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Wohnen in der Politik: Wuppertal wohnt ab sofort im ehemaligen Schauspielhaus

Wohnen in der Politik : Wuppertal wohnt ab sofort im ehemaligen Schauspielhaus

Die Bezirksbürgermeister eröffneten die dreiwöchige Veranstaltung. Lokale Politik soll stärker in den Vordergrund rücken.

Wohnen ist größer als das eigene Wohnzimmer und Politik ist näher als Berlin. Unter diesem Motto hat am Samstagabend ein Projekt im Schauspielhaus begonnen. Dozenten und Studierende der Bergischen Universität Wuppertal haben dort in Zusammenarbeit mit der Börse eine Wohngemeinschaft aufgebaut, in der es sich in den kommenden Wochen um Kommunalpolitik drehen soll. Die zehn Zimmer der Wohngemeinschaft stellen je einen der Wuppertaler Stadtbezirke dar. Zur Eröffnung waren deren Repräsentanten an die Kluse gekommen, um den symbolischen Auftakt zu begehen.

Zunächst bauten alle zehn Bezirksbürgermeister gemeinsam den großen „Küchentisch“ der fiktiven WG auf, ehe sie ihren Stadtteil vorstellten. Dabei fanden auch die Besonderheiten, die ihn ausmachen, Erwähnung; sei es der Gaskessel in Heckinghausen, das Briller Villenviertel in Elberfeld-West oder der Bandwirkerplatz in Ronsdorf. Bei dieser Einführung klang auch schon an, dass es in jedem Stadtgebiet Aufgaben und Herausforderungen gibt, an denen die Lokalpolitik aktiv arbeitet. Diese Aufgaben wurden sodann in den Mittelpunkt gestellt: Mit Neonschrift waren die Straßen und Plätze, Ortsteile und Gebäude, die aktuell das Geschehen in der Bezirkspolitik bestimmen, auf Bretter geschrieben worden. Die Probleme wurden in Form der Bretter auf den Tisch genagelt.

Darin, auf die Arbeit der ehrenamtlichen Politiker in Wuppertals Bezirken aufmerksam zu machen, liege der Kern der Veranstaltung, so Christoph Rodatz, der als Uni-Dozent einer der Ideengeber des Projektes ist: „Die Bushaltestelle und die eigene Straße vor der Haustür sind politisch“. In den Medien liege der Fokus zu sehr auf der Bundes- oder internationalen Politik, weshalb vielen Menschen gar nicht bewusst sei, was direkt vor Ort getan wird.

Dem schloss sich Heckinghausens Bezirksbürgermeister Christoph Brüssermann an: „Die Bezirksvertretungen sind zu unbekannt, dabei sind sie die Parlamente des Stadtteils“. Es müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Aufmerksamkeit auf lokale Debatten zu lenken, so Brüssermann.

In der Wohngemeinschaft im Schauspielhaus wird diese Devise nun umgesetzt. An den Wänden eines jeden Zimmers hängen Anträge, die die jeweilige Bezirksvertretung in der letzten Zeit gestellt hat. So manche Mauer kann mit der Arbeit der Ehrenamtler tapeziert werden.

Die Studierenden der Uni Wuppertal haben zudem in jedem Bezirk der Stadt Möbel eingekauft und dem betreffenden Zimmer auf diese Weise Leben eingehaucht. All jene, die ein Möbelstück verkauft und somit das WG-Zimmer ihres eigenen Stadtteils eingerichtet haben, hinterließen ein Statement dazu, wie sie in ihrem Heimatbezirk leben. Diese O-Töne sind ebenfalls auf den Wänden der Zimmer zu sehen und sorgen für einen Einblick in den Alltag eines jeden Stadtteils.

Dass die Beteiligung eben jener Menschen, deren Alltag sich in Wuppertal abspielt, eine entscheidende Rolle spielt, betonte Dagmar Beilmann von der Börse, die als Träger für die Durchführung des Projektes mitverantwortlich ist: „Alles, was man tut, hat politische Dimension“. So sei die Verbindung zwischen Wohnen und der Politik zustandegekommen, denn „alle wohnen in der Politik, weil sie alltäglich von ihr betroffen sind“, so Beilmann. Das Verhältnis zwischen Bevölkerung und lokaler Politik sorgt bei Heiner Fragemann, Bezirksbürgermeister Vohwinkels, für die Hoffnung auf „Einbindung der Zuschauer“ während des dreiwöchigen Projektes.

Darum bemühen sich die Veranstalter redlich; an fast jedem Abend bis zur „WG-Auflösung“ am 29. März steht eine neue Aktion auf dem Programm. Am morgigen Dienstag wird der Jugendrat im Schauspielhaus tagen und es wird unter anderem Tischgespräche zur Sicherheit auf öffentlichen Plätzen oder zur Stadtgestaltung geben. Die „Performance-Gruppe Zoo“ will mit kreativen Aktionen vor Ort auf die aktuellen Themen in den Bezirken aufmerksam machen.