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Wuppertaler Abiturienten stehen wegen Corona vor großer Ungewissheit

Virus : Abiturienten stehen vor großer Ungewissheit

Viele Wuppertaler Jugendliche fragen sich, wie es nach den Prüfungen weitergeht.

Monate-, ja sogar jahrelang fiebern Abiturienten dem einen Tag entgegen: dem letzten Schultag, der die Krönung der Mottowoche ist und für viele Schüler einen Schritt in Richtung Freiheit bedeutet. Nur noch die Abiturprüfungen überstehen und dann ist es geschafft. Doch was, wenn alle Pläne plötzlich über den Haufen geworfen werden und es an einem Freitag, den 13. heißt: Das war heute euer letzter Schultag?

„Am Anfang wirkte es sehr surreal. Einige Lehrer hatten schon vermutet, dass es der letzte Schultag sein könnte. Es war dennoch ziemlich schwer zu begreifen“, erzählt Paula Toto-Kiesa, Jahrgangsstufensprecherin des Gymnasiums Sedanstraße. Ihre Mitschülerin Laura Vierkant habe gerade im Sowi-Unterricht gesessen und mit dem Kurs gemeinsam die Liveübertragung der Landesregierung verfolgt, als die Entscheidung fiel. „Es war eher Trauer als Erleichterung, keine Schule mehr zu haben. Mehr Schrecken als Glücklichsein“, so Toto-Kiesa.

Viele Fragen sind jetzt noch offen. Werden die Abiturprüfungen stattfinden können? Wird die Mottowoche nachgeholt? Und wie sieht es mit dem Abiball aus? „Es ist beängstigend. Vorher hatte man eine klare Struktur, wie alles ablaufen wird mit dem Vorabi und der Mottowoche und plötzlich kommt dieser Umschwung. Da ändert sich jetzt alles“, sagt Anuja Sivasundar.

Für die drei Schülerinnen der Sedanstraße gibt es derzeit viele offene Fragen. Von ihren Lehrern haben sie Arbeitsblätter über den Stoff ihrer Abiturfächer per E-Mail bekommen, einige Kurse machen Skype-Konferenzen und die Lehrer haben angeboten, per E-Mail für Fragen zur Verfügung zu stehen. „Unsere Abiturzulassung sollen wir per E-Mail bekommen, unterschreiben und dann wieder eingescannt zurückmailen“, berichtet Vierkant. Auch die Rückgabe der Vorabiturklausuren stehe noch aus. Nach jetzigem Stand sollen die Abiturprüfungen stattfinden, wenn auch unter anderen Bedingungen, wie Vierkant erzählt.

Wie es nach dem Abitur weitergeht, ist ebenso ungewiss

„Wir haben uns gefragt, ob man sich in dieser Konstellation nochmal sehen wird“, sagt Toto-Kiesa. Die Schulleitung habe darauf hingewiesen, dass der Abschied vielleicht im Sommer nachgeholt werden könne. „Es ist nicht dasselbe Gefühl, das nachträglich zu machen“, so die Stufensprecherin.

Noch am Donnerstag, als die Schulschließung zwar noch nicht beschlossen, aber im Bereich des Möglichen lag, hatte sie ihre Stufe aufgefordert, am Freitag im Abi-Pullover zu erscheinen und Erinnerungsfotos zu machen. „Am Freitag haben wir noch gedacht, dass wir jetzt viel Zeit miteinander verbringen können, aber jetzt sollen soziale Kontakte gemieden werden“, erklärt Vierkant. Über Lerninhalte und ihre Situation tauschen sie sich per Whats App und Co. aus. Viele Mitschüler könnten dadurch in ihrer Lern- und Arbeitsweise eingeschränkt sein.

Ob der für Juni geplante Abiball stattfindet oder nachgeholt wird oder ob die Veranstaltungshalle auch ohne Abiball bezahlt werden muss, wissen die Schülerinnen auch noch nicht.

Aber nicht nur die nächsten Wochen sind unklar, auch, wie es danach weitergehen soll, ist ungewiss. Anuja Sivasundar hatte ursprünglich überlegt, ein Praktikum zu machen. Für sie sei es aber momentan schwierig, überhaupt etwas zu entscheiden. Vierkant und Toto-Kiesa sind beide am Medizinstudium interessiert. Die Überlegungen, bis zum Semesterbeginn zu reisen, sind auch erstmal auf Eis gelegt.

Etwas Positives können die drei der Situation aber dennoch abgewinnen. „Das Gemeinschaftsgefühl wurde dadurch nochmal richtig gestärkt“, berichtet Toto-Kiesa. Auch haben sie jetzt viel mehr Zeit zum Lernen als alle Abiturienten zuvor und könnten davon profitieren. Den Bücherberg auf dem Schreibtisch gebe es zwar schon, wirklich aufgeschlagen sei aber noch nichts. „Ich warte noch, um mich zu organisieren und versuche, mit einer Planung anzufangen. Richtig durchgestartet bin ich noch nicht, das wird aber im Laufe der Woche passieren“, so Toto-Kiesa. Sie habe das Gefühl, stets bereit sein zu müssen, da sich jederzeit die Situation ändern könne.

Nach Aussage des Schulministeriums sollen die Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen stattfinden, selbst wenn der reguläre Unterricht nach den Osterferien noch nicht weitergehen sollte.