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Wuppertal will barrierefreie Schlafstelle für Obdachlose

Inklusion : Stadt will barrierefreie Schlafstelle für Obdachlose

Unter den Menschen auf der Straße gibt es Behinderte und Pflegebedürftige.

Die Stadtverwaltung will mehr Möglichkeiten für obdachlose Menschen schaffen, die eine Behinderung haben oder sogar pflegebedürftig sind. Vor allem für obdachlose Männer fehlt eine barrierefreie Notschlafstelle und eine barrierefreie Möglichkeit für den Aufenthalt tagsüber. Daher muss voraussichtlich ein Ersatz für die bisherige Notschlafstelle an der Friedrich-Ebert-Straße gefunden werden.

Einen entsprechenden Antrag hatte schon der Beirat der Menschen mit Behinderungen im Februar beschlossen. Darin wird darauf verwiesen, dass auch in Wuppertal obdachlose Menschen im Rollstuhl zu sehen sind. Der Antrag im Behindertenbeirat weist auf die Pflicht der Stadt hin, Obdachlose menschenwürdig zu versorgen. Ebenso gelte die Behindertenrechtskonvention auch für Obdachlose.

Verwaltung bat um
einen Auftrag aus der Politik

Im Online-Austausch des Sozialausschusses am Dienstag erklärte Sozialamtsleiter Michael Lehnen, die Stadt habe tatsächlich kaum Möglichkeiten, vor allem körperbehinderte Männer in den Obdachlosenunterkünften aufzunehmen. „In der Schlafstelle an der Friedrich-Ebert-Straße geht es gar nicht und an der Hermannstraße ist es schwierig“, erläuterte er. Die Möglichkeiten, sich tagsüber aufzuhalten, seien zweieinhalb Kilometer weit von der Schlafstelle entfernt und ebenfalls nicht barrierefrei. Die Stadt sei aber interessiert daran, an diesem Zustand etwas zu ändern. „Dafür brauchen wir den Auftrag der Politik“, forderte er die Ausschussmitglieder auf.

Petra Bömkes, Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung und sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss, sprach auch die Problematik von pflegebedürftigen Obdachlosen an. Eine Unterbringung in stationären Einrichtungen sei nicht leicht.

In der Verwaltungsvorlage zum Thema wird von der „Task-Force“ des Sozialamts berichtet, die sich um Obdachlose Menschen kümmert, die aus dem Krankenhaus entlassen werden oder aus anderem Grund pflegebedürftig sind. Der Tast-Force falle auf, dass geeignete Unterbringungen für diese Zielgruppe fehlen. Diese Task-Force war nur vorübergehend geplant, wird aber dauerhaft gebraucht: 2018 kümmerte sie sich laut Verwaltungsvorlage um 13 pflegebedürftige Obdachlose, 2019 um 17.

Petra Bömkes forderte die Verwaltung zum Handeln auf: „Wir wünschen uns, dass sich etwas tut – möglichst vor dem nächsten Winter.“ Diakoniedirektor Martin Hamburger unterstrich die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der Obdachlosenarbeit. „Das Klientel hat sich verändert.“

Es gab einhellige Unterstützung für den Antrag zur Weiter-
entwicklung der Obdachlosenunterbringung von den Sozialausschuss-Mitgliedern. Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) erklärte: „Ich nehme das Votum mit.“ In der nächsten Präsenz-Sitzung könne der Ausschuss dann einen formalen Beschluss fassen.

Kühn bestätigte auf WZ-Nachfrage, dass voraussichtlich ein neues Gebäude als Obdachlosenunterkunft gesucht werden muss. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße könne nicht barrierefrei umgebaut werden. Bei der Unterkunft an der Hermannstraße seien zumindest Verbesserungen möglich.

Eine passende Immobilie zu finden, werde nicht leicht sein, sie müsse möglichst zentral und verkehrsgünstig liegen, vom Zuschnitt her passen und es müsse ein Vermieter bereit sein, sie zu diesem Zweck zu vermieten. „Wir werden wohl einen längeren Atem brauchen.“