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Wuppertaler Bezirksbürgermeisterin: Mehr Digitalisierung ist notwendig

Fragebogen 2021 : Wuppertaler Bezirksbürgermeisterin hält mehr Digitalisierung für notwendig

Im Fragebogen 2021 will die WZ wissen: Was steht im Bezirk an? Welche Erwartungen haben die neuen Bezirksbürgermeisterinnen und - meister? Diesmal sprechen wir mit Gabriele Mahnert, Bezirksbürgermeisterin für Elberfeld-West.

Zehn Bezirksvertretungen gibt es in Wuppertal - und acht haben seit der Kommunalwahl im September 2020 eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister. Die WZ möchte in ihrem mittlerweile schon traditionellen Fragebogen zum neuen Jahr erfahren: Was steht im Bezirk an? Welche Erwartungen haben die Bezirksbürgermeisterinnen und - meister? Heute dabei: Gabriele Mahnert, erste grüne Bezirksbürgermeisterin für Elberfeld-West.

Corona wird sicher auch 2021 eine große Rolle spielen. Welche Auswirkungen wird es in Ihrem Bezirk möglicherweise geben?

Die Jakobstreppe (l.) und die Brücke Kirchhofstraße sind seit Jahren gesperrt. Foto: Fries, Stefan (fr)

Gabriele Mahnert: In Elberfeld-West werden, solange die Corona-Bestimmungen unser Leben dominieren, keine Veranstaltungen, Feste oder Zoobesuche stattfinden können. Vor diesem Hintergrund machen wir uns daher Gedanken dazu, wie wir zukünftig zumindest mehr offene Sport-, Spiel- und Bewegungs-Angebote für alle Altersgruppen im öffentlichen Raum schaffen können, die jederzeit auch unter Auflagen möglich sind. Vor-Ort-Termine zu bestimmten Anliegen, öffentliche Anhörungen, Sitzungen und andere mehr können zur Zeit nicht in gewohnter Form stattfinden.

Was könnte eine Lösung sein?

Mahnert: Daher ist zum Beispiel die frühzeitige Offenlegung bzw. Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zur Bebauungsplanänderung an der Bayreuther Straße/Briller Straße auch über die Wuppertaler Website möglich. Die so gelernte Digitalisierung kann und muss zukünftig zu neuen kommunalen Kommunikationsstrukturen führen. Sitzungen, wie die Stadtteilkonferenz, die Vertreter*innen aus allen sozialen Einrichtungen im Bezirk beteiligt, dürfen nicht ausfallen. Wir brauchen als BV und als Politiker Informationen aus den Einrichtungen, um zeitnah handlungsfähig zu sein und uns gegenseitig zu unterstützen. Schaffen wir eine neue und zeitgemäße Kommunikationskultur. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Welchen Veranstaltungen und Terminen – wenn sie den stattfinden sollten - fiebern Sie in Ihrem Bezirk entgegen?

Mahnert: Auf den 1. August – denn dann geht der Schwebebahnverkehr wieder an den Start. Darüber hinaus haben wir weitreichende Erwartungen an die Fortschreibung des Wuppertaler Nahverkehrsplans, der in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll. Die Stadtteile in Elberfeld-West benötigen eine ÖPNV-Anbindung an die Einkaufszentren am Otto-Hausmann-Ring und an der Steinbeck. Zudem stehen Haushaltsberatungen an und ein ordentlicher Etat für Treppen (Jakobstreppe) und Brücken (Kirchhoffstrasse) sind ebenfalls wichtige Eckdaten für uns. Gerne würden wir den jungen Leuten in unserem Bezirk eine ordentliche Party zum Corona-Ende gönnen. Das habe ich als Bezirksbürgermeisterin zumindest im Hinterkopf.

Was könnte ein Aufreger-Thema in Ihrem Bezirk werden?

Mahnert: Viele Themen in unserem Bezirk könnten gerne mehr Aufregung vertragen: Der Lärm der Autobahnen für die Anwohnerinnen und Anwohner, die drückende Hitze in engen Wohnvierteln wie dem Arrenberg, der Wassermangel für die Grün- und Waldflächen, die schleppende Einrichtung von E-Ladestationen, die buckeligen Fußwege, zu schnelles Fahren entlang der Schulwege zu den Grundschulen, die Feinstaubbelastung entlang der Hauptverkehrsstraßen, das fehlende Fahrradverbindungsstück zwischen Nützenberger Straße und Luisenviertel, der beabsichtigte Stellenabbau bei Schaeffler, die Behinderungen für Fußgängerinnen und Fußgänger durch das Bürgersteigparken …

Über Ihren Bezirk hinaus: Welche (Groß-)Projekte könnten Wuppertal Ihrer Meinung nach voranbringen?

Mahnert: Die Initiative „Circular Valley“ der Wuppertalbewegung und damit der Ausbau Wuppertals zu einem Wissenschafts- und Kompetenzzentrum für Umwelt-Zukunftstechnologien wird der ganzen Stadt und den Quartieren einen Entwicklungsschub zu einem Green Deal geben. Wir haben schon viele kompetente Akteure/Akteurinnen am Start, die Investitionen, Forschungsmittel und interessierte Menschen in die Stadt holen können. Auch der Umbau des Schauspielhauses zum Pina-Bausch-Tanzzentrum bringt neue Impulse in unsere Stadtgesellschaft hinein und lockt noch mehr kreative Menschen in unsere Stadt. Das alles sind Impulse, die in die Stadt hinein und über Wuppertal hinaus wirksam werden können.

Ein kurzer Blick zurück: 2020 war sicher ein Jahr, das niemand so erwartet hat. Was nehmen Sie persönlich für sich aus diesem Jahr mit?

Mahnert: Wuppertal muss für seine/ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger attraktiver werden. Für mehr Homeoffice, weniger Reisetätigkeit und mehr Miteinander vor Ort benötigen wir mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität in den unseren Stadtquartieren: zum Beispiel grüne Klein-Oasen, Sport im Freien, Spielstraßen, mehr Außengastronomie, urbanes Gärtnern…

Welche Überschrift möchten Sie in 2021 in der WZ zu Ihrem Bezirk lesen?

Mahnert: Der Weyerbuschturm ist eingerüstet und die Sanierungsarbeiten haben begonnen. Und natürlich: Der Biergarten auf der Kaiserhöhe ist wiedereröffnet. Oder: Die Jakobstreppe wird aus dem Dornröschenschlaf geholt.