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Wuppertaler Arbeitnehmer wechseln die Branchen​

Arbeitsmarkt : Wuppertaler Arbeitnehmer wechseln die Branchen

Die einen verlieren Beschäftigte, die anderen gewinnen hinzu. Viele Arbeitnehmer wechseln laut der Arbeitsmarktstatistik die Branche.

So viele Beschäftigte gab es noch nie im Bergischen Städtedreieck: 232 000 Beschäftigte standen in Lohn und Brot. „Ein neuer Höchststand in diesem Jahrhundert“, schreibt die Agentur für Arbeit in ihrer Jahresbilanz. Dabei sei es aber zu erheblichen Branchenverschiebungen gekommen.  Während vor allem das verarbeitende Gewerbe und das Gastgewerbe nennenswerte Beschäftigungsverluste verzeichnen würden, seien das Baugewerbe, die Verkehrs- und Lagerwirtschaft, der öffentliche Dienst, das Erziehungs- und Unterrichtswesen sowie das Gesundheits- und Sozialwesen deutlich angewachsen.

Und trotz des Höchststandes an Beschäftigten fehlt es in Wuppertal, Solingen und Remscheid an Fachkräften – insbesondere im Pflege- und Medizinbereich. Aber es gebe auch, so hat die Agentur für Arbeit registriert, Lücken bei den Berufen der Informationstechnik sowie im Bau- und Ausbaugewerbe. Auch in anderen Branchen wie zum Beispiel im Handel, in der Logistik und in der Gastronomie, aber auch im Grundstücks- und Wohnungswesen fehle es an qualifizierten Bewerbern.

Die Wirtschaft steuere durchaus gegen den Fachkräftemangel an, konstatiert die Behörde. Ende 2021 seien im Städtedreieck über 12 000 Auszubildende gezählt worden, was gegenüber dem vorpandemischen Jahr 2019 eine leichte Steigerung bedeutete. Die Agentur für Arbeit: „Allerdings wird dieser Zuwachs nicht ausreichen, um den demografisch bedingten Aderlass der kommenden Jahre auszugleichen.“

Zuwachs bei
den Weiterbildungen

Einen Zuwachs verzeichnet die Behörde auch bei den geförderten Weiterbildungen von Beschäftigten. So hatte die Agentur für Arbeit im Jahr 2019 lediglich 70 Förderungen von Berufsabschlüssen zählen können, in 2022 waren es schon 167 Beschäftigte, die neben ihrer Tätigkeit einen Berufsabschluss erworben haben. Trotz der Steigerung bleibe hier viel Potenzial noch ungenutzt, zumal die Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten unverändert attraktiv seien.

Rein zahlenmäßig trage die Qualifizierung Arbeitsloser in deutlich stärkerem Maße zur Verringerung der Fachkräftelücke bei. Seit 2019 habe sie trotz Einschränkungen während der Pandemie über 1100 Arbeitslosen eine Maßnahme ermöglicht, die zu einem regulären Berufsabschluss geführt habe, rechnet die Agentur für Arbeit fürs Bergische Land vor. Dazu kämen noch über 3000 Fortbildungen in vielen verschiedenen Fachbereichen.

Der Arbeitsmarkt 2023 wird sich nach Einschätzung der Agentur für Arbeit nicht einheitlich entwickeln. Auch wenn die Zahl der Insolvenzen in den vergangenen Jahren gering geblieben sei, so würde die Insolvenz eines Automobilzulieferers in Solingen den Arbeitsmarkt im Städtedreieck belasten. „Es steht zu befürchten, dass der Strukturwandel insbesondere im Automotive-Bereich weitere Arbeitsplatzverluste mit sich bringt“, prognostiziert die Agentur. Auf der anderen Seite werde die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften nicht nur hoch bleiben, sie werde weiter zunehmen. „Dies wiederum wird die Unternehmen zunehmend fordern, mehr Kreativität und Initiative zu entwickeln. Rekrutierungsaktivitäten werden für sich genommen immer weniger ausreichen, den eigenen Fachkräftebedarf zu decken.“ Attraktive Ausbildungsbedingungen und Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten, maßgeschneiderte Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien Möglichkeiten der Gewinnung, aber auch des Festhaltens von Fachkräften. Die Pläne der Bundesregierung, die Regeln für die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland zu erleichtern, könnten einen weiteren Beitrag leisten.

Ein Blick noch auf die Arbeitslosenzahl für den Dezember: Aktuell sind in Wuppertal 16 925 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 121 Personen oder 0,7 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres sind dies 1133 Personen (7,2 Prozent) mehr. Die Arbeitslosenquote beträgt 9,1 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich noch auf 8,5 Prozent.

(Red)