Wuppertaler engagieren sich für Weinreben statt Müll in der City

Aktion : Für Weinreben statt Müll in der City

Gemeinsam haben Anwohner die Grünewalder Treppe verschönert. Und sie planen noch mehr.

Vom weiten Ausblick über Wuppertal ist derzeit wenig zu erkennen. Dichtes Gebüsch hemmt die Sicht. Dabei hätte die Grünewalder Treppe, die vom Luisenviertel auf den Ölberg führt, eigentlich einiges zu bieten: In Serpentinen schlängelt sich die Treppe den Berg hinauf, Bänke laden an den Biegungen zum Verweilen ein. Doch die ungepflegten Stufen und das Gestrüpp führen dazu, dass Passanten vor allem ihren Müll dort entsorgen. „Manche Frauen haben auch Angst, dort abends langzulaufen“, erzählt Anwohner Richard Merle.

Er hat deshalb die Initiative „Töschen“ gegründet – Wuppertaler Platt für „dazwischen“. Denn die Treppe befindet sich töschen Luisenstraße und Wohnviertel und töschen den Anwohnern. Eine Gruppe von sechs bis sieben Anwohnern hat sich nun zusammengefunden, um das Gelände schöner zu gestalten.

Idee: Ein Naschgarten mit Himbeer-
und Stachelbeer-Sträuchern

In einem ersten Schritt trafen sie sich, um das Gelände von Müll zu befreien. Säckeweise sammelten die Anwohner Plastikflaschen, Papierchen und Verpackungen ein. Außerdem schnitten sie die Sitzgelegenheiten frei. Beraten und unterstützt wurden sie dabei von der Initiative Wuppertals Urbane Gärten. Diese vermittelte Ansprechpartner bei der Stadt, denn zunächst muss ein Gestattungsvertrag abgeschlossen werden, um das Gelände verändern zu können. Im Herbst könnte das Grünflächenamt dann störende Büsche entfernen und im mittleren Bereich einige freie Flächen schaffen. „Wir wollen das ökologisch aufwerten“, sagt Nadja Hildebrand von den Urbanen Gärten. Statt Holunder- und Brombeergestrüpp wünscht sie sich bunte Stauden und Nutzpflanzen. „Je größer die Vielfalt an Pflanzen ist, desto mehr Insekten und damit Vögel haben wir auch.“

Richard Merle kann sich gut einen Naschgarten mit Himbeer- und Stachelbeersträuchern sowie Gemüsebeete vorstellen. Im Moment sei sein Team aber noch mit der Planung beschäftigt: „Wir müssen das alles komplett durchdenken.“ Auch um die Treppe möchte sich die Initiative kümmern, auf der momentan an vielen Stellen Moos wächst. Hier könnte sich Merle Farbe vorstellen und vielleicht sogar eine Rutsche am steilen Berg. Schließlich möchte er einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Altersstufen, insbesondere aber für Kinder schaffen. Auch kleine Musiksessions plant die Initiative Töschen für den Sommer.

Wie schön solch ein Treppengarten werden kann, zeigt die Initiative am Tippen-Tappen-Tönchen einige Meter weiter. Dort pflegen Anna Schiffer, Anna Küper und Wolf Birke einen Weingarten. Er war vor 15 Jahren von Winzerin Sybille Kuntz, Weinhändler Thomas Kring, der Hauptschule Gertrudenstraße und Anwohnern angelegt worden. Bis auf die Anwohner verabschiedeten sich jedoch nach und nach alle aus dem Projekt, die Anlage verwahrloste und versank im Müll. Seit einem Jahr kümmert sich das Anwohner-Trio jetzt intensiv und unterstützt vom Grünflächenamt um das Gelände. Regelmäßig sammeln sie den Müll ein, jäten Unkraut, binden die Weinstöcke hoch. Hübsch und gepflegt sieht der Garten auf halber Höhe der Treppe aus.

Weitere Mitstreiter konnten die Anwohner allerdings bisher nicht begeistern: „Im Gegenteil, neben der Bewunderung klingt oft auch ein Teil Verwunderung mit, dass wir uns das freiwillig antun“, erzählt Wolf Birke. Viel Mühe macht derzeit der Kampf gegen den Buchsbaumzünsler. Die großen und einst stolzen Buchsbäume sehen momentan traurig und abgenagt aus. „Wir wollen dieses Frühjahr noch einmal einen Versuch starten, mit biologischen Mitteln der Plage Herr zu werden“, sagt Birke. „Wir bleiben dran, werden alles noch schöner, menschen- und bienenfreundlicher gestalten und würden uns natürlich jederzeit über tatkräftige Hilfe freuen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung