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Wuppertaler Bahnhofsmission ist seit zehn Jahren wie eine Familie

Hauptbahnhof Döppersberg : Bahnhofsmission: Seit zehn Jahren wie eine große Familie

Die Hilfsorganisation unterstützt auf Reisen, bei akuten Problemen und in existenziellen Notlagen.

Zwei ältere Herren sitzen mit einer Mitarbeiterin der Bahnhofsmission am Tisch, vor sich eine Tasse Kaffee, und spielen Uno. „Man lernt hier nette Menschen kennen, ich bin fast jeden Tag hier“, erzählt einer von ihnen. „Hierdurch bin ich vom Alkohol weggekommen.“ Der feste Anlaufpunkt strukturiert sein Leben. Sein Kollege nickt zustimmend.

„Wir haben viele Stammgäste hier“, sagt Bogumila Sporin, Standortverantwortliche der Wuppertaler Bahnhofsmission. Insbesondere Menschen am unteren Rand der Gesellschaft schätzen den Ort, an dem sie freundlich aufgenommen werden, ohne dafür Geld bezahlen zu müssen. Gerade hat die Bahnhofsmission ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert.

Von außen sieht das Zimmerchen der Bahnhofsmission auf Gleis eins am Döppersberg ziemlich heruntergekommen aus. Der Putz bröckelt, die Farbe verblasst, Absperrungen schaffen eine Art Terrasse vor der Eingangstür. Im Sommer können so die Gäste auch draußen sitzen. Ein paar Frühlingsblumen in einem Topf bringen etwas Farbe ins graue Einerlei.

Drinnen wirkt alles sauber und aufgeräumt. Die Kaffeemaschine kocht, ein paar Stück Kuchen stehen auch bereit für hungrige Gäste. Die Bäckerei Behmer spendiert jeden Tag etwas Gebäck und freitags Frühstücksbrötchen. Akzenta sorgt für Aufschnitt und Gemüse, so dass sich die Stammgäste freitags zu einem schönen Frühstück treffen können. Die Gäste genießen das. Den Kaffee bringen die Wuppertaler immer wieder vorbei – ein sehr notwendiges Geschenk, denn für das Getränk gibt es kein Budget.

Viele Obdachlose kommen morgens direkt um 8.30 Uhr, wenn die Bahnhofsmission öffnet. Die Notschlafstelle schließt um 7 Uhr – eineinhalb Stunden später sind die Männer froh um ein heißes Getränk und ein warmes Plätzchen. „Es gibt aber auch viele hier, die zwar eine Wohnung haben, sich aber keinen Kaffee leisten können“, berichtet Bogumila Sporin. Frauen machen nur einen relativ kleinen Teil der Gäste aus.

Es gibt auch Kleidung
und Hilfe bei Formularen

Bei der Bahnhofsmission bekommen sie nicht nur ein heißes Getränk; die Mitarbeiter fragen nach, bieten Hilfe bei Formularen an und vermitteln bei Bedarf weiter an spezialisierte Stellen, organisieren direkt Termine. Auch gespendete Kleidung haben sie in den Mitarbeiterräumen gelagert, die von den Männern gerne angenommen wird. Drei hauptamtliche Kräfte, bis zu zwölf Ein-Euro-Jobber und rund zehn Ehrenamtler kümmern sich um die Gäste. Norbert Zimmermann koordiniert das Team.

Ein weiteres Aufgabenfeld der Mitarbeiter ist die Hilfe beim Umsteigen: Alte Menschen oder Eltern mit kleinen Kindern können diese Unterstützung anfragen. Dann tragen die Mitarbeiter Koffer, schieben Rollstühle oder heben Kinderwagen in die Züge. Auch bei Notfällen jeglicher Art ist die Bahnhofsmission erste Anlaufstelle. Bei kleinen Problemen wie verpassten Anschlusszügen ebenso wie bei der Dame, die während einer Zugfahrt vom Tod ihrer Tochter erfuhr. Oder die weinende Frau, die vermutlich Opfer von Menschenhändlern geworden war – sich aber nicht helfen lassen wollte. Auch das müssen die Mitarbeiter der Bahnhofsmission aushalten.

So herrscht ein ständiges Kommen und Gehen in dem kleinen Raum. Zwischen 50 und 100 Personen kommen durchschnittlich am Tag. „Unsere Besucher sind aber super diszipliniert: Wenn es eng wird, stehen die, die länger da sind, auf“, sagt Mitarbeiterin Anja Schneider. Auch die Streetworker kommen regelmäßig vorbei, ebenso Bahnmitarbeiter – so funktioniert der Austausch, damit keiner der Stammkunden aus den Augen gerät. Und wenn dann plötzlich einer wegbleibt, machen sich die Mitarbeiter Sorgen. Dann fragen sie herum, ob ihn jemand gesehen hat. Denn fast ist das hier wie in einer großen Familie.