Wuppertal: Wuppertaler Betriebe schreiben die Fahrpläne mit

Wuppertal : Wuppertaler Betriebe schreiben die Fahrpläne mit

Wuppertal Institut will Mobilitäts-Management der Unternehmen verbessern.

Wie können Mitarbeiter effizient unterwegs sein? Um diese Frage kümmert sich in Unternehmen das „Betriebliche Mobilitäts-Management“. Wie Wege auch noch klimaschonend zurückgelegt werden können, das hat das Wuppertal Institut jetzt mit rund 30 bergischen Unternehmen untersucht und dabei neue Ideen angestoßen. Eine Tagung stellte die Ergebnisse des dreijährigen Projekts vor.

„Schlüssel des Projekts ist der Quartiersansatz“, erklärt Oscar Reutter, Honorarprofessor für Umwelt und Verkehr an der Bergischen Universität, Co-Leiter des Forschungsbereichs Mobilität und Verkehrspolitik am Wuppertal Institut und Koordinator des Projekts „BMM Hoch drei – Betriebliches Mobilitätsmanagement im Bergische Städtedreieck“.

Die Forscher haben mehrere Akteure eines Quartiers zusammengebracht, die gemeinsam nach Verbesserungen für die Mobilität der Mitarbeiter gesucht haben. „Wir haben gefragt: Entsteht durch den Zusammenschluss ein Mehrwert? Gibt es Synergien? Haben mehrere Unternehmen und Einrichtungen eine andere Marktmacht gegenüber Verkehrsunternehmen?“, erläutert Oscar Reutter. Das Ergebnis zeigt, dass ein Zusammenschluss durchaus neue Möglichkeiten eröffnet.

Vorausgegangen sind Analysen zur Erreichbarkeit der jeweiligen Quartiere mit verschiedenen Verkehrsmitteln und darüber, welche Verkehrsmittel die Mitarbeiter bisher nutzen. Anschließend wurde nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht, auch Nahverkehrs- und Carsharing-Unternehmen eingebunden.

So hätten sie im Gewerbegebiet Großhülsberg in Remscheid, einem der untersuchten Quartiere, erreicht, dass ein zusätzlicher Bus genau zum Schichtende einer Firma auf der Linie durchs Gewerbegebiet fährt. „Die Leute verlassen die Firma und können sofort in den Bus einsteigen“, macht Oscar Reutter den Vorteil deutlich. Er ist überzeugt, dass das dazu beiträgt, dass mehr Mitarbeiter den Bus nutzen.

In einem Solinger Quartier gibt es beim Ticketkauf Rabatt

In einem anderen untersuchten Quartier, dem Gewerbegebiet Scheuren in Solingen, konnten die beteiligten Unternehmen und Einrichtungen ein eigenes günstiges Ticket mit dem Verkehrsunternehmen vereinbaren. Mitarbeiter erhalten das „Scheuren-Ticket“ mit zwölf Prozent Rabatt, die Stadtwerke Solingen tun noch einmal fünf Prozent dazu. „Das ist schon ein Schnäppchen“; betont Oscar Reutter. Einige Arbeitsgeber zahlten ihren Mitarbeitern sogar noch etwas dazu. Verkauft worden sei das Ticket 275 mal, 90 Käufer hätten zuvor kein Ticket gehabt, seien also durch das Angebot zum Umsteigen motiviert worden.

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt: „Man braucht jemand, der sich kümmert, einen Manager“, erklärt Oscar Reutter. Am besten eine Person, die im Quartier gut vernetzt und anerkannt ist. So jemand könne die unterschiedlichen Akteure zusammenbringen und zwischen den unterschiedlichen Kulturen vermitteln – denn ein Unternehmen ticke anders als ein Nahverkehrsunternehmen. In den laufenden Projekten sei das jeweils gelungen: „Das war eine Schlüsselposition“, betont Oscar Reutter.

Er ist überzeugt, dass dieser Ansatz für alle Beteiligten nur Vorteile bringt: Die Unternehmen hätten finanzielle Vorteile und eine positive Außendarstellung als soziales und umweltengagiertes Unternehmen. Die Mitarbeiter hätten bessere Anbindungen, die Umwelt werde geschont und in der Stadt der Verkehr entlastet.

Im Rahmen des Projekts wurden auch noch weitere Quartiers- und Unternehmensarten untersucht und beraten, darunter Großunternehmen wie die Barmenia, das Mischgebiet Wohnen und Gewerbe am Wuppertaler Arrenberg, die Unternehmen Vorwerk und Erfurt, die Rathäuser der beteiligten Städte, die Bergische Universität.

Ihre Ideen und Erkenntnisse haben die Projektbeteiligten bei einer Tagung in der evangelischen Citykirche vorgestellt, mehr als 100 Teilnehmer, darunter zahlreiche Praktiker, haben sich Vorgehen und Ergebnisse erläutern lassen. Dass gestandene Mobilitätsmanager mit vielen Jahren Erfahrung in Unternehmen gesagt haben: „Das bringt Vorteile, dürfen wir das nachmachen?“, ist für Oscar Reutter ein Beleg dafür, dass sie den richtigen Ansatz gewählt haben. Das Forschungsprojekt ist im Sommer abgeschlossen. Jetzt gehe es darum, die Ideen zu verbreiten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung