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Wuppertaler Dozenten geben online Tipps zum Literarischen Schreiben

Auch analog ist eine Teilnahme möglich : Literatur-Workshop gibt online Tipps

Die digitale Premiere war am Wochenende überaus erfolgreich. Weiterhin ist aber auch eine analoge Teilnahme möglich.

Für Oliver Buchta lag der Wechsel vom analogen zum virtuellen Dozenten nahe. Vor Corona hat er regelmäßig Literaturworkshops veranstaltet – unter anderem in der Elberfelder Nautilus-Galerie. Der Lockdown zwang ihn dazu, sich beruflich neu zu orientieren. Die Vermittlung von Literatur und Schreibtechniken hat er dennoch nicht aufgegeben. „Zeitsprünge“ heißt sein aktueller Workshop. Als Online-Veranstaltung gehört er zum Programm des Internationalen Begegnungszentrums der Caritas in der Hünefeldstraße.

„Zeitsprünge“ versteht Buchta als Angebot an die Workshop-Teilnehmer, die eigene Stadt aus und mit anderen Augen zu sehen. Ältere können etwa über Kindheitserinnerungen schreiben – in Form einer biographisch gefärbten Geschichte oder als allwissender Erzähler. Jüngere sind eingeladen, von der Jetztzeit auszugehen und dann weitere Sprünge zu machen. Warum zum Beispiel keine Science-Fiction-Story über Wuppertal? Im besten Fall soll das gemeinsame Schreiben über Quartiere und Lieblingsorte die Grenzen zwischen den Altersgruppen verwischen. „Wir sind auf das aus, was uns verbindet“, erklärt Buchta, „und nicht auf das, was uns trennt.“

Das Konzept ruht
auf drei Säulen

Das Workshop-Konzept ruht auf drei Säulen. Das literarische Handwerkszeug wird in Videokonferenzen vermittelt, die bis Ende Februar zweimal in der Woche stattfinden. Außerdem gibt es eine Facebook-Gruppe, in der sich die Teilnehmer mit Buchta über ihre Texte austauschen können. Wer mit Online-Formaten nichts anfangen kann, kann dem Dozenten Geschichten und Gedichte auch per Brief schicken.

Buchta spricht von einem guten Anfang. Bei der ersten 90-Minuten-Videoschalte sei die Atmosphäre „entspannt, gemütlich“ gewesen. Beeindruckt ist er von der Qualität der Text-
ideen, die die sechs Teilnehmer aus Wuppertal, Remscheid und Solingen mitbrachten. Eine Teilnehmerin berichtete, wie sie in den Trümmerjahren von einem Besatzungssoldaten reich beschenkt wurde – mit einer Apfelsine.

Eine Geschichte mit Potenzial, findet Buchta. Stark sei schon das Bild, „wie die Apfelsine aus dem Nachkriegs-Grau hervorleuchtet“. Gedanklich in der Nähe des Begegnungszentrums blieb eine andere Teilnehmerin. Bis heute verbindet sie mit dem Unterbarmer Bahnhof, an dem Fernzüge immer nur vorbeifahren, Sehnsuchtsgefühle. Ähnlich vielleicht wie Leute, die am Flughafen den aufsteigenden Maschinen nachschauen.

Dass der Auftakt technisch reibungslos gelaufen ist, liegt an Manuela Richard. Während die Kukuna-Mitarbeiterin sonst die Workshops vor Ort in der Hünefeldstraße betreut hat, kümmert sie sich derzeit um den digitalen Konferenzraum und stellt jeweils den Zugangslink zur Verfügung. Mehr noch: Das Thema „Zeitsprünge“ gefällt ihr so gut, dass sie bis zum Schluss teilnehmen wird. Richard denkt auch schon an eine Online-Textsammlung: „Die Leute waren in der Vergangenheit immer begeistert, wenn das, was sie geschrieben haben, veröffentlicht werden konnte.“

Wer jetzt noch bei „Zeitsprünge“ einsteigen möchte, kann eine E-Mail schreiben an: Manuela.Richard@caritas-wsg.de. Sportlich wird es beim nächsten Online-Workshop. Im März bietet das Internationale Begegnungszentrum einen Capoeira-Kurs an.