Gesellschaft Wuppertal: Wie Arbeit als Baustein der Integration wirken kann

Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, erklärt, wie wichtig Migration für die Berufswelt ist.

Martin Klebe leitet die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal.

Martin Klebe leitet die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal.

Foto: Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal

Wuppertal ist eine Einwanderungsstadt. Etwa jeder fünfte Wuppertaler besitzt einen ausländischen Pass, 40 Prozent der Einwohner kommen aus Familien mit einer Migrationsgeschichte. Der Anteil der Menschen mit nicht-deutscher Nationalität ist in den vergangenen Jahren gewachsen – auch durch die Aufnahme von Flüchtlingen. Berufstätigkeit ist ein zentraler Baustein für Integration, gerade in Wuppertal – einer Stadt, die eine „besondere Willkommenskultur“ besitze, sagt Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Im Vorfeld der Job-Initiative, die am 26. April in der Alten Glaserei stattfindet, erklärt er, wie wichtig Migration für den Arbeitsmarkt ist.

Herr Klebe, warum haben ausländische Beschäftigte eine immer stärkere Relevanz?

Martin Klebe: Ein Grund ist die demografische Entwicklung: In den nächsten Jahren gehen deutlich mehr Beschäftigte aus Deutschland in den Ruhestand als junge Generationen nachkommen. Auch deshalb sind ausländische Beschäftigte für den Arbeitsmarkt in Wuppertal wichtig, weil sie den Personalmangel auffangen. Ohne die ausländischen Beschäftigten würde der Arbeitsmarkt in Wuppertal nicht mehr funktionieren.

Wie zeigt sich diese Entwicklung konkret?

Klebe: Im Jahr 2015 gab es 117 000 Beschäftigte in Wuppertal, davon waren 14 000 Ausländer. Jetzt haben wir 134 000 Beschäftigte und die Zahl der ausländischen Beschäftigten hat sich auf 28 000 verdoppelt.

In welchen Branchen sind ausländische Beschäftigte in Wuppertal stark vertreten?

Klebe: Die Schwerpunkte liegen bei den Gesundheitsberufen, in Verkehr und Logistik, also etwa bei Berufskraftfahrern, in der Industrie wie der Metallverarbeitung, aber auch in der Baubranche.

Welche Hürden müssen diese Menschen meistern, um sich auf dem Arbeitsmarkt integrieren zu können?

Klebe: Die größte Hürde ist sicher die deutsche Sprache. Es ist aber auch schwierig, sich in der komplexen Berufswelt zurechtzufinden. Es gibt in Deutschland 350 geregelte Ausbildungsberufe, von denen im Bergischen Städtedreieck etwa 180 verfügbar sind. Außerdem gibt es Länder, in denen Ausbildung etwas sehr Niedrigschwelliges hat. Hier in Deutschland sind qualifizierte Berufe, etwa auf dem Gesundheitssektor, mit zertifizierten Anerkennungen verbunden, was in solchen Berufen oft Nachschulungen und Vergleichbarkeitsprüfungen erfordert.

Integration ist ein Auftrag für beide Seiten. Wie bereichern die Menschen aus anderen Ländern den Arbeitsmarkt?

Klebe: Wir haben hier im Haus zwölf verschiedene Nationalitäten. Sie bringen Weltläufigkeit, andere kulturelle Hintergründe und andere Ideen mit, zum Beispiel, wie man Produkte und Dienstleistungen anders gestalten kann. Oft sind sie auch gelassener und pragmatischer, was sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt.

Gibt es denn Unterschiede zwischen denjenigen, die als Geflüchtete herkommen, weil sie sich in ihrem Heimatland nicht mehr wohlfühlen können, und denjenigen, die als Fachkräfte angeworben werden?

Klebe: Diejenigen, die vorübergehend bleiben wollen, sollten die Chance nutzen, in ihrem Beruf oder in dem, was sie beruflich interessiert, Erfahrungen zu sammeln, bevor sie ins Heimatland zurückkehren. Ob diese Rückkehr gewünscht ist, müssen sie am Ende selbst entscheiden. Es kommt ja auch darauf an, wie sie verwurzelt sind – wenn die Kinder seit zwei, drei Jahren zur Schule gehen, sie einen guten Job, eine Wohnung und die Sprache gelernt haben und welche Bindung sie noch in die Heimat besitzen.