Wuppertal: Ulrike Schrader stellt Buch vor

Begegnungsstätte Alte Synagoge : Der Novemberpogrom in Wuppertal

Ulrike Schrader hat ihr Buch „Zerbrochene Zukunft“ in der Alten Synagoge vorgestellt - der Auftakt einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 80. Jahrestags des Pogroms gegen die Juden 1938.

Die grausamen Erinnerungen an die Vergehen an den Juden in Deutschland sind präsent - zuletzt bei der Buchvorstellung von „Zerbrochene Zukunft – der Pogrom gegen die Juden in Wuppertal im November 1938“ von Ulrike Schrader in der evangelischen City Kirche Elberfeld. Zum ersten Mal gibt es somit ein Buch, das den Novemberpogrom in Wuppertal so detailliert und faktenreich aufzeigt.

80 Jahre ist es her, dass 17 000 jüdische Familien polnischer Herkunft an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben wurden. Am 28. Oktober 1938 startete die sogenannte Polenaktion, die der Anfang einer Kettenreaktion war. Zwei Wochen später finden die Novemberpogrome statt, auch bekannt als Reichskristallnacht. Die Nazis setzen Synagogen in Brand, zerstören jüdische Wohnungen und Geschäfte. Menschen werden ohne Begründung festgenommen, sie müssen alles stehen und liegen lassen, ihre Familien zurücklassen – um dann in Viehwaggons abtransportiert zu werden. All das ist in ganz Deutschland passiert, aber eben auch in Wuppertal.

Das machen die Zeitzeugenberichte in Schraders Buch sehr deutlich, wenn in diesem Zusammenhang bekannte Straßennamen wie die Gesundheitsstraße fallen, in der Familie Grodzki lebte. Sie hatte noch Glück. Eine Horde von Nazis hat ihre Wohnung komplett zerstört, doch sie selbst befanden sich im oberen Teil der Wohnung, in den keiner kam.

„Das geht mir sehr nahe. Natürlich hat man schon oft von der Reichskristallnacht gehört, aber es ist etwas ganz anderes, es direkt von Zeitzeugen zu erfahren und besonders von Leuten, die diese Dinge praktisch hier um die Ecke erlebt haben“, sagt Jutta Gilges, die sich die Buchvorstellung angesehen hat. Sie habe sich die Brutalität dadurch genau vorstellen können.

Die Autorin des Buches, Ulrike Schrader, die gleichzeitig Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge in Wuppertal ist, findet die Zeugenaussagen so wichtig, „weil sie die Notwendigkeit von Differenzierungen zeigen“. Oft hätten Menschen falsche Bilder im Zusammenhang mit dieser Thematik im Kopf und generalisierten sie zu sehr. Besonders wichtig sei es, dass die Fakten zu den Ereignissen aufgeschrieben seien, im Zeitalter von Falschinformationen im Internet.

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