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Wuppertal weitet Suche nach Bauland aus: Kleingärten sind eine Option

Stadtentwicklung : Suche nach Bauland: Müssen jetzt Kleingärten weichen?

110 Hektar sollen ausgewiesen werden. Zwei Gutachterbüros suchen nach geeigneten Flächen.

Im Dezember vergangenen Jahres hat die Große Kooperation aus SPD und CDU die Verwaltung beauftragt, kurzfristig 110 Hektar Land für Wohnbebauung Form zu identifizieren und auszuweisen. Bisher liegt noch kein Ergebnis vor, denn es ist schwierig, in einem dicht besiedelten Gebiet Flächen mit einer Gesamtgröße von etwa 220 Fußballfeldern zu finden. Nach Informationen der WZ haben die von der Stadt beauftragten Büros ein Auge auch auf Kleingartenanlagen geworfen.

Die Stadt will Bauland schaffen, um kaufkräftige und wirtschaftlich gut aufgestellte Familien in der Stadt zu halten beziehungsweise ihnen den Zuzug nach Wuppertal schmackhaft zu machen. Wuppertal ist eine wachsende Stadt. Die Prognosen gehen bis 2025 von einer Steigerung von zurzeit rund 361 000 auf 366000 Bewohner aus.

Allerdings steht in den vergangenen Jahren dem Zuzug in die Stadt vor allem aus dem europäischen Ausland ein Wegzug von Wuppertalern entgegen, die im Stadtgebiet nicht die geeigneten Immobilien oder die ihnen entsprechenden Bauflächen vorfinden. Diesem Trend will die Stadt mit der Ausweisung von Bauland entgegenwirken.

Zwei Gutachterbüros wurden beauftragt

„Bei der Suche darf es keine Tabuzonen geben, wenn wir schon vorher eine Ausschlussliste aufstellen, werden wir nicht zu dem gewünschten Ergebnis kommen“, sagt Bau- und Planungsdezernent Frank Meyer. Zwei unabhängige Gutachterbüros seien beauftragt worden, Fläche zu identifizieren. „Das eine Büro prüft kleinteilig, das andere soll große zusammenhängende Flächen auf ihre Eignung untersuchen“, so Meyer.

Zu den großen Grünflächen in der Stadt zählen die Kleingärten, die im Tal der Wupper eine große Geschichte haben. In Elberfeld und Barmen gründeten sich nach dem ersten Weltkrieg 1917 die ersten Stadtverbände der Kleingärtner. Der überwiegende Teil der Kleingärten, so der Historiker Reiner Rhefus in dem Buch „Empor aus Nacht zum Licht - Die Revolution 1918/1919 im Wuppertal“, entstand in den letzten Kriegs- und Nachkriegsjahren und diente in Zeiten der Not (Steckrübenwinter 1919/1920) der Versorgung der Menschen. Bis heute gibt es in kaum einer anderen Großstadt so viele Kleingartenanlagen wie in Wuppertal.

Fritz Ortmeier, Vorsitzender des Stadtverbandes Wuppertal der Gartenfreunde, erteilt dem Ansinnen, die Parzellen der Kleingärtner in die Flächen-Diskussion einzubeziehen, eine klare Absage. „Über den Flurfunk sind bei uns entsprechende Gerüchte angekommen. Wir sind wachsam. Die Kleingartenanlagen sind alle gesetzlich über Bebauungspläne und das Bundeskleingartengesetz geschützt“, sagt Ortmeier. Bis auf eine Anlage an der Böhle mit sieben Gärten sehe er keine, die aufgegeben werden könnte. „Und selbst bei der Anlage in der Böhle gibt es sehr lange Fristen, die eingehalten werden müssen. Die Bewirtschaftung dort wird noch viele Jahre dauern“, so Fritz Ortmeier.

7000 Kleingärtner - eine recht konstante Zahl

7000 organisierte Kleingärtner gibt es in Wuppertal, die Zahlen sind seit Jahren relativ konstant. Die beiden von der Stadt beauftragten Büros seien lediglich mit einem Prüfauftrag ausgestattet, erklärt Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Das Interesse der Stadt an Bauland ist groß, weil wir Menschen aus dem Umland und aus den Boomstädten Köln und Düsseldorf nach Wuppertal holen wollen. Doch wir wollen nicht unseren Ruf als grünste Großstadt verlieren“, sagt Andreas Mucke.

Marc Schulz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, empfiehlt der Verwaltung, den Blick der Stadt vielmehr auf große Flächen im Stadtzentrum zu richten, die nach seiner Meinung nicht optimal genutzt werden.

„Ich denke zum Beispiel an große Parkflächen an der Aue und einige Schotterparkplätze. Dass Discounter bisher fast ausschließlich einstöckig bauen, könnte zudem anders geregelt werden“, sagt Marc Schulz.

Bei der Suche nach Gewerbeflächen war die Stadt zuletzt in Nächstebreck fündig geworden. Dort hatte die Stadt in den 1970er Jahren eine Fläche für einen großen Friedhof zurückgehalten, der aber nie gebaut wurde. Damals zählte Wuppertal in der Spitze 420 000 Einwohner.

 Da zudem die Zahl der Erdbestattungen seit Jahren stark rückläufig ist, werden die vorhandenen Reserveflächen vermutlich auch auf Dauer ungenutzt bleiben. Laut Dezernent Frank Meyer gab es die letzten Gespräche zwischen Stadt und evangelischer und katholischer Kirche vor zwei Jahren. Das Thema erfordert aber offenbar einen langen Atem.

„Friedhofsflächen können nach ihrer Schließung und Entwidmung als Bauland genutzt werden, wenn die baurechtlichen Voraussetzungen dazu vorliegen. Der Prozess der Schließung und Entwidmung findet in der Regel in einem Zeitraum von 25 bis 40 Jahren statt“, sagt dazu Ingo Schellenberg, Verwaltungsleiter des evangelischen Friedhofsverbandes Wuppertal auf Anfrage der WZ.

Pastoralreferent Werner Kleine von der katholischen Kirche hat ebenfalls keine grundsätzlichen Einwände: „Der christliche Glaube besagt, dass von einem Menschen auf der Erde nur die sterbliche Hülle bleibt. In Wuppertal wäre es nicht neu, einen Friedhof ganz anders zu nutzen, denn der Neumarkt, wo jetzt die Marktstände sind, war einst ein katholischer Friedhof.“