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Wuppertal will Zwischenlösung für das Jim und setzt Streetworker ein

Jugendarbeit : Jim: Stadt sucht mobile Zwischenlösung

Ein Nachfolgestandort für das Jugendcafé ist noch nicht gefunden. Die Jugendlichen sollen trotzdem Angebote erhalten.

Wuppertal setzt im Bereich Barmen-Mitte einen Streetworker als Ansprechpartner für Jugendliche ein. Zudem sucht die Stadt weiter einen neuen Standort für das im Herbst 2017 geschlossene Jugendcafé Jim an der Schuchardstraße 30. Zumindest eine Zwischenlösung will man noch für diesen Sommer präsentieren, sagt die Leiterin des Jugendamtes, Christine Roddewig-Oudnia. Die Zeit dränge. Denn nur, weil das Jim geschlossen ist, seien die Jugendlichen ja nicht verschwunden. Aus Geschäftskreisen ist zu hören, dass es zwar etwas ruhiger geworden sei, die Situation sich aber nicht wirklich entspannt habe.

Gut zwei Wochen ist es her, da hatte die Stadt in der Schuchardstraße ihr Kultur-Kinder-Cafe eröffnet. Das Ku-Ki-Café tritt die Nachfolge des Jim an – aber nur räumlich. Denn Zielgruppe sind Kinder von sechs bis zwölf Jahren. „Und darauf werden wir auch achten“, sagt Roddewig-Oudnia. Es werde kontrolliert. Doch auch für ältere Jugendliche müsse man etwas bieten. Der Geschäftsbereich der Innenstadt stehe dabei aber nach den Erfahrungen vor zwei Jahren nicht mehr zur Diskussion.

Das „Jim“ hat
verbrannte Erde hinterlassen

Rückblick: Nach der Eröffnung des Jim hatte es über Monate hinweg große Probleme gegeben. Das Jugendcafé war zum inoffiziellen Treffpunkt von Jugendlichen geworden, die die Einrichtung gar nicht wirklich nutzten, sondern sich davor und in den Seitenstraßen drum herum trafen, dabei rauchten, tranken und mit „Schaukämpfen“ Anwohner und Kundschaft verängstigten, klagten Geschäftsleute. Immer wieder gab es Konflikte, vor allem mit jungen Männern, oft mit Migrationshintergrund. Nachdem die Situation eskalierte, ein Anwohner tätlich angegangen und verletzt wurde, zog Roddewig-Oudnia, damals erst ganz frisch im Amt, in den Herbstferien 2017 die Reißleine: Das Jim wurde geschlossen.

Seitdem läuft die schwierige Suche nach einem Nachfolgestandort. Dass für die Jugendlichen ein Anlaufpunkt geschaffen werden muss, darüber sind sich eigentlich alle Beteiligten einig, und auch, dass dieser zwar recht zentral, aber außerhalb der Ladenzone liegen müsse. Doch wo? Städtische Räume, die passten, gebe es nicht. Und viele private Eigentümer hätten abgewunken, so Roddewig-Oudnia, wenn sie gehört hätten, dass es um das Jim gehe. Der Name habe schon „verbrannte Erde“ hinterlassen.

Einen Favoriten als Standort gebe es aber. Citynah, aber nicht mit Geschäften in der Nachbarschaft. Der Vermieter habe großes Interesse und befinde sich in Abstimmung mit der Verwaltung. Doch seien noch baurechtliche Fragen zu klären. Und das dauert – Stichwort „Neue Bauordnung“ – noch. Auch wenn es sich letztendlich um ein städtisches Projekt handele, „genießen wir bei der Behandlung keinen Bonus“, macht die Jugendamtsleiterin deutlich. „Ich bedauere natürlich, dass wir noch nicht eröffnen konnten.“ Den Kollegen des Ressorts Bauen mache sie jedoch keinen Vorwurf.

Parallel habe man sich aber bemüht, an die Jugendlichen heranzukommen. „Die sind ja nicht weg.“ Das bestätigt ein Sprecher der Polizei. Regelmäßig würden die Kollegen dort Streife laufen, kontrollieren und mit den Jugendlichen das Gespräch suchen. „Wir haben das fest im Blick.“ Gerüchte, wonach auch Mitglieder der selbsternannten „Gucci-Gang“ dort unterwegs seien, weist er aber zurück.

Doch für die Jugendlichen, die da sind, wolle man einen Anlaufpunkt schaffen, erklärt Ulrich Fischer, Projektstelle und Jugendhilfedienste bei der Stadt. Er ist zuständig für das Projekt „Quartiere im Quadrat“: Über Landes- und EU-Mittel werden zunächst bis Ende 2020 drei Vollzeitstellen gefördert, unter anderem in Barmen-Mitte. Seit April ist dort ein Sozialarbeiter im Einsatz. „Er hat bereits zu den Jugendlichen Kontakt.“ Ziel sei es, diese aus der Fußgängerzone rauszubringen. „Ich kann die Geschäftsleute verstehen“, sagt Fischer. Das Bild der Jugendlichen in der Öffentlichkeit „soll ein anderes werden“, erklärte er sein Ziel. Man wolle sie über Teilhabe erreichen. So sollen sie auch bei der Gestaltung des neuen Treffpunkts mitreden. Der Sozialarbeiter, so ist geplant, wird dort an festen Zeiten zu erreichen sein. Der Haken: Noch gibt es den Standort ja nicht. „Deswegen brauchen wir eine schnelle mobile Lösung.“ Mehrere Ideen sollen in Kürze besprochen werden. Die Arbeit mit den Jugendlichen sei auch Thema beim seit einigen Monaten regelmäßig einberufenen runden Tisch in Barmen, wie Fischer erläutert.

Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke (CDU) hat die Situation rund um die Schuchardstraße im Blick. Hin und wieder gebe es noch Beschwerden über die Jugendlichen, aber auch er bestätigt, dass es ruhiger geworden sei. Die Arbeit eines Streetworkers „ist sehr begrüßenswert. Ich kann ihm nur viel Erfolg wünschen.“ Für das Jim, wie immer es dann heißen werde, müsse es jedoch eine Lösung geben.