchor Alte Stimmen“ hatten die Musiker das Klangexperiment über den Lebens- und Klangraum von Habitaten erarbeitet. Zusammen mit den Gästen des Wuppertaler „Tanzchor 60+“, unter der Leitung von Hilde Kuhlmann, brachten sie es an diesem Abend zur Aufführung.

Die Idee des Projekts ist die klangliche Darstellung von Habitaten in unterschiedlichen Biotopen. Es geht um die Darstellung des Artenreichtums und dessen Bedrohung durch den Menschen. Die Lebensräume vieler Arten sind in Gefahr und viele Vögel finden kein Zuhause mehr. Dies wird deutlich, wenn die Töne des stimmkräftigen Chors immer leiser und nur noch vereinzelt erklingen. So bekommt der Text des Volkslieds „Kein schöner Land in dieser Zeit“, das der Chor singt, eine neue und bedrückende Bedeutung.

Bis zu 50 Mitwirkende standen auf der Bühne. Die Motivation und Freude gerade bei den ältesten Chormitgliedern, die alle über 70 sind, war von besonderer Intensität. Dadurch erhielt das nachdenklich machende Thema eine hoffnungsvolle Seite. Das Konzert war eindringlich und erstaunlich kurzweilig, wurde man doch von jedem neuen Ton überrascht.

Das Ensemble Partita Radicale, das sind Gunda Gottschalk, Violine, Ortrud Kegel, Querflöte, Karola Pasquay, Querflöte, Ute Völker, Akkordeon. Das „Radicale“ im Namen steht für die Kompromisslosigkeit in Sachen Ästhetik, erklärt Karola Pasquay. „Wir wollen ästhetisch auf den Grund der Dinge schauen.“ Als Quartett spielen die vier erst seit 2016 zusammen, gegründet wurde das Ensemble aber bereits 1989 und Pasquay gehört, wie Kegel und Völker, zu den Mitbegründern.

Partita Radicale gehört zu den bekanntesten Ensembles für zeitgenössische und improvisierte Musik und hat in diesem Jahr, im Rahmen eines Programms zur Förderung freier Ensembles des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft, eine dreijährige finanzielle Unterstützung erhalten.

Wer neugierig geworden ist, der kann sich das aktuelle Stück noch am 2. Oktober in der Alten Feuerwache in Köln ansehen. Diesmal gemeinsam mit dem lokalen Theaterensemble FSK 60.

partitaradicale.de