Wuppertaler Bezirksschülervertretung will in der Politik mitmischen

Schule : „Man muss richtig auftreten und klare Forderungen haben“

Die Wuppertaler Schüler haben ihre Bezirksvertretung gewählt. Die vertritt 36 000 Jugendliche und will politischer werden.

Die Wuppertaler Schüler wollen mitreden. Deshalb haben sie eine Bezirksschülervertretung gewählt und beantragt, dass ein Vertreter als beratendes Mitglied Teil des Schulausschusses wird. Über die Landesdelegiertenkonferenz haben sie auch landesweit die Möglichkeit, auf Schulthemen Einfluss zu nehmen. So fordert die Landesschülervertretung etwa, statt schnell elektronische Geräte an Schulen anzuschaffen, erst einmal Konzepte zu deren Nutzung zu erarbeiten und Lehrer in der Verwendung zu schulen.

„Wir in Wuppertal waren so ziemlich die einzigen, die noch keine Bezirksschülervertretung hatten“, sagt Luca Hoffmann, Vorsitzender der neuen BSV und Schülersprecher am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Einige interessierte Schülervertreter trafen sich deshalb in den Osterferien, um die Satzung für das neue Gremium vorzubereiten. „Wir wollten das vor der ersten Sitzung der Landesdelegiertenkonferenz machen, sonst wären wir wieder für ein Jahr draußen gewesen“, erklärt Luca Hoffmann. Sie luden die Schülervertreter aller weiterführenden Schulen in Wuppertal zur ersten Sitzung ein und wählten drei Mädchen und sieben Jungen zu ihren Vertretern. Sie kommen von allen Schulformen außer Hauptschulen. „Wir vertreten 36 000 Schüler“, betont Luca Hoffmann.

Gleichzeitig liegt es ihm am Herzen, das Gremium so zu gestalten, dass es auch langfristig bestehen bleibt. Denn schon früher gab es ähnliche Vertretungen, die sich aber nach kurzer Zeit wieder auflösten oder einfach „einschliefen“. Deshalb sollen jeweils in der zweiten Hälfte der Wahlperiode auch jüngere Schüler eingebunden werden. Neue Wahlen finden dabei wegen des Zeitpunkts der Landeskonferenz jeweils kurz nach Ostern statt.

Jetzt müssen sich die Schüler eine gemeinsame Linie zu verschiedenen Themen erarbeiten. „Wir müssen uns erst einmal positionieren“, sagt Luca Hoffmann. In den Sommerferien sind dafür Treffen geplant. Überhaupt soll sich die BSV zukünftig alle zwei Wochen zusammenfinden, um über aktuelle Themen zu sprechen. Gerne würde Luca Hoffmann auch Vertreter in weitere städtische Ausschüsse schicken, etwa in den Umweltausschuss: „Wir wollen politischer werden.“ Arbeitsgruppen soll es unter anderem zu Antirassismus, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen geben. In einigen dieser Arbeitsgruppen können auch ungewählte interessierte Schüler mitarbeiten oder diese können eine eigene AG gründen.

Das Ziel der Schüler ist es, gehört zu werden – gerade bei Themen, die ihre Zukunft betreffen. Luca Hoffmann ist überzeugt, dass junge Menschen Einfluss nehmen können: „Wir können etwas bewegen – man braucht nur die richtigen Ansprechpartner, muss richtig auftreten und klare Forderungen haben. Am besten bringt man direkt einen Plan zur Umsetzung mit“, erklärt der 18-Jährige. Er selbst hat für seine Zukunft einen festen Plan: Der Schüler der Q1 (Klasse 11) möchte Politikwissenschaften studieren. Praktische Erfahrungen dazu sammelt er schon heute.

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