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Wuppertaler Chor-Kinder singen wieder

Gemeinde : Wuppertaler Chor-Kinder singen wieder

Die jungen Mitglieder übernehmen in St. Antonius den Gemeindegesang.

Sein Keyboard hat der Kirchenmusiker Stefan Starnberger draußen im Innenhof der St. Antonius Kirche aufgestellt. Dazu noch zehn Stühle. Zehn gut gelaunte Kinder kommen und nehmen Platz, denn sie proben und sie singen wieder. Die Proben finden in Kleinstgruppen draußen vor der Kirche statt. Bei 24 Grad und Sonnenschein sind es ideale Bedingungen. Bei schlechtem Wetter kann man unter ein Vordach ziehen. Sogar bei 6 Grad wurde hier schon gesungen.

„Damit unsere Nachwuchssängerinnen und -sänger der St. Antonius-Gemeinde zumindest ein paar freudige Eindrücke und Erfolgserlebnisse mit nach Hause nehmen können, haben wir das Kinderchorangebot an die Corona-Bedingungen angepasst“, sagt Stefan Starnberger, der Kantor der Gemeinde. Chorgesang ist nicht gestattet, aber im Freien sind Proben für gottesdienstliche Zwecke erlaubt.

Die Nachwuchssängerinnen und -sänger  sitzen hier draußen nicht in Stimmgruppen und für den Klang gut gemischt, jetzt sitzen zu zweit oder zu dritt Geschwisterkinder nebeneinander, andere Kinder sitzen einzeln und alle achten auf die richtigen Abstände.  Beim Verteilen der Liedblätter und der Gesangbücher tragen sie ihre Masken. Kinder sind offensichtlich Profis im Umgang mit den Bestimmungen, die die Pandemie mit sich bringt.

Dann geht es los mit Lockern und Einsingen, denn das gehört unbedingt dazu. Es wird gehüpft und gezappelt. Immer höhere und auch tiefe Töne werden gesungen und manchmal klingen die Töne verrückt. Neun Mädchen und ein Junge haben schon beim Einsingen sichtbar viel Spaß. Stefan Starnberger gibt die Einsätze für herzhaftes Gähnen und lautes Jubeln und dann geht es richtig los mit dem Liedgesang.

Die Lieder sind
durchaus anspruchsvoll

Aus dem „Gotteslob“, dem katholischen Gesang- und Gebetbuch, singen sie ein Gemeindelied nach dem anderen. Mal klingt es klassisch, mal sind es Lieder  voller Schwung und Lebensfreude. Auch ernste, getragene Lieder singen sie mit beeindruckender Konzentration und Inbrunst. Die Lieder sind durchaus anspruchsvoll, aber die Kinder meistern das großartig, und sie haben bereits ein großes Lied-Repertoire kennengelernt.

Die meisten Kinder und Jugendlichen, die hier proben, sind auch als Messdienerinnen in der Gemeinde aktiv. Nun haben sie eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe übernommen: Sie singen stellvertretend für die Gemeinde, denn seit mehr als einem Jahr ist in Kirchen der Gemeindegesang nicht erlaubt.

Valentina ist mit acht Jahren die Jüngste und auch sie steht in den Messen schon vor der Gemeinde und übernimmt solo den Gemeindegesang. Melisha (11) hat ebenfalls schon allein in der Messe vorgesungen. „Es ist ein bisschen aufregend“, sagt sie, „aber es macht auch Spaß“.

Zu normalen Zeiten, ohne Corona und entsprechende Bestimmungen, proben in der Gemeinde vier Nachwuchschöre: Die Vorschulkinder, die Grundschulkinder, die Gruppe A mit Kindern ab zehn Jahren und der Jugendchor. Normalerweise treffen sie sich freitags zu Proben und singen miteinander in Konzerten und Gottesdiensten.

„Es ist schade, dass wir nicht als Chor singen können, aber so zu singen wie jetzt motiviert, weil wir den Menschen eine Freude bereiten können“, sagt Giovanna (14). Ihr und ihrer Schwester Isabella (9) macht das Singen in jedem Fall viel Freude. „Bei den Proben macht es Spaß, weil sich Stefan Starnberger viel Mühe mit uns gibt und es ist auch immer lustig“, sagen die beiden.

„Die Kinder singen alles gerne und so haben sie nicht nur Freude am Singen selbst, sondern tragen diese Freude auch in die Gemeinde hinein“, sagt Starnberger.

Die Geschwister Klara (15) und Paul (11) sind schon seit fast acht Jahren im Chor von St. Antonius aktiv. „Freitags bei unseren Chorproben haben wir andere Lieder gesungen“, sagt Klara, und Paul ergänzt ganz pragmatisch: „Jetzt singen wir ganz einfach diese Lieder hier.“ Die beiden singen meist sonntags früh in der Messe um 9 Uhr.

Während der Probe läuten die mächtigen Glocken von St. Antonius. Die Kinder und Jugendlichen singen weiter und treffen trotz der Glockenbegleitung bei dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ jeden Ton. Die vielen Strophen reichen dann genau bis zum Ende des Läutens.