Wuppertal: Wie Klimaschutz im Kleinen funktioniert

Umwelt : Wie Klimaschutz im Kleinen funktioniert

Beim Climathon im Freiraum der Uni werden Konzepte und Analysen vorgestellt.

Die Zukunft ist voller Herausforderungen. Und die werden im „Freiraum“ sehr konkret angegangen – beim Climathon. Der „Freiraum“ an der Arrenberger Bärenstraße ist das Innovationslabor der Bergischen Universität. Und die ist nicht nur Gastgeber, sondern auch „Challenge-Geber“. Das klingt nach Sprachpanschen, ist aber so konkret wie entspannt – was der Stimmung im Raum ganz generell entspricht. Zu Beginn jedenfalls: Arbeiten will man daran einen ganzen Tag lang – ein Teil bleibt über Nacht.

So routiniert das Vokabular, so klar strukturiert der Aufbau. Das gilt zum Einen für die Zuordnung: Die Uni stellt als Challenge-Geber die Aufgabe: „Wie können Unternehmen den Transport von Gütern und Personen klimaneutral, kostengünstig und sozial gestalten?“ Die Organisation „Neue Effizienz“ interessiert sich dafür: „Wie kann man bei Konzerten die klimafreundliche An- und Abreise des Publikums organisieren?“ Dritter Anreger ist das Wuppertal Institut mit der Aufgabe: „Wie kann man die Wuppertaler motivieren, Abfall zu vermeiden?“

Das Schlüsselwort beim Aufbau ist ansonsten „Design Thinking“. Gemeint ist damit ein gegliedertes Vorgehen in sechs Stufen: Verstehen, Beobachten, Synthese, Ideen, Prototypen, Testen. Auch wenn das etwas erschlagend wirken könnte, erlaubt es doch Orientierung. Nicht zuletzt vermittelt dieses Modell, dass am Ende Prototypen stehen und damit durchaus greifbar etwas entwickelt sein soll.

Dafür ist es nötig, das Problem zu verstehen. Das nimmt in allen Arbeitsgruppen einen Großteil, nämlich die Hälfte der Gesamtzeit, ein. Die Arbeitsgruppe Abfallvermeidung versucht etwa auszuloten, was die Aspekte des Müllproblems sind, eine Teilnehmerin entscheidet sich für den „klimatischen Einfluss des Wegwerfens von Lebensmitteln.“ Andere erzählten von ihren Beobachtungen: Regelmäßig würden Lkw-Fahrer bei der Warenanlieferung an derselben Stelle ihre Zigarette wegwerfen. Als Experte ist hier Simon Grabowski dabei, Leiter der AWG, der der Bestandsaufnahme zustimmt, aber auch fordert: „Es geht nicht nur ums Reden, sondern darum, einfach wirklich was zu machen.“ Er erzählt von einer Bürgerin, die täglich in ihrer Nachbarschaft vorbildlich nach Müll die Augen offen halte und ihn wegräume.

Zwischendurch geht es für die Teilnehmer raus zur Befragung

Die Teilnehmer des Climathon wollen noch mehr Leute für dieses Thema sensibilisieren, gehen dazu `raus. Sie wollen das Problem mit Gesprächen erfassen. Noch am Mittag gehen sie zur Stadthalle, wo bereits drei Konzertabonnenten eingeladen sind. Wie sind sie angereist, wird man sie fragen können, warum so und nicht anders? Erkenntnisse von dort sollen dann in den weiteren Verlauf einfließen, wenn man wieder zum „Freiraum“ zurückkehrt. Womöglich mit Einsichten anderer Art, als erwartbar zu hören, ob Besucher gern andere Bus-Linienwege oder dichtere Taktung hätten. Zu den Grundannahmen des „Climathon“ gehört nämlich, dass es oft soziale Faktoren sind, die über ökologisches Verhalten entscheiden. Konzertbesucher, heißt es schon vorab, klagen manchmal, an der Busstation zu stehen, passe nicht zur erhabenen Stimmung nach dem Musikerlebnis. Konkrete Aussagen, die die Aktiven aufgreifen werden – vielleicht mit einem als Butler gekleideten Begleiter zum Bushalt. Und im Fall der eifrigen Müllsammlerin hatte man an den Vorbehalten ihrer Nachbarn ja gesehen: Oft spielt Zwischenmenschliches eine Rolle. Was auch immer Ergebnis der Mini-Feldforschungen sein wird: Die Teilnehmer werden es zur Umsetzung angehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung