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Wuppertal will Fahrradstadt sein - ist es aber nicht, findet ein Wuppertaler

Probleme beim Radverkehr : Wuppertal will Fahrradstadt sein - ist es aber nicht, findet ein echter Wuppertaler

Peter Kehrenberg hält Wuppertal nicht für eine Fahrradstadt – und macht dies an einem Beispiel fest.

Fahrräder: null. Kraftfahrzeuge: 160. Motorräder: zwei. Busse: zwei. An einem Wochentag, an dem sich Peter Kehrenberg mit der WZ trifft, hat er eine knappe halbe Stunde lang im Morgenverkehr die Verkehrsteilnehmer, die die Bachstraße in südlicher Richtung (Höhne) nutzen, gezählt.  Die neu errichtete Radspur an der Stelle - zwischen Mühlenweg und Kleiner Werth - so seine Erfahrung, werde nur sehr selten von Radfahrern genutzt. Diese Planungsmaßnahme der Stadt stößt bei ihm auf Unverständnis. Eine ganze Autospur dem Radverkehr umzuwidmen, empfindet er als zu viel. Überdies versteht er nicht, wieso der Bürgersteig breiter gemacht worden ist, man hätte auch auf diesem eine separate Radspur anlegen können. Ebenso sei Parkfläche weggefallen.

Peter Kehrenberg ist waschechter Wuppertaler. Er erinnert sich noch sehr gut daran, wie Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gut erhaltene Wohnhäuser - darunter Fachwerk- und Schieferhäuser - gegenüber dem Klimmweg und vor dem Viadukt - entlang der Westkotter Straße wegen einer Straßenverbreiterung weichen mussten. Die Begründung sei damals gewesen, dass eine Straße als Autobahnzubringer vierspurig sein muss. „Anwohner wurden gezwungen, sich an den Kosten zu beteiligen“, erklärt er. Vor einigen Jahren dann wurde die Straße aufgrund der Radwege auf eine zweispurige zurückgeführt. Und die Umwidmung von Straßenraum schreite weiter voran. Der Idee, Wuppertal zu einer Fahrradstadt zu machen, steht Kehrenberg skeptisch gegenüber. Das sei schon alleine aufgrund der Topographie der Bergischen Metropole sehr schwierig.

Eine weitere Beobachtung, die er ferner gemacht hat, und die die WZ vor Ort auch bestätigen konnte, war, dass innerhalb der halben Stunde zwei Busse die Fahrradspur bis zur Ampelanlage Bachstraße/ Kleiner Werth benutzten, um dann, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten, geradeaus Richtung Werther Brücke weiterfuhren: ein Vorrecht, das sie nicht besitzen; die Situation werde durch Rückstau dann auch gefährlich. „Die verbliebene Geradeausspur verschwenkt nach der Ampelanlage in die dann rechte Spur. Der Bus fährt aus der Fahrradspur geradeaus weiter und behindert dadurch den fließenden Verkehr“, schildert Kehrenberg. „Das finde ich nicht in Ordnung. Die Straßenverkehrsordnung ist doch wohl für alle da.“ Im Berufsverkehr meide er die Stelle grundsätzlich. Nachgefragt bei den WSW mobil bestätigte Pressesprecher Holger Stephan, dass der Bus auf diesem Teilstück nicht fahren dürfe. Jedoch seien Beschwerden im Hinblick auf Fehlverhalten von Busfahrern sehr selten. Auch in der regelmäßigen Fahrerüberwachung sei dieser Punkt noch nicht aufgetaucht. „Im Rahmen von Fortbildungen werden regelmäßige Auffrischungen vorgenommen, bei denen auch Neuerungen bekannt gemacht werden. Bei gravierenden Änderungen der Straßenverkehrsordnung oder irgendwelchen Auffälligkeiten erfolgen die Informationen über betriebliche Anweisungen“, erklärt Stephan.