Wuppertal: Wohnungen an der Kleinen Höhe?

Umwelt : Wohnungen an der Kleinen Höhe?

Für den Regionalplan sind 27 Hektar am Asbruch als Siedlungsfläche vorgeschlagen.

In die Diskussion um die Kleine Höhe kommt jetzt ein weiterer Aspekt, der für Debatten sorgen wird: Für eine Aktualisierung des Regionalplans hat die Stadt an der Grenze zu Velbert-Neviges 27 Hektar als Allgemeines Siedlungsgebiet vorgeschlagen. Das würde der bisherigen Aussage, unter anderem von Oberbürgermeister Andreas Mucke, widersprechen, dass außer einer Forensik in dem Gebiet nichts weiter gebaut wird.

Der aktuelle Regionalplan trat im April 2018 in Kraft. Doch die Bezirksregierung will diesen wegen steigender Bevölkerungszahlen weiter verändern und deshalb mehr „allgemeine Siedlungsgebiete“ ausweisen. Wuppertal ist wie andere Kommunen aufgefordert, dafür Flächen vorzuschlagen.

Nach Berechnungen der Bezirksregierung braucht Wuppertal bis 2040 mehr als 15 000 zusätzliche Wohneinheiten. Auf Reserveflächen und im Innenbereich könnten gut 10 300 Wohneinheiten entstehen. Für die darüber hinaus benötigten Wohneinheiten seien neue Flächen nötig – insgesamt etwa 125 Hektar.

Die Stadt hat unter Einbeziehung der Gutachter, die sie mit der Suche nach Wohnflächen beauftragt hat, nun 63 Flächen dafür ausgemacht, die sie aktuell den politischen Gremien vorstellt – insgesamt 150 Hektar, um flexibler auf Planungshindernisse reagieren zu können. Dazu gehört die Fläche mit der Bezeichnung „Asbruch“ an der Stadtgrenze zu Neviges. Sie umfasst das bisher nicht bebaute Areal auf Wuppertaler Gebiet gegenüber dem Stadtteils Neviges-Rosenhügel und direkt am zugehörigen S-Bahnhof.

Im „Steckbrief“ der Bezirksregierung heißt es, dass die Auswirkung auf die Umwelt als „erheblich“ eingeschätzt werden. Diese würden aber wegen des hohen Bedarfs an Wohnbauflächen im Wege der planerischen Abwägung in Kauf genommen.

Nicht nur die Bürgerinitiative Kleine Höhe (BI) wurde offensichtlich von den Planungen der Bezirksregierung überrascht. Auf der Internetseite der BI heißt es: „Wir müssen uns wehren, sonst ist die grüne Naherholungsfläche zwischen Neviges und Wuppertal bald weg! Das ist kein Klimaschutz, sondern das Gegenteil.“ BI-Sprecherin Gabriele Schnabel sagt: „Diese Pläne sollte man im gegenwärtigen Offenlegungsverfahren für die Forensik im Hinterkopf behalten.“

Bezirkspolitiker nehmen
den OB in die Pflicht

Völlig überrascht von den Planungen ist Hans-Joachim Lüppken (CDU), stellvertretender Bezirksbürgermeister und Vorsitzender des Bürgervereins Dönberg. „Das ist eine Katastrophe und genau das, was wir befürchtet haben: Fängt man einmal bei der Kleinen Höhe an, geht es weiter.“ Er sei jetzt gespannt, wie der OB reagiere. „Er hat ja versprochen, dass es bei der Forensik bleibt.“ Sollten sich die Planungen für das neue Wohngebiet konkretisieren, „protestieren wir vor dem Rathaus“.

Von einem „Ding der Unmöglichkeit“ spricht Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD). Die BV habe sich stets gegen jedwede Bebauung ausgesprochen, „aber erst soll eine Forensik gebaut werden und jetzt noch ein Wohngebiet“, sagt Ebert und nimmt den OB in die Pflicht: „Das geht gar nicht.“

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) widerspricht diesen Äußerungen und erklärt, das Gebiet gehöre nicht zur Kleinen Höhe, sondern zu „Asbruch“. Und er erläutert, dass es besonders gut dem Wunsch des Landes entspreche, Wohngebiete an Bahnhöfen auszuweisen, damit die Menschen per Bahn mobil sein können. Er sagt zudem, alle Flächen seien zunächst wertfrei vorgestellt, müssten nun in den politischen Gremien diskutiert werden.

Auch Klaus Jürgen Reese, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat, findet: „Das ist überhaupt nicht in der Nähe der Kleinen Höhe.“ Er weist darauf hin, dass eine Ausweisung als Allgemeine Siedlungsfläche im Regionalplan noch kein Baurecht schaffe. Dazu seien noch ein Flächennutzungsplan und ein Bebauungsplan nötig. Die jetzt vorgeschlagenen Flächen seien ein „Vorrat“ für den künftig erwarteten Bedarf. Es sei gar nicht sicher, ob die wirklich gebraucht würden.

Michael Müller, der Planungsfachmann der CDU-Fraktion, hat sich mit der Fläche noch nicht befasst. Was ihm aber wichtig ist: „Wir brauchen mehr Wohnbauflächen. Menschen müssen bezahlbaren Wohnraum haben.“ Auch Anja Liebert, Fraktionsvorsitzende der Grünen, weist darauf hin, dass im Regionalplan nur Möglichkeiten, so genannte Potenzialflächen, ausgewiesen werden. Vieles davon werde nicht umgesetzt. Die Grünen stünden aber weiterhin auf dem Standpunkt: „Wenn die Forensik auf der Kleinen Höhe gebaut wird, dann muss der Rest frei bleiben.“

Auch jenseits der Stadtgrenze führten die Pläne zu Diskussionen: Im Velberter Umwelt- und Planungsausschuss wurde daran unter anderem kritisiert, Velbert stelle die Infrastruktur, während Wuppertal von dem Wohngebiet profitiere. Planungsamtsleiterin Heike Möller betonte dazu allerdings, dass es ohne Einvernehmen zwischen Wuppertal und Velbert an dieser Stelle keine Bebauung geben werde.

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