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Wuppertaler Direktor: „Die Krise hat uns im digitalen Lernen gestärkt“

Schulbesuch : „Die Krise hat uns im digitalen Lernen gestärkt“

Die WZ besuchte Direktor Benedikt Stratmann in der - noch - leeren St.-Anna-Schule.

Einer geht noch jeden Tag zur Schule: Benedikt Stratmann, Direktor des St.-Anna-Gymnasiums. In der Mensa sind seit Wochen alle Stühle auf die Tische gestellt. An der Wand ein Zettel mit Verhaltensregeln. Regeln aus einer anderen Zeit. Inzwischen kann sich keiner mehr vorstellen, dass in Kürze wieder Schüler dicht an dicht in diesen Räumen sitzen. Doch voraussichtlich ab 4. Mai werden hier wieder Kinder und Jugendliche zu sehen sein. Vereinzelt und mit Abstand.

Stratmann sagt: „Wir sind auf mehrere Szenarien vorbereitet.“ Alle warten gespannt auf die Vorgaben des Schulministeriums. Am sinnvollsten fände er es persönlich, wenn zunächst die Abiturjahrgänge in die Schule zurückkehren würden. „Das wäre für uns der stressfreieste Einstieg“, sagt der Schulleiter. Für den Unterricht könnten die Klassen halbiert und so der nötige Abstand in den Räumen gewährleistet werden. Jede Unterrichts-Stunde gäbe es dann zwei Mal, damit alle den selben Stoff vermittelt bekommen. Die Prüfungen ließen sich gut mit sechs Leuten in einem Raum umsetzen.

Stratmann wäre es ein großes Anliegen, diesen besonderen Abiturjahrgang möglichst normal ins Ziel zu bringen - mit Prüfungen. „Denkbar wäre ja auch ein Abitur mit errechneter Durchschnittsnote. Das halte ich aber nicht für erforderlich“, sagt Stratmann.

Wenn die ersten Schüler in ihre Klassenräume zurückkehren, werde es „in allen Fächern etwas Nachholbedarf geben“, sagt der Direktor. Allerdings sei auch in den Wochen ohne analogen Unterricht viel Stoff bearbeitet worden - über Lernplattformen im Internet. So pausierte das Schulleben in vielen Fächern nahezu gar nicht. „Es gibt Kollegen, die mir berichtet haben, dass sie digital mehr Stoff konzentriert an die Schüler bringen konnten“, berichtet Stratmann. Die Oberstufenschüler hatten weiter an ihrer Facharbeit geschrieben und konnten diese komplett digital einreichen.

Unterricht als Videokonferenz
lehnt der Schulleiter ab

In dieser Hinsicht begreift Benedikt Stratmann die Krise auch als Chance. „Jetzt haben auch die Letzten der Letzten die Möglichkeiten des digitalen Lernens entdeckt.“ Der Pädagoge möchte sich jetzt dafür stark machen, dass Lernplattformen und digitaler Austausch nicht mehr aus dem Schulalltag verschwinden. So sieht er das digitale Lernen als Ergänzung zum normalen Unterricht. Stratmann will für seine Schüler „das Beste aus beiden Welten“. So funktionierten gewisse pädagogische Inhalte besser als digitaler Lerninhalt und andere eben besser im klassischen Unterricht. Man dürfe nur nicht den Fehler machen, analogen Unterricht einfach eins zu eins auf das Digitale übertragen zu wollen. So hält er es für wenig sinnvoll, einen Unterricht per Videokonferenz abzuhalten.

Der Neustart der Schule will gut vorbereitet sein. Daran haben Stratmann und seine Kollegen in den vergangenen Tagen und Wochen gearbeitet. Vorsichtshalber hat sich die Schule bereits mit Schutzmasken eingedeckt und auch der Hygieneplan der Schule wurde überarbeitet. Wie Stratmann berichtet, ist damit zwar keine Ausweitung verbunden, man wolle jetzt viel mehr darauf achten, dass alle Punkte des Plans in der Realität auch umgesetzt werden.

Von den 80 Lehrern der Schule werden lediglich 60 in die Schule zurückkehren. Der Rest gehört zur Risikogruppe und kümmert sich weiter im Home-Office um den Online-Unterricht, der parallel weiterlaufen soll. „Ja, es gibt auch in unserem Kollegium Sorgen. Die nehmen wir ernst.“