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Wuppertaler Bandwebermuseum erhält nach Neueröffnung viel Lob

Eröffnung : „Das Museum ist wirklich spitze“

Bandwebermuseum eröffnet an neuem Standort. Die Besucher sind begeistert.

Auf der einen Seite ratterte der Jacquardwebstuhl, auf der anderen klackerte die Flechtmaschine: Man verstand kaum sein eigenes Wort im Bandwebermuseum, das am Wochenende in den neuen Räumen in der Goldzackfabrik eröffnete. Dichter Betrieb herrschte während des ganzen Eröffnungswochenendes. Ehemalige Mitarbeiter der Textilindustrie, Familien und andere Neugierige nutzten die Gelegenheit,  anschaulich die Produktion von Litzen und Bändern zu erleben.

„Da kommen viele Erinnerungen hoch“, sagte etwa Besucher Wolfgang Herold, der selbst früher Bandweber war. Klaus Weuster wuchs in eine Flechterei hinein und erzählte den Besuchern: „Mit acht, neun Jahren musste ich nach der Schule erst einmal in den Betrieb – neue Spulen aufsetzen.“ Versiert wechselt der Senior, der 2001 die letzte Lohnflechterei in Wuppertal aufgegeben hatte, auch heute noch die Spulen aus, wenn der Faden leer oder gerissen ist. Er hatte dem Museum den beeindruckenden Flechttisch vermacht. Staunend beobachteten die Besucher, wie die umeinander tanzenden Rollen nicht nur einfache Bänder, sondern auch Zick-Zack-Verläufe oder zusammengesetzte Bänder flechten konnten.

Wer sich ausführlich informieren wollte, konnte sogar auf einen Audioguide zurückgreifen. An zwölf Stationen lieferte er detaillierte Hintergrundinformationen. Andere Besucher schlenderten einfach so durch die 200 Quadratmeter großen Räume. Viele Details waren in den Vitrinenen zu entdecken. Hüte in allen Variationen etwa: „Ronsdorf war die Hochburg der Hutbänder“, erinnerte Irmlind Pesch, Vorsitzende des Fördervereins Bandwebermuseum. An normalen Museumstagen können die Besucher auch verschiedene Hüte anprobieren.

Eine Knopfschachtel von Weyerbusch ist zu sehen, dem Elberfelder Knopffabrikanten, und alte Posamente. „Posamente waren immer schon das Zubrot der Bandweber“, erklärte Irmlind Pesch. Dabei nähten die Bandweber ihre Bänder zu kunstvollen Schleifen und Ornamenten zusammen – eine erschwingliche Alternative zur Spitze.

Sogar die Stube eines Hauswebers wurde nachgebaut

Auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Bänder präsentieren die Museumsmitglieder liebevoll: Ein Korsett und Werbung für Strumpfhalter liegen neben lachsrosa Bändern. Dochte für Öl- und Petroleumlampen wurden von den Flechtereien hergestellt. Ausdrucksvolle romantische Bilder konnten Seidenweber fertigen. Und sogar der Generalanzeiger, die heutige WZ, ist vertreten: Er verschenkte 1959 ein gewebtes Lesezeichen mit Kalender und Schwebebahn.

In einer Vitrine konnten die Besucher sehen, wie die Patronen gezeichnet wurden, die als Vorlage für den Webprozess dienten. Detlev Nottebohm zeigte dann das Stanzen der Lochkarten. Sie liefen in langen Reihen durch die Webstühle und definierten, wann welcher Faden aktiv werden sollte. „Eine Zeile entspricht einer Karte“, erklärte Nottebohm. Auf klavierähnlichen Tasten drückte er dann die Zahl der benötigten Fäden. Per Fußpedal stanzte er anschließend die erforderlichen Löcher in die Karte.

Nebenan hatte das engagierte Museumsteam die Stube eines Hauswebers nachgebaut – mit Küchenutensilien und einfachem Schaftwebstuhl. Und in einer Ecke stehen noch diverse alte Geräte – etwa eines zum Prüfen der Reißfestigkeit von 1900 oder feine Waagen zum Messen kleiner Fasermengen.

Bald wird es auch noch mehr Informationen geben: Studierende des Studiengangs Design der Bergischen Universität erarbeiten gerade eine Corporate Identity für das Museum sowie sechs Filme zur Geschichte der Textilindustrie in Wuppertal. Sie laufen dann sowohl auf dem Bildschirm, der im Museum steht, als auch auf einer Stele mit Touchscreen. „Das Museum ist wirklich spitze – ich möchte unbedingt bald noch einmal kommen“, lobte auch Besucherin Christine Zak.