Wuppertal: Warum das Baden in der Wupper problematisch ist

Freizeit : „Die Wupper ist kein Badegewässer“

Der Wupperverband weist daraufhin, dass elf Kläranlagen ihr Wasser in den Stadtfluss leiten.

Die Liegewiesen an der Wupper sind gut genutzt. Sobald die Temperaturen steigen, packen die Wuppertaler Strandtücher und Liegematten ein und machen es sich an der Rosenau oder am St. Etienne-Ufer bequem. Wenn dazu die Sonne vom Himmel brennt, locken die Fluten der Wupper zur Abkühlung. Die einen lassen einfach die Füße ins Wasser baumeln, andere wagen sich etwas weiter hinein.

Doch der Wupperverband stellt klar: „Die Wupper ist kein Badegewässer.“ Das bedeutet, dass die Wasserqualität nicht überwacht wird. Zwar hat diese sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich deutlich verbessert und heute schwimmen wieder Lachse und Forellen in der Wupper; doch gleichzeitig fließt auch das Wasser aus elf Kläranlagen in die Wupper. „Das Wasser, das am Ende der Kläranlagen eingeleitet wird, kann noch Keime enthalten – je nach Wetter und Wasserstand“, warnt Susanne Fischer, Pressesprecherin des Wupperverbands.

Bei niedrigem Wasserstand kann das Wupperwasser zum großen Teil aus Klärabwasser bestehen. Und in den Kläranlagen werden nur rund 90 Prozent der Viren und Bakterien entfernt. Im Wasser tummeln sich also beispielsweise Coli-Bakterien, die bei empfindlichen Menschen Magen-Darm-Infekte hervorrufen können, wenn sie das Wasser schlucken. Besonders hoch ist die Belastung natürlich direkt an den Kläranlagen. Diese befinden sich nicht nur in Buchenhofen und an der Kohlfurt, sondern auch oberhalb Wuppertals in Radevormwald, Marienheide und Hückeswagen.

Eine zweite Gefahr stellt die Wassermenge dar: Gibt es – vielleicht unbemerkt einige Kilometer weiter flussaufwärts – ein heftiges Gewitter, kann sich die Wupper sehr plötzlich stark verändern. Wer dann gerade durch die Wupper watet, wird im Zweifelsfall abgetrieben. „Bei dem Starkregen am 29. Mai stieg an der Kluse der Wasserpegel schlagartig innerhalb von einer halben Stunde von vier auf 193 Kubikmeter pro Sekunde“, erzählt Susanne Fischer. „Das war der höchste gemessene Abfluss in der Wupper seit vielen Jahrzehnten. Dies war sicherlich ein Extremereignis, aber generell kann der Wupperpegel bei Gewitter und Starkregen schnell ansteigen.“ Grundsätzlich sei das Baden in der Wupper jedoch nicht verboten. Nur zwischen Solingen und Leichlingen im Flora Fauna Habitat müssen sich die Menschen aus Naturschutzgründen fernhalten.

An der Wuppertalsperre wird
die Qualität monatlich geprüft

Eine offizielle Badestelle gibt es an der Wuppertalsperre hinter Remscheid-Lennep. Dort wird die Wasserqualität monatlich geprüft. Brauchwassertalsperren hingegen sind grundsätzlich keine Badegewässer.

Kanusportler dürfen in unmotorisierten Booten mit bis zu vier Personen auf der Wupper fahren, wenn sie genügend Wasser führt. Ob das der Fall ist, zeigt der Wupperverband tagesaktuell jeweils 24 Stunden im Voraus an. Derzeit ist die Untere Wupper jedoch wegen Niedrigwasser nicht befahrbar. Der Ein- und Ausstieg ist nur in den gekennzeichneten Stellen erlaubt. Ungeübten Kanu-Sportlern empfiehlt der Wupperverband eine geführte Tour mit einem erfahrenen Tourleiter.

Kritisch sieht Helmut Wuttke, 2. Vorsitzender des Bergischen Fischereivereins, die Nutzung der Wupper zur Abkühlung. „Laut Fischereigesetz steht das Uferbetretungsrecht nur Fischereiberechtigten zu“, sagt er. Denn einerseits zertreten Laien schnell den Laich der Fische, andererseits stören sie insbesondere im Frühjahr und Frühsommer Vögel bei der Brut. „Es gibt sehr sensible Arten – beim Eisvogel oder der Wasseramsel verhungert die Brut, wenn sich Menschen in der Nähe aufhalten“, erklärt Wuttke. Außerdem seien viele Bereiche der Wupper in Privatbesitz. „Wer haftet denn dann, wenn irgendjemandem etwas passiert oder es Schäden gibt?“, fragt Wuttke. Auch die intensive Nutzung der Wupper durch gewerbliche Kanu-Touren überfordert seiner Meinung nach die Natur – und die Angler, die einzelne Abschnitte der Wupper gepachtet haben. „Die werden manchmal von ungeübten Kanuten einfach umgefahren.“

Einig sind sich Wuttke und Wupperverband in einer Sache: Die Nutzung des Stadtflusses erfordert Sensibilität. Wer sich im Stadtgebiet vorsichtig an der Wupper bewegt und keinen Müll hinterlässt, ist willkommen. Ärgerlich sind jedoch Menschen, die sich lärmend und ohne Rücksicht ausbreiten und Glasscherben sowie Zigarettenkippen zurücklassen.

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