Wuppertal wird Winzerstadt

Wuppertal wird Winzerstadt

Dönberg: Im Zeichen des Klimawandels reifen nach den ersten Weinlesen gerade auch im Wuppertaler Norden immer mehr Trauben. Erstmals ist sogar ein Weinfest möglich, in bergischer Bescheidenheit.

Wuppertal. Die Fliegenklatsche, die Gerhard Martin Meyer auf dem Tisch seiner Garten-Terrasse am Dönberg deponiert hat, ist im Grunde genommen ein Zeichen des Klimawandels. Gedacht ist das Utensil in Signalfarbe zur Abwehr allzu neugieriger Wespen, die es auf seine Weintrauben abgesehen haben. Und diese liegen nicht zum Verzehr bereit auf dem besagten Gartentisch, sondern hängen fast schon majestätisch hoch über ihm. In wenigen Wochen steht am Hohenholz die nächste Weinernte an - und setzt die Erfolgsgeschichte des "Dönberger Pfaffentropfens" in voraussichtlich mehr als 100 Flaschen fort.

Nachdem die WZ im vergangenen Jahr über den Weinanbau im Wuppertaler Norden berichtete, hat sich am Dönberg eine Menge getan: Die 26 Flaschen mit einem Mostgewicht von 80 Oechsle und einem Alkoholgehalt von zwölf Prozent sind inzwischen geleert, und jetzt setzt Gerhard Martin Meyer gemeinsam mit Gemeindepfarrer Eckehard Fröhmelt zum nächsten Coup an: "Wir haben von einem Moselwinzer erstmals speziellen Dünger erhalten, und die Trauben wachsen phantastisch", erklärt Meyer und weist eine herannahende Wespe, deren Stich die Trauben vor der Zeit faulen lassen könnte, mit einem gezielten Hieb in ihre Grenzen - ohne dass das Insekt Schaden nimmt.

Fünf Wuppertaler Wein-Enthusiasten sind mittlerweile in der Winzergemeinschaft vom Dönberg versammelt - und ihre Mission ist unmissverständlich formuliert: "Wir wollen den Beweis liefern, dass man in Wuppertal einen guten Wein herstellen kann", sagt Fröhmelt.

Im September 2007 sorgte der evangelische Gemeindepfarrer noch für kollektives Schmunzeln, als er fünf Liter Federweißer als Lohn seiner Winzer-Mühen der Öffentlichkeit präsentierte. Jetzt hält er gemeinsam mit seinen Mitstreitern sogar ein erstes kleines Weinfest auf dem Dönberg nicht mehr für ausgeschlossen. "Bei 100 bis 130 Flaschen in diesem Jahr wäre das durchaus machbar - auch wenn wir damit keinen kommerziellen Zweck verfolgen. Diese Menge wäre auf jeden Fall der Durchbruch."

Gerhard Martin Meyer jedenfalls hat mächtig aufgerüstet: Neben einer professionellen Filteranlage und einer 20-Kilo-Presse stehen zwei 50-Liter-Fässer bis zur letzten Traube bereit. "Der Juli war bombig", sagt der Dönberger mit Blick auf den extrem wichtigen Sonnenschein.

Sein Weinstock mit Phoenix-Trauben liegt absolut windgeschützt. Auch Hagelschlag und Vögel können ihm nichts anhaben. "Jetzt beginnt die eigentliche Reife", erklärt der Wuppertaler. "Man sagt: Jeder Sonnentag bringt ein Oechsle." Und natürlich verfolgen die Hobby-Winzer so manchen Wetterbericht jetzt viel aufmerksamer als ihre arglosen Zeitgenossen. "Unterstützer auch über den Dönberg hinaus sind uns jederzeit willkommen", betont Fröhmelt. "Unsere Erfahrungen teilen wir gerne." Aber wirklich auch nur sie: Ein weiteres Mal greift Meyer zur Fliegenklatsche und zieht wachsam eine Augenbraue hoch. Als habe die Wespe die Worte des Pfarrers gehört und verstanden, dreht sie gerade noch rechtzeitig ab. Wein gehabt.

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